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Von einem Schulausflug zum Campus, dem Beginn der Zwischenprüfungen, einem überraschenden Besuch, einer Runde Selfcare und einer Reise zum größten Breitenkreis.  

19. bis 25. Februar 2024 (Woche 21)

Auch diese Woche verminderte sich die Zeit, die ich in Fahrzeugen verbrachte, nicht. Am Montag ging es direkt los mit dem ersten Ausflug zur UZIMA Universität in Kisumu. Die Klasse 10 Süd-Ost hatte so gute Ergebnisse erreicht, dass ihnen zur Belohnung ein Motivations-Ausflug an die Universität genehmigt wurde.

Mittlerweile bin ich so oft mit dem Bus gefahren, dass ich mich mit Peter angefreundet habe. Er ist der Busfahrer. Ich kann nicht genau erklären, warum ich Peter so unglaublich sympathisch finde, aber er ist einfach eine Legende. Ich glaube, am besten kann man ihn als "herzensgut" beschreiben. Peter ist ziemlich ruhig, immer gut gelaunt und alle Schülerinnen lieben ihn. Nebenbei ist er der beste Busfahrer, dem ich je begegnet bin. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der solch ein riesiges Gefährt so präzise einschätzen kann wie Peter. Irgendwie erinnert er mich an einen Filmcharakter. Peter steuerte also den gut gefüllten Bus am Morgen vom Schulgelände und wir legten auf dem Weg nach Kisumu einen Zwischenstop in einer kirchlichen Einrichtung ein, die gute Beziehungen zur Schule hat. Dort genossen wir unser Frühstück. 

Mobirise

Anschließend ging es weiter zur UZIMA Universität. Uzima ist übrigens Suaheli und bedeutet 'Lebenskraft'. Wir kamen am späten Vormittag dort an. Zu Beginn fiel mir die extreme Hitze auf, die uns in Kisumu überraschte. Seit langem sollte ich mir wieder einmal einen Sonnenbrand holen. Wir bogen also mit dem Bus auf den Campus ein und die Schülerinnen versammelten sich, um von der Universitätsleitung begrüßt zu werden. Nach einer kurzen Begrüßung wurden wir dann auf dem Campus der Uni herumgeführt, die sich ausschließlich auf medizinische Studiengänge spezialisiert hat. Den Schülerinnen wurden die Gebäude und besonders die Labore gezeigt. Es wurde ihnen ein Einblick gegeben, was sie in einem Medizinstudium lernen würden und verschiedene DozentInnen kamen und stellten sich vor. Insbesondere betonten die DozentInnen den Fokus auf die Fächer Chemie, Biologie und Physik. Dann stellten sich noch verschiedene ehemalige Schülerinnen aus Mukumu vor, die mittlerweile hier studieren. Als wir die Labore betraten, wurde in meine Richtung kommentiert, dass einige der Labormöbel aus Deutschland importiert sind. Stolz wurde mir dann das Label an den Laborschränken gezeigt. 
Dann ging es weiter Richtung Anatomie-Labor, wo wir dann auch den Raum betraten, wo Körperspenden untersucht werden. Auch das gehört zu einem Medizinstudium dazu. Ich merkte, dass ich schon die ganz richtige Entscheidung mit meinem Lehramtsstudium getroffen hatte. Zwar war mir bewusst, dass es einfach Wissenschaft ist und dass das "Sortieren" der Körperteile in die bunten Eimer da einfach dazugehörte, aber es ist definitiv nicht meins. 
Anschließend ging es dann wieder zum Ursprung: zum Thema Geburt. Dort wurde den Schülerinnen gezeigt, wo Geburten geübt werden und der Prozess erklärt, in welchem eine schwangere Frau zustimmt, während der Geburt von Studentinnen zu Lernzwecken beobachtet zu werden. Auch die Puppe für die Trockenübung wurde uns präsentiert, obwohl die ein klein bisschen gruselig aussah (fanden wir). 
Der letzte Teil der Veranstaltung führte uns in einen Versammlungsraum, wo verschiedene Mitglieder der Universität und auch der Studentensprecher noch ein paar Worte sagten. Auch die Klassensprecherin der Klasse bedankte sich noch offiziell bei ihrer Klassenleiterin und bei der Universitätsleitung. Insgesamt hörte ich von den Schülerinnen in Gesprächen nur gutes Feedback und wie motiviert sie wären, beste Leistungen zu zeigen. 
Dann ging es gegen 16.00 Uhr wieder in den Bus und wieder zurück zur kirchlichen Einrichtung, um dort gemütlich unser Mittagessen einzunehmen. Anschließend war natürlich noch Zeit für ein paar Bilder. Mit Peters Erlaubnis kletterte ich auf den Bus, um von dort noch ein paar schöne Gruppenbilder von der Klasse einzufangen. 


