Zwei Ausflüge

Von einem tierischen Abenteuer in Kisumu, einer Wortneuschöpfung und einem kenianisch-deutschen Wochenende in Kakamega

20. bis 26. November 2023 (Woche 8)

Die Morgensonne war noch ganz sanft als Rael, Naomi und ich uns am Dienstagmorgen nach Kakamega begaben, wo Ophilo auf uns wartete. Der Plan war, dort in ein matatu einzusteigen, dass uns nach Kisumu zum Impala Tierpark bringen sollte. Die Impalas sind übrigens eine spezielle Art von Antilopen, die in Afrika leben und spazieren im Park frei herum. Alles dauerte ein bisschen länger als gedacht, weil die matatus keine festen Abfahrtszeiten haben. Sie warten bis kein Platz mehr frei ist und erst dann heißt es "Abfahrt!". Gegen 10.30 Uhr erreichten wir Kisumu. Dort stellte ich dann mit Erschrecken fest, dass ich meine Speicherkarte der Kamera gestern mit dem Laptop genutzt hatte und nicht wieder in die Kameratasche gesteckt hatte. Ohne Speicherkarte - keine Bilder. Also musste eine neue Speicherkarte her. Zuerst fuhren ließen wir uns von zwei boda bodas zum Tierpark bringen. Dort zahlten wir den Eintritt für Rael und Naomi, damit sie schon einmal den Tierpark entdecken konnten. Währenddessen fuhren Ophilo und ich ins Stadtzentrum von Kenias drittgrößter Stadt und besorgten eine neue Speicherkarte. Diese Aktion sollte sich auszahlen, denn so konnte ich die folgenden Eindrücke festhalten.
Als Ophilo und ich ankamen, hatten Naomi und Rael schon den halben Park entdeckt und konnten uns als Guides zur Verfügung stehen. Das etwa ein Quadratkilometer große Gelände enttäuschte nicht. Gleich zu Beginn begegneten uns frei herum springende Meerkatzen. Sogar den kleinen Jungen konnten wir beim Spielen zusehen. Den Pavian konnte man im nächsten Gehege betrachten.

Ein Weg führte uns am Straußengehege und den Warzenschweinen vorbei, hin zum Leoparden und weiter zu den Löwinnen und Löwen, der Hyäne und dem Gepard, die gerade gierig ihre Fütterung erwarteten.

Den friedlich grasenden Antilopen und Zebras konnte man ganz nah kommen, denn sie liefen frei im Park herum.
Der Klassiker durfte natürlich auch nicht fehlen: die Giraffe (aka Gundula). 
Der Pfad führte uns weiter am Büffelgehege vorbei hin den Schakalen und Schildkröten.

Anschließend entschlossen wir uns noch dazu, eine kleine Bootstour über den Victoriasee zu unternehmen.
Eine halbe Stunde war nun Zeit, Flusspferde zu entdecken.

Wir hatten Glück! Die tonnenschweren Tiere ließen sich tatsächlich blicken...

Um diesen herrlichen Ausflug zusammenzufassen, folgt hier ein Zusammenschnitt der besten Momente.

Nach diesen ereignisreichen Stunden gönnten wir uns dann vor Ort noch ein spätes Mittagessen. Für Ophilo, Rael und Naomi gab es Fisch direkt vom See und ich genoss Chapati und Pommes. Dabei stellten Rael und ich fest, dass die englische Sprache ein neues Wort benötigt für den Zustand, wenn man so satt und zufrieden ist, dass man direkt einschlafen könnte. Wir nannten das von nun an "feeling sluuzy".

Nach unserer Rückkehr gab es viel zu verarbeiten. Den Rest der Woche nutze ich, um den Mombasaurlaub zu buchen und vorzubereiten. Am Mittwoch stattete ich der Schule noch einmal einen Besuch ab, weil ich versprochen hatte, mich in den Ferien um die Physiksammlung zu kümmern. Wie an den meisten Schulen fehlte die Zeit, diese zu ordnen. Also sprach ich mit der Verantwortlichen für den Raum und wir stellten fest, dass mehr Platz notwendig sei. Also entschieden wir gemeinsam, dass ab nächstem Schuljahr ein neuer Schrank zur Verfügung stehen sollte. Wir sprachen mit Schwester Jane und sie war sofort einverstanden und rief den lokalen Tischler an. Der Schrank würde in den nächsten Wochen für die Schule angefertigt werden. 
An den Nachmittagen spielte ich nach wie vor ab und zu Fußball. Am Donnerstag war sogar David mit dabei. Sein Job war ja zurzeit die Prüfungen in der Jungenschule in Mukumu zu beaufsichtigen. Das bedeutete natürlich auch, dass er die meiste Zeit seines Tages still sitzen musste. So brauchte er vermutlich den Ausgleich. Übrigens kam David nach der Geografieprüfung ins Haus und zeigte mir Folgendes:

