WWOOF gibt es mittlerweile in mehr als 100 Ländern der Erde. Dabei hat nicht jedes Land eine eigenständige nationale Organisation der Plattform. Länder, die noch recht wenige Mitglieder besitzen, werden deshalb in der WWOOF-Independents-Liste zusammengefasst und über eine gemeinsame Website organisiert. Da auch Island zu diesen Ländern gehört, meldete ich mich also im April dieses Jahres auf der Website von
WWOOF Independents an. Für ein Jahr Mitgliedschaft bezahlt man £20.00, was umgerechnet ungefähr 25 Euro sind. Ist man angemeldet, bekommt man den Zugriff zu den Adressen der Farmen und erhält die Möglichkeit mit den Besitzern der Farm in Kontakt zu treten. Prinzipiell geben die Gastgeber ("hosts") an, zu welcher Zeit ein Besuch möglich ist. Darauf basierend kann nun der WWOOFer eine Anfrage für eine bestimmte Zeit stellen. Es gibt keine Angaben über Mindest- oder Maximalzeiträume der Farmarbeit. Ich selbst habe aber auch schon von 4-tägigen Aufenthalten bis hin zu 3-jährigen Besuchen gehört. Das ist sehr von der jeweiligen Farm abhängig und sollte dann individuell abgeklärt werden. Die meisten Farmen legen Wert darauf, dass sich die Einarbeitungszeit für sie auch lohnt, was ab 2 bis 3 Wochen der Fall ist. Als WWOOFer ist es wichtig, früh anzufragen, weil man dann die besten Chancen hat. Viele Farmen lassen sich aber auch auf spontane Besuche ein. Eine Anfrage zu stellen, wenn man schon im Land ist, benötigt also Flexibilität, ist aber sicherlich nicht auszuschließen. Zudem würde ich auch Hartnäckigkeit empfehlen. Nur weil eine Farm angegeben hat, zu einer gewissen Zeit nicht verfügbar zu sein, ist das kein Grund, gleich die Hoffnung zu verlieren. So war es übrigens bei mir. Ich kontaktierte meine Farm auch nicht über das offizielle Anfrage-Formular, weil dies nur möglich ist, wenn der angedachte Zeitraum als "verfügbar" markiert ist. Trotzdem schrieb einfach eine direkte Nachricht an die Familie und siehe da: Es klappte. Wenn man gute Gründe für einen Aufenthalt hat, ein bisschen Kreativität beim Verfassen des Briefes zeigt und ein paar Bilder sendet, erhöht das definitiv die Chancen. Ansonsten kann ich nur sagen, dass meine WWOOF-Erfahrung äußerst unkompliziert verlief. Vor allem, wenn man in den Sommermonaten eine Farm finden will, ist es aber noch wichtiger, möglichst früh anzufragen. Von 12 Farmen, die in Island auf der Website angemeldet sind, waren im April schon 9 Farmen bis August ausgebucht. Ich schrieb 10 Bauernhöfe an und bekam nur eine positive Rückmeldung. Der meistgenannte Absagegrund war die zu späte Anfrage. Aber letztendlich ist eine Zusage völlig ausreichend und ich war einfach nur glücklich, eine feste Unterkunft in Island gefunden zu haben. Natürlich sollte ein WWOOFer nicht nur Freude an der Arbeit mit Tieren haben. Es muss sich darauf eingestellt werden, dass die zu verrichtenden Aufgaben auch mal ein bisschen anstrengend oder ziemlich dreckig ist. Die Farm, auf der ich derzeit wohne, hat beispielsweise ein Mädchen aus Amerika aufgenommen, die nach einigen Tage wieder abgereist ist und eine recht unfreundliche Bewertung auf der Website hinterließ. Sie beschwerte sich über die zu schwere Arbeit und die zu langen Arbeitszeiten. Ein WWOOFer muss sich bewusst sein, dass es natürlich ein Ziel ist, dass der Wwoofer das Land kennenlernt, aber dass der Aufenthalt kein Urlaub im klassischen Sinne ist. Man kann nicht davon ausgehen, am Wochenende keine Arbeit verrichten zu müssen - schließlich versorgen sich die Tiere am Wochenende nicht plötzlich von selbst. Es ist keine Pflicht des Farmbesitzers, Ausflüge mit den WWOOFern zu übernehmen. Auf den meisten Farmen sind die Gastgeber aber gerne bereit dazu. Es ist wichtig, jederzeit die Bemühungen des Farmbesitzers über die Versorgung mit Essen und das Bereitstellen eines Schlafplatzes hinaus, nicht als selbstverständlich zu betrachten. Ich würde Wwoof definitiv weiterempfehlen und hoffe auf weitere Erfahrungen in anderen Ländern...