Im gepunkteten Land

Von einem Einblick in die Haarkultur Kenias, einem Ausflug mit den Schauspielschülerinnen, einer Reise in den bekanntesten Nationalpark Kenias und einem Sonntag zum Vergessen. 

26. bis 03. März 2024 (Woche 22)

Am Montag begann eine sehr entspannte Woche, denn die Schülerinnen würden nun nur noch Prüfungen schreiben und am Mittwoch war dann schon die Abreise nach Hause geplant. Die restlichen Prüfungen betrafen außerdem nicht mehr meine Klassen, wodurch ich jetzt auch nicht mehr korrigieren musste. Ich half hier und da noch ein bisschen aus und beaufsichtigte die Prüfungen, aber ansonsten waren diese zwei Tage sehr entspannt. Gerade deshalb entschieden Rael und ich, uns direkt nach der letzten Prüfung am Montag nach Kakamega zu begeben. Schon lange hatten wir geplant, dass ich mich nun endlich auch haartechnisch der afrikanischen Kultur anpassen würde. Gestartet hatte das ganze eigentlich mit dem Flechten der Cornrows durch die Schülerinnen. Eine liebe Kollegin von mir (Catherine, Englischlehrerin) hatte das gesehen und dann gemeint, dass ich auch "braids" ausprobieren sollte. Eigentlich bedeutet das Wort übersetzt nur "Zopf". In Kenia ist damit Kunsthaar gemeint, dass dann eingeflochten wird. Rael und ich schmiedeten dann Pläne, wann wir dieses Vorhaben umsetzen könnten und diesen Montag war es dann so weit. Gegen 17.00 Uhr erreichten wir den Salon. Das war übrigens der gleiche Salon, den wir auch schon für unsere Maniküre beansprucht hatten. Die Braids hatten wir schon vorher besorgt, aber Lucy meinte dann, dass es noch eine bessere, passendere Farbe gäbe. Also gingen wir zu "Best Lady", dem Shop ihres Vertrauens und zugleich auch dem größten Anbieter für Braids in Kakamega. Dort fanden wir dann alles, was wir brauchten, inklusive Haarwachs, um die ganze Erfahrung angenehmer zu machen. Ich hatte schon durch die Cornrow-Erfahrung mit den Schülerinnen ein ganz gutes Gefühl dafür bekommen, was mich erwarten würde. Es wird ziemlich fest geflochten, damit die Frisur auch möglichst lange hält, nämlich bis zu einem Monat. Gegen 17.30 Uhr begann Lucy dann zu flechten. Für mich war es total faszinierend zu beobachten, wie perfekt sie die Linien der sogenannten "box braids" realisiert. Das ist eine gewisse Flechttechnik, bei der der Scheitel ein Quadrat ergibt. Außerdem hatten wir uns für den spanischen Stil entschieden, bei der in die dünn geflochtenen Zöpfe noch lockiges Kunsthaar eingeflochten wird. Raels und mein Job bestand dann nur noch daraus, das Bündel Kunsthaar in kleinere Mengen zu teilen und Lucy zu reichen. Nach etwa 3 Stunden musste Rael sich verabschieden, weil sie noch Aufsicht in der Schule hatte. In diesem Moment realisierte ich schon, dass die angesetzten zwei bis drei Stunden vielleicht doch etwas zu optimistisch kalkuliert waren. Bis dahin war etwa die Hälfte meiner Kopfhaut mit den Quadraten bedeckt. Also stellte ich mich schon mal darauf ein, noch etwas länger in Kakamega zu verweilen. Lucy meinte dann irgendwann, dass sie nicht erwartet hatte, wie viel Aufwand Muzungu-Haar machen würde. Aber mit der richtigen Musik ist alles machbar. Lucy zeigte mir ein paar Lieder von ihrer Volksgruppe, den Kikuyus. Außerdem rief sie ihren Mann an, um ihm mitzuteilen, dass er die Kinder heute ins Bett bringen müsste. Ich war ihr unglaublich dankbar für den Einsatz, den sie in die ganze Aktion steckte.
Nach sagenhaften 7 (!) Stunden Arbeit flocht Lucy gegen viertel eins den letzten Zopf. Geschafft! Anschließend wurden die einzelnen Zöpfe zu einem großen Zopf zusammengebunden. Erst jetzt merkte ich, wie sehr meine Kopfhaut Revolte machte. Im Nachhinein meinte Rael zu mir, dass dieser Moment immer der schmerzhafteste ist. Das bestätigt auch Social Media...