Die Woche war unterrichtstechnisch gesehen sehr kurz und auch nicht aufwendig, da die Prüfungen am Donnerstag begannen und bis dahin nur noch der bisher gelernte Stoff wiederholt wird. Es gab also erst einmal keine Stunden vorzubereiten. Was meine Zeit stattdessen füllte, war das Gestalten der besagten Prüfungen. Frau Kwena hatte zu mir gemeint, dass ich die Prüfung für meine Klasse selbst zusammenstellen kann. Sie gab mir eine grobe Vorlage und dann ging es los. Ähnlich war das in Physik, nur dass hier nicht wie in Deutsch nur eine 40-köpfige Klasse diese Prüfung schrieb, sondern ganze 180 Physikschülerinnen diese Prüfung dann schreiben würde.

Am Abend bevor die Prüfungen dann tatsächlich begannen, besuchte ich noch ein paar Klassen und erfuhr auch, wie man "Viel Glück" in Suaheli wünscht: Nakutakia kila la heri! 
Am Donnerstagmorgen war es dann so weit und die Prüfungen begannen. Der Ablaufplan war eng getaktet und das Korrigieren der Prüfungen sollte schon am Dienstag der kommenden Woche abgeschlossen sein, da die Schülerinnen am Mittwoch nach Hause aufbrechen und ihre Halb-Trimester-Ferien antreten.


Wie das eben so ist, wenn der Stress abfällt: Man wird krank. Und so ging es mir auch. Mich hatte schon etwas länger ein Husten geplagt, aber das verwunderte mich nicht. Die recht frischen Temperaturen, die in den letzten zwei Wochen geherrscht haben, sorgten für eine kleine Grippewelle an der Schule. Nun wurde der Husten aber wieder stärker, statt langsam abzuklingen. Also entschied ich mich am Donnerstag pünktlich Feierabend zu machen und nach Hause zu gehen. Und da stand jemand in der Küche, den ich nicht erwartet hatte hier zu treffen: Mama Beatrice! Sie war recht spontan zu Besuch gekommen. Als sie meinen Husten hörte, war sie direkt besorgt und ich nahm mir frei, um am nächsten Tag mit ihr zum Arzt zu gehen. Dort wurde ich gründlich durchgecheckt und auf alle möglichen Infektionen untersucht. Gefunden wurde nichts. Es handelte sich schlicht um eine Erkältung. Vermutlich hält der Husten schon so lange an, weil ich mit einem dreijährigen Kind zusammenlebe und in einer Schule arbeite. Da fliegt eben das ein oder andere Virus herum und man infiziert sich genau dann, wenn man gerade auf dem Weg der Besserung ist. Trotzdem war es gut, einfach sicherzugehen und gab mir auch ein gutes Gefühl. Das einzige Heilmittel war aber eigentlich Ruhe und keine Arbeit und so merkte ich, dass die Prüfungsphase, in der ich nur zu korrigieren hatte zur perfekten Zeit stattfand. So korrigierte ich vom Bett aus oder setzte mich draußen in die Sonne und entspannte über die nächsten Tage. Schnell merkte ich, wie eine Besserung einsetzte und der Husten sich ganz von selbst verabschiedete.


Und so durfte ich auch diesen herrlichen Moment erleben, als plötzlich ein Schwein durch unseren Garten stolzierte und unseren Müll durchforstete.
Kühe, Hunde und Katzen war ich ja schon gewohnt, aber dass mal ein Schwein ausriss, war dann doch eine neue Erfahrung.  

Mobirise
Mobirise

Am Wochenende stand dann noch ein bisschen Organisationskram an. Mein Visum deckte zunächst die ersten drei Monate meines Aufenthalts ab. Anschließend verlängerte ich mit Davids und Georges (Davids kleiner Bruder) Hilfe noch einmal, und zwar um 2 Monate, weil eine direkte 3-monatige Verlängerung nicht möglich war. Man sieht hier: Der Staat Kenia braucht Geld. Das sollte jetzt auch die letzte Verlängerung sein und sie erlaubt mir bis zu meinem Rückflug hier in Kenia zu verweilen. 
Ich bin ganz froh, dass das Verlängern jetzt erledigt ist, denn ganz so einfach ist das nämlich gar nicht. Normalerweise muss man persönlich mit dem Reisepass nach Nairobi ins Immigrationsbüro. Aufgrund des Schulalltags ist es aber schwer, einfach nach Nairobi zu reisen, also kümmerte sich Davids Bruder um meine Angelegenheit, weil er sich damit schon auskennt und schon einigen Muzungus weitergeholfen hat. In Nairobi dauert es mindestens einen halben Tag bis man an die Reihe kommt, es sei denn man gibt eine Kleinigkeit dazu. Korruption ist Teil der Kultur. Das wurde mir schon oft gesagt und so langsam hatte ich auch einige Erfahrungen gemacht, die das Bestätigen. Am konkretesten sieht man es an der "Abgabe" der Matatufahrer, wenn die Polizei sie anhält. Das alles ist so routiniert, dass die Fahrer nur kurz langsamer werden, unauffällig das Geld übergeben und dann weiterfahren. Eine Polizeikontrolle der anderen Art...