Mobirise

Was aussieht, wie ein Papiermüllhaufen, war für so manche Prüflinge wohl ihre einzige Hoffnung. All diese Spickzettel hatte David von den Schülern eingesammelt.

Am Freitag ging ich dann mit meinem gepackten Rucksack zur Schule, denn dort sollte ich Frau Kwena (mittlerweile duzen wir uns, also Millicent) treffen, die mich zu sich nach Hause eingeladen hatte - der zweite Ausflug der Woche. Wir würden gemeinsam das Wochenende in ihrem Haus in Kakamega verbringen. Für eine Weile warteten wir gemeinsam auf Milli's Fahrer, der uns anschließend für einen kleinen Einkauf zum Supermarkt und dann zum Haus brachte. 
Das Haus war sehr groß verglichen mit den Häusern, die ich bisher gesehen hatte. Es erinnerte eher an ein Loft. Alles war sehr offen und miteinander verbunden. Die Gemeinschaftsräume Küche, Essensraum und Wohnzimmer bildeten den Lebensmittelpunkt, wo Millis Kinder (Louis, Kaki und Junior) ihre Freizeit verbrachten. Außerdem hatte Milli zusammen mit ihrem Mann noch drei weitere Kinder aufgenommen, die mit ihnen im Haus lebten. Noch war das Haus nicht fertig, erklärte Milli mir. Einige Wände müssen noch verkleidet werden und die Böden waren noch nicht fertig, aber sie wollten das Haus Stück für Stück perfektionieren. Ich bekam ein eigenes Gästezimmer mit eigenem Bad. Ich fühlte mich wie im Hotel.
Am Freitag kündigte mit Milli noch an, dass wir am morgigen Tag ihre Mutter besuchen würden, um deren Geburtstag zu feiern. Zudem hatten Kaki und Louis vor Kurzem Geburtstag gehabt, weshalb sich ein gemeinsames Fest für alle drei anbot.


Als alle satt waren, war nun Zeit, ein bisschen zu tanzen und im Garten Fußball zu spielen. Wir blieben bis zum Abend und fuhren dann zurück zum Haus.
Was ich an diesem Wochenende besonders genoss, waren die gemeinsamen Kocheinheiten. Es entstanden wunderbare deutsch-kenianische Mahlzeiten. Milli zeigte mir, dass es sossi gibt und wie man ezubereitet. Das ist die kenianische Variante von Sojageschnetzeltem. Wir kochten Matoke und frittierte Kartoffeln. Jede Mahlzeit war ein Festmahl. 
Wir unterhielten uns außerdem viel über die kenianische und deutsche Kultur und deren Unterschiede. Milli erzählte mir von ihren Aufenthalten in Deutschland, ihrer Zeit am Goethe-Institut und wie sie im Herbst einen kleinen Kälteschock erlebte. Und ich erzählte ihr von meinen bisherigen Eindrücken. Es tat gut, mit ihr über meinen Aufenthalt in Kenia zu reflektieren und ich hatte das Gefühl, ein bisschen Heimat zu spüren, weil sie Deutschland so gut kennt.
Und dann war da noch Siggi - der Kater. Das Haustier der Familie war anfangs nur da, um Ratten und Mäuse zu vertreiben, aber mittlerweile ist er ein Familienmitglied. Die Streicheleinheiten taten nicht nur Siggi gut. Es ist ja erwiesen, welch positive Wirkung es haben kann, wenn Menschen sich mit Tieren umgeben.
Am Montagnachmittag kehrte ich dann wieder nach Mukumu zurück, um noch am gleichen Tag abends nach Mombasa abzureisen.

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