Lucy meinte, dass ein Dutt das Beste wäre, um zu schlafen, weil das Haar dann geschützt ist. Ophilo war gekommen, um mich abzuholen, weil ein nächtlicher Spaziergang durch die Stadt Kakamega nicht selten gefährlich ausgehen kann. Also ging's dann durch die Nacht mit dem Motorrad nach Hause. 


Die erste Nacht mit fest geflochtenen Zöpfen war recht unruhig, schließlich musste sich meine Kopfhaut erstmal an die Spannung gewöhnen. Am Dienstagabend waren dann alle Prüfungen geschafft und am Mittwoch durften die Schülerinnen der Formen 2 bis 4 nach Hause. Die Form 1 Schülerinnen mussten noch in der Schule verweilen, um ihre Eltern in Empfang zu nehmen. Es gab nämlich wieder einen Akademischen Tag. Diesmal eben für die jüngsten Mitglieder der Schule. Ich bekam von diesem Spektakel aber nicht viel mit, denn ich fuhr ziemlich früh mit den Schauspielschülerinnen im Schulbus los. Wir machten und auf den Weg nach Musoli, einer nahegelegenen Mädchenschule. Dort fand ein Schauspiel-Wettbewerb statt, in welchem landkreisweit Schulen teilnahmen und in verschiedenen Disziplinen (Sketche, Theaterstücke, Gedichte, ...) präsentierten. Ich bemerkte schnell, dass der Druck, der auf den Schülerinnen lastete, ziemlich hoch war. Sie erwarteten Perfektion von sich selbst und nicht weniger. 


Am späten Nachmittag kam dann die Stunde der Wahrheit: Die Mukumu Girls wurden aufgerufen. Leider habe ich vom Stück selbst keine Bilder, da ich den ganzen Auftritt gefilmt habe. Ich war absolut begeistert. Die Mädchen traten selbstbewusst, ausdrucksstark und fröhlich auf. Eine der Hauptrollen vergaß zum Ende des Stücks ein paar Zeilen. Ingesamt war das Publikum begeistert. Eines der Mitglieder der Jury lehnte sich zu mir herüber und sagte, dass der Auftritt bis auf die Texthänger absolut perfekt war. Die Mädchen wirkten enttäuscht und niedergeschlagen, als sie von der Bühne kamen. Eine der Hauptrollen weinte. Die Texthänger sahen die Mädchen nicht so locker. Der Druck war hoch. Schließlich stand das Fortfahren auf nationaler Ebene auf dem Spiel. Nun hieß es warten bis alle anderen Gruppen auch aufgetreten waren. Die Mädchen kehrten zum Schulbus zurück, um sich umzuziehen. Auch ich saß im Bus, als ich sich draußen eine Gruppe von Schülerinnen tummelte. Zuerst bemerkte ich es gar nicht, bis ich nachschaute und merkte, dass eine der Schülerinnen gerade hyperventilierte. Das hatte ich vorher noch nie erlebt und ich bemerkte, dass mein Erste-Hilfe-Wissen äußerst ausbaufähig ist. Wir legten die Schülerin hin, ich holte meine Wasserflasche und eine Schülerin holte die Krankenschwester der Schule. Letztendlich ging alles gut und ihr Atem wurde nach ca. 10 Minuten wieder ruhiger. Irgendwie bewegte mich das aber mehr als ich gedacht hätte. Schließlich weiß ich selbst, wie sehr man sich selbst unter Druck setzen kann und wie sehr das den Körper unter Stress setzen kann. Dieses Ausmaß war jedoch schon extrem, wenn man bedenkt, dass eine Theateraufführung ja eigentlich auch Spaß machen sollte. 
Leider wurde bei der Siegerehrung bekannt gegeben, dass die Mukumu-Mädchen keine Runde weiter sind. Die Enttäuschung war groß, aber zumindest herrschte jetzt Klarheit und man konnte Erleichterung spüren. Die Mädchen hatten mir außerden erklärt, dass für das Einstudieren des Stückes nur eine Woche Zeit hatten und das das Stresslevel in der Schule ganz schön erhöht hatte. Ich habe größten Respekt vor den Schülerinnen und fand ihre Performance exzellent. Warum das eine Jury nicht sehen kann, weiß ich auch nicht...
Auf der Heimfahrt wurde die Erleichterung durch Singen zu lauter Musik zum Ausdruck gebracht. Peter brachte uns sicher nach Hause und gegen abends um 9 waren wir wieder in der Schule. Jetzt hieß es für alle endgültig: Ferien.

