Als ich am Montag vom Wochenendausflug in Kakamega zurückkam, war es schon Zeit zu packen. Noch diesen Abend sollten Rael, Ophilo und ich Kakamega mit dem Bus verlassen und dann Richtung Nairobi fahren. Das sollte die erste Etappe unserer Reise quer durch Kenia sein. Das Ziel? Mombasa. Die größte Küstenstadt im Osten Kenias.
Gegen 18.30 Uhr verabschiedeten wir uns also von David und fuhren mit dem
matatu nach Kakamega. Dort angekommen shoppten wir noch ein paar Snacks für die Reise und dann warteten wir an der Busstation bis der Bus (eine Stunde verspätet) gegen 21.30 Uhr ankam und wir einstiegen. Wie immer wurden wir im Bus von lauter Benga Musik unterhalten - Nacht oder Tag machte da keinen Unterschied. Mit Noise-Cancelling-Kopfhörern versuchte ich dann noch ein WhatsApp-Call nach Deutschland zu verwirklichen, aber der schwankende Internetempfang machte mir einen Strich durch die Rechnung und ich beschloss zu schlafen. Es war aber wohl eher ein Versuch, denn die Straßen, die wir befuhren, waren sehr holprig und das bekamen alle Passagiere natürlich zu spüren. Die anderen Mitfahrenden waren das aber anscheinend gewöhnt und schliefen friedlich. Kurze Phasen des Wegdösens konnte ich trotzdem genießen und sie gaben mir die notwendige Energie für den folgenden Tag. Gegen um 5 morgens kamen wir in Nairobi an. Nach der Zeit im Bus überforderte mich die Menge an Menschen ein wenig, die wir in Nairobi antrafen. Es war nur ein kurzer Fußweg bis zum Bahnhof, doch es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, da Müdigkeit, eine Menge Gepäck und drängelnde Menschen nicht gerade eine angenehme Kombination darstellen. Zudem hatte ich mehrmalig die Warnung erhalten, dass in Nairobi sehr viele Taschendiebe ihr Unwesen treiben. Auch Rael hatte mir berichtet, dass viele ihre FreundInnen wären des Studiums mehrmals beklaut wurden. Sie erzählte mir von größeren Gruppen von Dieben, die gemeinsam arbeiten und der Strategie des Taschenaufschneidens, ohne dass man es überhaupt mitbekommt. Ich nahm mich also in Acht und nach etwa 10 Minuten erreichten wir dann den Bahnhof. Wir stiegen in einen Bus ein, der uns zum Abfahrtspunkt des Zuges nach Mombasa brachte. Ab hier lief alles sehr organisiert. Nach einer Sicherheitskontrolle inklusive Scannen des Gepäcks und Spürhunden, konnten wir unser Ticket ausdrucken und die Wartehalle des Bahnhofs betreten. Hier dauerte es nicht lange bis zur Ansage, die uns zum Gleis schickte. Der richtige Wagon und Sitz war schnell gefunden. Und dann hieß es für uns alle drei: Kopf auf den Tisch und Schlaf nachholen. Hundemüde dösten wir alle nacheinander weg. Sechs Stunden lang fuhren wir doch verschiedenste Landschaften. In einem Moment war der Blick aus dem Fenster von hohen steinigen Hügeln gezeichnet, im nächsten konnte man weit in die Ferne schauen und sah nichts außer einer Art Steppe und ein paar grasenden Zebras. Etwas später zeigte Ophilo aus dem Fenster und als ich seinem Hinweis folgte, sah ich ein riesiges Feld. Dort waren sehr regelmäßig Pflanzen angeordnet, die wie grüne Igel aussahen: Sisal, das zum Beispiel zur Herstellung von Seilen benutzt wird. Obwohl wir sehr nah an der tansanischen Grenze vorbeifuhren, war der Kilimandscharo doch etwas zu weit weg, um ihn erblicken zu können. Schade. Die Temperaturanzeige im Zug stieg mit jeder Stunde an. Mittlerweile waren wir bei 30 °C Außentemperatur angekommen. Weit konnten wir also nicht mehr von Mombasa entfernt sein. Es war für mich schwierig vorstellbar, das noch vor 14 Tagen hier in Strömen geregnet hatte und diese Regenfälle
zu extremen Überflutungen von manchen Teilen Mombasas geführt hatten. Aus dem Zugfenster ließen die großen Wasserlachen und die mittlerweile wieder ausgetrockneten Flut-Flussbetten die vergangenen Ereignisse noch erahnen.
Als wir gegen 14.00 Uhr am Bahnhof in Mombasa ausstiegen, wurde ich von der unglaublich drückenden Hitze überrascht. Solche Temperaturen kannte ich bisher nur auf dem Italienurlaub im Sommer. Die Sonne strahlte unermüdlich und wir bahnten uns unseren Weg durch die Menschenmengen bis zum Taxistand. Von dort aus ging es dann direkt zur Unterkunft. Zwei junge Männer begrüßten uns und zeigten uns unsere Unterkunft für die nächsten vier Tage - Küche, Bad, Schlafzimmer und Wohnzimmer. Wir waren zufrieden. Dann begaben wir uns auf Essenssuche. Da es doch länger dauerte als geplant, verschoben wir den Plan, zum Strand zu gehen auf den nächsten Tag.
Das war eine gute Entscheidung, denn auf dem Weg zum Strand am nächsten Tag (Mittwoch) trafen wir Patrick, der unser Tour-Guide für die nächsten drei Tage wurde. Er begleitete uns zu unserem Ziel: Nyali Beach. Nach einem Fußweg von etwa einer halben Stunde unter der heißen Mombasa-Sonne erreichten wir einen schmalen Weg, der uns Richtung Meer führte. Rechts und links waren vereinzelt kleinere Hütten zu sehen bis wir eine Reihe an Palmen durchquerten, die einen Streifen parallel zur Küste bildeten. Der Blick, der sich uns anschließend offenbarte konnte paradiesischer nicht sein: Weißer Sand wurde von hell strahlender Sonne beschienen. Die sanften Wellen sorgten für den akustischen Hintergrund und ein paar Vögel kreisten am Himmel. Die Palmen wogen leicht im Wind. Links neben uns stand eine kleine Strandhütte mit Strohdach, wie man das aus Filmen kennt. Der Strand war leergefegt, da es noch recht früh am Vormittag war.