Am Montag führten wir zudem ein Deutschprojekt fort. Das Goethe-Institut (München) hatte einen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem Deutsch lernende Schüler und Schülerinnen einen Kurzfilm und einen Aufsatz (beides in deutscher Sprache) einreichen und somit eine zweiwöchige Reise nach Deutschland gewinnen können. Im Film soll es um die eigenen Lebensträume gehen und im Aufsatz soll diskutiert werden, was die beiden Länder Kenia und Deutschland voneinander lernen können. Milli hatte mir das Projekt übertragen und einige Schülerinnen hatten über die letzte Woche schon Ideen gesammelt.
Anita und Jacky (siehe Bild) zeigten die meiste Motivation und hatten viele Ideen, mit denen sie zu mir kamen. Sie arbeiteten zuerst an getrennten Projekten. Irgendwann kam dann Jacky zu mir und meinte, dass sie ihren Aufsatz an Anita weitergeben würde, weil sie ihrer besten Freundin diese Chance so sehr gönnt. Ich wusste, dass das Anitas Chancen erhöhen würde, da Jacky ein Talent für das Schreiben in der deutschen Sprache hat. Freitag letzte Woche hatten wir mit dem Filmen begonnen und auch den Montag- und Dienstagnachmittag verbrachten wir damit bis wir dann am Mittwoch das finale Resultat einreichen konnten. Am 29. Februar werden wir dann erfahren, ob Anita tatsächlich nach Deutschland reisen wird...
Die beiden Endergebnisse des Projekts sind hier zu sehen:
Und es gab noch weitere erfreuliche Nachrichten aus dem Fachbereich Deutsch. Einige der Schülerinnen aus der Abschlussklasse von letztem Jahr, haben in der letzten Woche einen Deutschtest für das Sprachlevel B1 abgelegt. Dabei werden alle vier Fähigkeiten getestet (Lesen, Schreiben, Hören, Sprechen). Roseanne hatte zwei der beiden Teile direkt bestanden. Trizah hatte gleich drei der vier Teile bestanden. Sobald die beiden die Wiederholungsprüfung in den anderen Kategorien bestehen, steht ihrem Weg nach Deutschland nichts mehr im Wege. Das Level B1 ist so wichtig, weil man mindestens dieses Level braucht, um sich für einen Job oder eine Ausbildung zu bewerben.
Außerdem wurde diese Woche das Logo für den neuen Abschlussjahrgang veröffentlicht. Was letztes Jahr "The Phoenix" waren, sind dieses Jahr nun "The Eagles" (Die Adler). David ist nun der Hauptverantwortliche für diese Abschlussklassen. Das ist auch der Grund, warum er dieses Jahr noch mehr arbeitet, als letztes Jahr. Man merkt, wie sehr ich sich auch selbst unter Druck setzt, weil er die Mädchen zu den bestmöglichen Ergebnissen bringen will. Er meinte zu mir, dass nun alle Augen auf ihn gerichtet wären: Würde die Klasse unverhältnismäßig schlecht abschneiden, würde er verantwortlich gemacht werden. Vor allem hat er an der Schule einen Ruf als Lehrkraft die Schülerinnen zu sehr guten Leistungen zu führen, was den Druck noch mehr erhöht.
Besonders in den letzten Wochen habe ich mir noch einmal bewusst gemacht, wie hart die meisten Lehrkräfte an dieser Schule arbeiten. Insbesondere die Lehrkräfte, die in der Nähe der Schule wohnen, werden immerzu zur Verantwortung gezogen.