Auch ich reiste am Donnerstag ab. George, Davids Bruder, hatte sich bereiterklärt, Rael und mich auf unsere langgeplante Safari im Nationalpark "Maasai Mara" zu begleiten. Dafür war er extra von Nairobi angereist. Am Donnerstag trafen Rael, George und ich uns am Morgen gegen 11.00 Uhr und wir begannen unsere lange Reise nach Narok. Dafür ging es zuerst nach Kisumu und dann im nächsten Matatu direkt nach Narok. Auf dem Weg nach Narok durchquerten wir die wunderschöne Gegend um Kericho, die für ihre riesigen Teeplantagen bekannt ist. Eine leicht hüglige Landschaft, die mit nichts als saftig grünen Teeblättern übersät war. Zugleich schien die Sonne, nachdem es einen kurzen Starkregen gegeben hatte. Die frische Luft kam durchs Fenster geströmt. Ich fühlte mich herrlich.

Mobirise

Nach 7 Stunden Reisezeit kamen wir schließlich wohlbehalten, aber erschöpft in Narok an. George kannte dort ein paar Leute, die uns eine günstige Unterkunft zur Verfügung stellten. Wir kamen günstig weg. Rael und ich schliefen im Doppelbett und George auf der Couch. Das Motto war: "Schlafen kann man eigentlich überall, das sollte nicht viel kosten." George lag aber nicht so schnell im Bett wie wir. Sein Tag war noch nicht zu Ende. Er wollte noch ein paar Dinge für die Safari am nächsten Tag organisieren.

Und dann ging es am Freitagmorgen los. Unsere Sachen ließen wir in der Unterkunft. Kamera und Sonnenbrille eingepackt ging es Richtung Maasai Mara Nationalpark. Dorthin waren es von Narok noch ungefähr 60 Minuten mit dem Auto. Am Tor des Parks angekommen, stiegen wir dann in den Safari-Cruiser um. In diesem saß auch unser Guide Geoffrey, ein Maasai. Mit ihm fuhren wir in den Park und dann war die Spannung groß... Welches Tier werden wir zuerst erspähen? "Da ist was!", rief ich, voller Begeisterung. Im hohen Gras entspannte ein afrikanischer Büffel. Als nächstes ließ sich ein Gnu blicken. Irgendwie kamen mir all diese Tiere so elegant und willensstark vor. Vielleicht unterscheidet das die Wildtiere von Zootieren. Plötzlich erkannten wir einen langen Hals weit entfernt von uns aus dem Gras ragen: eine junge Giraffe! Wir näherten uns ihr und konnten zusehen, wie sie Blatt für Blatt von einem Busch pflückte. Irgendwie realisierte ich jetzt erst richtig, dass ich gerade tatsächlich eine Safari machte - so wie ich es zuvor in Filmen gesehen hatte. Der Übergang von der Anfahrt zum Durchqueren des Tors und bis zum Beginn der Safari war so schnell gegangen.. Und jetzt waren wir mitten im gepunkteten Land, was die wörtliche Übersetzung von "Mara" ist. Damit sind die niedrigen Bäume und Büsche gemeint, die sich in der Savanne wie Punkte auf dem Boden verteilen. Früher gehörte das Land dem Stamm der Maasais. Dann hat es die Regierung übernommen unter der Bedingung, dass Maasais die Guides für Safaris werden. Nach der Sichtung der einzelnen Giraffe entdeckten wir eine ganze Herde von Giraffen am Horizont. Vorerst würden wir aber nach dem Löwen suchen, meinte Geoffrey. Wir fuhren einige Ansammlungen von Büschen ab - erfolglos. Aber ein von Fliegen umgebener Büffelkopf lag auf unserem Weg - gutes Zeichen. Immer wieder kamen durchsagen über Funk. So sprechen sich die verschiedenen Guides ab, um den Gästen die bestmögliche Safari-Erfahrung mit vielen Sichtungen zu ermöglichen. Auf dem Weg kamen wir an zwei Leoparden vorbei, die sich aber im tiefen Gras versteckt hatten und nur schwer zu entdecken waren. Trotzdem tummelten sich ca. 20 Safari-Cruiser um das Stück Wiese. Irgendwie auch ein absurder Anblick. In den meisten Fahrzeugen saßen Muzungus. Geoffrey erklärt uns, dass es streng verboten sei, den Cruiser zu verlassen oder aufs Dach zu steigen. Zu oft sei dabei schon etwas passiert. Verlassen darf man das Fahrzeug nur, wenn der Guide grünes Licht gibt und keine Tiere in der Nähe sind. Damit soll auch der Frieden für die Tiere gewahrt werden.
Dann war es so weit. Ein Rudel Löwen war gesichtet worden. Keine 10 Minuten später waren wir vor Ort. Man sah, dass das Rudel erschöpft war. Mittlerweile zeigte die Mittagssonne ihre Wirkung. Die Tiere suchten Schatten und nahen dabei auch in Kauf, sich neben oder unter eines der Cruiser zu legen. Wir sagen den großen Katzen noch eine Weile zu und ich schoss fleißig Fotos. Dann legten wir eine Mittagspause ein, in der wir mitgebrachte Snacks genossen. Natürlich war auch Zeit für Fotos vorm Safari-Cruiser...