Das Wochenende bestand also hauptsächlich aus dem Korrigieren von Prüfungen und Schlafen. Außerdem  kümmerte ich mich um die Anmeldung der Module für das nächste Semester an der Uni. Diese Anmeldung ist noch vor meinem Rückflug zu erledigen und ich wollte es nicht auf die letzten Wochen verschieben. Irgendwie bekam ich auch ein bisschen Vorfreude, in den Unialltag zurückzukehren. Meine Studistadt hatte ich natürlich manchmal vermisst...

Ein weiterer Aspekt, der meine Gedanken nach Deutschland lenkte, war eine Überraschung, die ich zu Gesicht bekam, als ich die Spendenaktion "2001 Gründe" checkte. Einige mir bekannte Namen tauchten auf der SpenderInnenliste auf - allesamt Lehrkräfte meiner ehemaligen Schule (dem Franziskaneum in Meißen). Das nahm ich als Anlass dann auch direkt mal wieder mit meiner ehemaligen Schulleiterin in Kontakt zu treten und mich auf diesem Weg herzlich zu bedanken. Ich wollte unbedingt deutlich machen, wie sehr diese Spenden hier helfen. Einige Schülerinnen der Abschlussklasse sind seit ein paar Wochen zu Hause, weil sie die nächste Rate der Schulgebühren nicht bezahlen konnten. Gerade im Endspurt zählt aber jeder Tag und der Stoff der jede Woche vermittelt wird, ist nur schwer aufzuholen. Mit diesen Spenden ist es möglich, diese Schülerinnen wieder zurück an die Schule zu holen und ihnen die Chance auf einen Schulabschluss und die Hoffnung auf ein Studium zurückzugeben.


Am Samstag musste ich in Kakamega noch meinen Reisepass abholen, den George mir aus Nairobi wieder zugeschickt hatte. Rael kam mit mir, denn wir hatten noch einen weiteren Plan: Einen Besuch um Salon. Ich hatte mir in meinem Leben noch nie die Nägel machen lassen und wir beschlossen, dass es nun dafür Zeit wäre und auch Rael war Feuer und Flamme. Wir suchten einen passenden Salon aus und trafen Lucy, die wir dann mit der Zeit noch besser kennenlernten. Nach etwa einer dreiviertel Stunde waren meine Nägel kaum wiederzuerkennen und ich war vom Ergebnis absolut begeistert. Mit der Zeit stellte ich allerdings fest, dass ich zwar die Nägel an sich mochte, aber sie irgendwie einfach nicht ganz zu mir passten. Trotzdem war es eine schöne Erfahrung mit Rael, die ich nicht missen möchte.


Am Sonntag war es dann Zeit für einen Ausflug. David als Geografielehrer war direkt begeistert von meinem Vorschlag direkt zum Äquator zu reisen, um dort einmal gleichzeitig mit einem Bein auf der Nord- und mit dem anderen Bein auf der Südhalbkugel zu stehen. Also machten wir uns gegen Mittag auf den Weg nach Maseno, wo der größte Breitenkreis der Erde hindurchführt. Nach etwa zwei 1,5 Stunden tippte mich David an und zeigte mir sein Handydisplay, wo man den Längengrad ablesen konnte. Wir waren noch 7 Minuten (geografische Länge) vom Äquator entfernt. 
Dann stiegen mir vom Matatu aufs tuk tuk um und nun war es tatsächlich nicht mehr weit. Und dann erblickten wir das Schild: "Du befindest dich am Äquator."
Anhand der Bilder kann man sehen, dass David und ich eine Menge Ideen mitbrachten, was man so am größten Breitengrad machen kann... Vor Ort wurde uns dann noch ein interessantes Experiment vorgeführt, dass uns präsentieren sollte, wie Wasserstrudel auf der Nordhalbkugel in eine andere Richtung strömen als auf der Südhalbkugel. Mir war klar, dass dieses Experiment so nicht funktionieren kann, weil die entsprechende Corioliskraft viel zu gering ist, um bei solch kleinen Strudeln etwas zu bewirken. Bis jetzt weiß ich aber nicht mit Sicherheit, was der vorführende "Experte" genau gemacht hat, um das Experiment trotzdem scheinbar funktionieren zu lassen. Er benutzte einen Eimer mit einem Loch im Boden, der mit Füßen über den Erdboden erhoben war. Es wurde ein kleines Pflanzenblatt benutzt, um die Stromrichtung anzuzeigen. Tatsächlich bewegte sich das Blatt auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn und auf der Südhalbkugel mit dem Uhrzeigersinn. Direkt auf dem Äquator bewegte sich das Blatt nur zum Loch hin... Vielleicht gab es eine bestimmte Eingießtechnik, vielleicht waren die Füße des Konstrukts in bestimmter Weise präpariert... Was auch immer der Trick war, der Experimentator war geschickt genug, es vor uns zu verbergen. 
Und so endete unser kleiner Sonntagsausflug mit einer schönen Erinnerung und vielen schönen Bildern.

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