Danach traten wir langsam den Rückweg an. Neben den Highlight-Tieren hatten wir aber natürlich auch Warzenschweine, Straußen, zahlreiche andere Vogelarten, Erdmännchen, Zebras, uns viele mehr gesehen. Aber auf dem Rückweg offenbarten sich dann noch ein Gepard und eine Elefantenfamilie. So hatten wir insgesamt 4 der "Big Five" gesehen: Elefant, Leopard, Büffel und Löwe. Das Nashorn sieht man nur sehr selten und es braucht in der Regel mehr als nur einen Tag Safari. George meinte aber, dass er schon oft Touristen mit nach Maasai Mara genommen hatte und dass man normalerweise in so kurzer Zeit nicht so viele Tiere sieht, wie wir sie gesehen hatten. Wir hatten also Glück.
Und nun noch eine filmische Zusammenfassung mit Namen der Tiere in Suaheli zum Mitlernen:


Dann hieß es auch schon Abschied nehmen von unserem Guide Geoffrey (links) und seinem Bruder. Noch ein Erinnerungsfoto und dann ging es auch schon zum nächsten Halt: ein Maasai-Dorf.

Mobirise

Das Dorf befand sich keine 10 Minuten vom Eingang des Parks entfernt. Als wir ankamen wurden wir direkt von zwei Maasai begrüßt, die typischen Maasai Shukas trugen. Die Maasai sind eine der ethnischen Gruppen in Kenia, die sich im Süden des Landes angesiedelt haben. Sie gelten als sehr intelligent und reich. Wie wohlhabend ein Maasai ist, sieht man an der Menge der Kühe, die er besitzt. Der Sohn des Chiefs im Dorf, Steve, begrüßte uns und erklärte, dass es ein Willkommensritual gebe. Zudem sind die Maasai recht bekannt, für das Ritual des Standhochsprungs unter den Männern. Das musste ich natürlich auch mal probieren...

Anschließend zeigte uns Steve den Weg ins Dorf bestehend aus mehreren kleinen Häusern, die oval angeordnet waren und in der Mitte eine Art Versammlungsplatz bildeten. Wir durften in eine der Hütten hineinschauen. Es gab kein elektrisches Licht, weshalb es recht dunkel war. Aber die kleinen Fenster sorgten dafür, dass trotzdem genug Tageslicht vorhanden ist. Der Sohn des Stammführers erklärte uns, dass die Maasai sehr naturverbunden leben und beispielsweise auch nicht auf das medizinische System von Kenia zurückgreifen. Teilweise gibt es aber die Entwicklung, dass mehr und mehr Frauen für Geburten in Krankenhäuser gehen. Bildung ist ein weiterer Grund, das Dorf zu verlassen und danach muss auch zurückgekehrt werden. Weiterhin erklärte Steve uns, dass er noch keine Frau gefunden hat und das läge daran, dass er nicht genug Kühe für die Mitgift hätte. Eine Frau kostet 20 Kühe, zwei Frauen 40 Kühe und so weiter. Sein Vater hat über 5 Ehefrauen. Das Ansehen eines Mannes misst sich an der Menge der Frauen und Kühe, die er besitzt. Die Frau wird als Eigentum gesehen und George erklärte mir schon bevor wir das Dorf betraten, dass ich mich nicht wundern soll, wenn ich wie ein Kind behandelt werden würde.
Anschließend wurden wir zu einer Tasse frischer Milch eingeladen. Solch frische Milch hatte ich zuletzt in Island getrunken - direkt von der Kuh, fast unbehandelt, lediglich gekocht. Während wir die Milch genossen, fragte George nach den Traditionen zum Übergang vom Jungen zum Mann. Steve erklärte, dass es früher Tradition war, einen Löwen zu töten, um anschließend beschnitten zu werden. Für die Jagd wurden Speere benutzt und die Jugendlichen zogen als eine Gruppe los und kamen mit einem Löwen als Männer zurück. Heute ist der Löwe geschützt und darf nicht mehr gejagt werden. Steves Vater, der Dorf-Chief, genießt hohes Ansehen, da er noch einen Löwen getötet hat. Der Hut, der aus dem Löwenkopf gemacht wurde, wurde uns stolz gezeigt. Aber heute gibt es diese Tradition nicht mehr. Aber auch wenn es nicht erlaubt ist, kommt es trotzdem noch vor, dass Löwen gejagt werden, wenn ein Löwe die Kühe der Maasai angreift.
Anschließend wurde uns noch gezeigt, wie die Maasai Feuer machen, ohne ein Streichholz zu benutzen. Zuletzt statteten wir noch dem kleinen Maasai-Markt einen Besuch ab: Jede Familie hat hier einen eigenen Stand und die Produkte werden alle selbst hergestellt. Der Verkauf dieser Produkte ist eine der Haupteinnahmequellen für die Maasai. Auch in Kisumu hatte mich auf dem Maasai-Markt schon die Kreativität, was die Vielfalt der Produkte angeht, unglaublich beeindruckt. In jedem Stand konnte man etwas Neues finden: Ohrringe aus Flaschendeckeln, Tassen aus Stein, Ohrringe in allen möglichen Ausführungen, bunte Decken, wunderschöne Malereien, Anhänger aus dem Horn einer Kuh, geschnitzte Holztiere und vieles mehr. Dass der Maasai-Markt im Maasai-Land eine berühmte Touristenattraktion ist, merkte ich auch an den Preisen für die Produkte. Während man in Kisumu auf dem Maasai-Markt ein paar Ohrringe für ca. Ksh. 100-150 bekam, was ungefähr einem Euro entspricht, waren hier die Verhandlungsbasis 8 Dollar. Eine Tasse fing bei 20 Dollar an. Ich entschied also, es bei Window-Shopping zu belassen und den Touri-Urlaubs-Mzungus das Kaufen der Produkte zu überlassen. Dann war es auch schon Zeit, wieder zur Unterkunft in Narok zurückzukehren.


Am Abend beschlossen George, Rael und ich dann ein bisschen auszugehen. Die erste Safari kann ja ruhig ein bisschen gefeiert werden. George kannte sich in Narok gut aus, weil er hier studiert hatte. Er wusste also, welche Clubs man ohne Bedenken besuchen kann. Wir besorgten uns also zuerst etwas zu essen und machten uns dann auf den Weg. Der Club-Besitzer war ein Freund von George und hieß uns herzlich willkommen. Wir genossen die Zeit und genossen ein paar Drinks zusammen. Die Musik war gut, wie hatten Spaß und ich bekam mit, wie man in Kenia feiern geht. Einen Unterschied merkte ich direkt: Der Tanzstil ist deutlich anders als ich es gewohnt bin. Ich würde das Tanzen als sehr körperlich beschreiben. Oder ich beschreibe es mal so: Würde ich von einem Mann so angetanzt werden, fände ich das anzüglich. Auch Rael meinte, dass oft Pärchen so tanzen, aber sie wisse auch von Geschichten, wo solche ein Tanzstil schnell zu Übergriffigkeit führen kann. Hier ein Beispiel auf YouTube (nicht von mir gefilmt):


Und dann gab es einen kleinen Dämpfer: Wir wissen bis jetzt nicht, was es gewesen sein konnte, aber George und ich hatten etwas gegessen oder getrunken, wogegen sich unsere Körper wehrten. Die anschließenden 24 Stunden waren dementsprechend unangenehm. George kam recht schnell darüber hinweg und war am nächsten Morgen schon wieder fit. Ich brauchte ein wenig länger, weshalb wir unsere Weiterreise um einen Tag verschieben mussten. Den Tag über ging es mir wirklich elend. Trotzdem war diese Lebensmittelvergiftung nicht so schlimm wie die auf Mfangano. Ich merkte bald, dass mein Körper kämpfte und dabei einen guten Job machte. Ich hatte zwar ein Antibiotikum genommen, aber letztendlich hätte mein Körper es wahrscheinlich auch allein geschafft. Am Abend des Samstages fühlte ich mich zwar noch etwas schwach, aber ich konnte wieder etwas essen und war mir sicher, am nächsten Tag weiterreisen zu können.
Gesagt, getan: Am Sonntag ging es weiter in Richtung Norden nach Naivasha. Zuerst hatte George eine Bootsfahrt über den See Naivasha geplant. Die Artenvielfalt, die wir dort zu Gesicht bekamen, überwältigte mich: Auf dem kompletten See tummelten sich zahlreiche Tiere. Besser als mit Bildern kann man das nicht beschreiben...


Nach einer etwa 20-minütigen Tour über den See und entlang der Halbmond-Insel (Crescent Island) legten wir dann am Ufer der Insel an. Man darf nur an einen bestimmten Teil der Insel betreten, der Rest gehört nur den Wildtieren: Gnus, Zebras und eine Menge Vogelarten... Wo wir angelegt hatten, war nun Zeit, die Wasserböcke aus nächster Nähe zu beobachten, die sich hier in großer Zahl befanden. Kurze Zeit später ging es auch schon zurück zum Festland.

Anschließend fuhren wir weiter zum Hell's-Gate-Park, der als eine der Inspirationen für "König der Löwen" gilt und zudem auch zahlreiche Wildtiere beherbergt. Zuvor sollte es aber ins Geothermalbad gehen, das sich auch im Park befindet. Schon von Weitem konnte man die Düfte vernehmen, die typisch für natürliche Geothermalbäder sind. Ich kannte diesen Geruch nach faulen Eiern nur zu gut aus Island. Es fiel uns jedoch leicht unseren Geruchssinn etwas auszublenden, denn umso schöner war die Badeerfahrung. Rael, George und ich planschten für etwa eine Stunde und genossen die Hitze des Wassers. Jeder konnte individuell entscheiden, welche Hitzestufe angenehm ist. Regulieren konnte man, indem man sich entweder zum Heißwasserzugang oder davon weg bewegte.


Nach dieser geruchsintensiven Erfahrung fuhren wir weiter durch den Hell's-Gate-Park. Die Besonderheit der Wildtiere in Hell's-Gate ist, dass hier nur grasende Tiere leben (Zebras, Antilopen, Gnus, Büffel, Bergböcke, ...). Es gibt keine Löwen, weshalb die friedlichen Vierbeiner hier - im Gegensatz zu den Exemplaren in Maasai Mara - entspannt und ohne Sorgen grasen können. Der Park beeindruckte vor allem durch die Landschaft, die durch hohe Klippen, zwei erloschene Vulkane und tiefe Schluchten geprägt ist. Das liegt hauptsächlich daran, dass der Park mitten im Großen Afrikanischen Grabenbruch (Great Rift Valley) liegt. Daher kommt auch der Name Hell's-Gate (Tor zur Hölle). Die vielen Klippen bilden Durchlässe in ihrer Mitte, die wie Eingänge aussehen. Dahinter sind Schluchten und große dunkle Höhlen, die den Park sehr mysteriös aussehen lassen. Einem der hohen und spitzen Felsen wird nachgesagt, eine Inspiration für "König der Löwen" gewesen zu sein. So spezifisch ist das nicht zu bestätigen, aber zumindest wurde der gesamte Park von Produzenten des Films besichtigt.


Am Abend reisten wir dann nach Nakuru, um eine Unterkunft für die Nacht zu finden. So würden wir am nächsten Tag direkt die Stadt erkunden können. Die Fahrt dauerte nicht besonders lang und wir erreichten Nakuru gegen 21.00 Uhr abends. Wir gingen also schnell noch etwas fürs Abendessen einkaufen, genossen leckere Pasta und legten uns dann satt und zufrieden schlafen.

Mobirise

HTML Generator