Umso schöner ist es dann, wenn David zumindest einmal eine kurze Auszeit genießen kann, wie zum Beispiel diesen Mittwoch zum Valentinstag. Am Abend erhielt ich einen Anruf von David. Wie so oft überraschte er mich mit seiner Spontanität: "Come, we go to Golf Hotel." (Komm, wir gehen zum Golf Hotel). Lilian, Linda, David und ich fuhren also abends nach Kakamega und gingen ins Golf Hotel. Dort realisierte ich erst, dass der Valentinstag hier ein recht großes Event ist. Überall waren Rosenblätter verstreut und rote Ballons in Herzform aufgehängt. Mehrere Tische waren von Pärchen reserviert. Wir setzten uns zu viert an einen der schön dekorierten Tische, wo es sich Linda natürlich zu Aufgabe machte, dies schnellstmöglich zu ändern. Sie öffnete den Salzstreuer, verstreute das Salz auf dem Tisch, untersuchte das Geschirr und das Besteck. Die Weingläser konnten wir vorher noch retten. Die elektrische Kerze, die für angenehmes Licht sorgte, brannte nur für etwa 10 Sekunden. Dann nutzte Linda den Strauß mit Rosen als Trompete (weil neben uns eine kleine Jazz-Band für Unterhaltung sorgte), zog ihre Schuhe aus, tanzte herum und sammelte alle Blumensträuße von den umliegenden Tischen ein. Was soll ich sagen... Wir waren auf jeden Fall das Zentrum der Aufmerksamkeit.
Gegen 6.00 Uhr am Morgen kamen wir dann in Nairobi an und suchten uns erst einmal das nächste Cafè, um dort gemütlich zu frühstücken. Wir gönnten und beide Chapati und ein Käffchen. Nach dem Frühstück ging es dann Richtung Museum. Auf Beratung von Milli sollten wir am besten Uber benutzen, da es die sicherste und günstigste Variante ist, sich in Nairobi fortzubewegen. Also wurde schnell die App heruntergeladen und das Ziel "Nationalmuseum" angegeben und schon ging's los. Nach ein paar Minuten war unser Fahrer angekommen und wir düsten von unserem Standort (Höhe Uhuru Park) Richtung Norden zum National Museum.
Beim Museum angekommen, schlugen wir uns noch etwas Wartezeit um die Ohren, denn das Museum hatte noch nicht geöffnet. Gegen 8.30 Uhr war es dann so weit, wir besorgten uns unsere Tickets und unser Guide Brian führte uns herum. Alles wiederzugeben, was ich in diesem Museum lernte, ist unmöglich.
Deshalb folgen die beeindruckendsten Dinge kurz zusammengefasst:
Im Museum befindet sich nicht nur ein unglaublich altes Affenfossil (18 Millionen Jahre alt), das auf der Rusinga Insel im Victoriasee gefunden wurde, sondern auch das Fossil eines Jugendlichen der Gattung Homo (Turkana-Boy, 1,5 Millionen Jahre alt)
Oft spricht man von "den großen fünf", wenn es um Wildtiere in Afrika geht. Dabei sind gemeint: Löwe, Leopard, Nashorn, Büffel und Elefant.
Das sind die großen fünf, weil sie am schwersten zu Fuß zu jagen sind.
Die Vielfalt an Vögeln war mir schon auf der Insel Mfangano bewusst geworden. Auch weil Ostafrika so viele verschiedene Klimata hat, finden hier so viele Vogelarten ihre Heimat. Mit über 1000 Arten befindet sich Kenia auf Platz 3 der vogel-reichsten Länder in Afrika. Die Gabelracke ist der nationale Vogel Kenias.
Das Kunstwerk soll die mehr als 40 verschiedene Volksgruppen illustrieren, die mehr als 50 verschiedene Sprachen und Dialekte sprechen. Es wurden verschiedene Kalebasse (Flaschenkürbisse) genutzt, die überall in Kenia verwendet werden. Die meisten Ein-wohner Kenias gehören bantu-sprachigen Volksgruppen an, wozu auch die Luhyas gehören. Aufgrund ihrer Geschichte mit Kenia sind die Inder die 44. Volksgruppe Kenias.
Joy Adamson (*1910) war eine britisch-österreichische Naturforscherin, Malerin und Schriftstellerin. Sie verliebte sich in Kenia. Berühmt wurde sie durch Zeichnungen und Fotografien von Tieren und Pflanzen in Afrika, aber auch von der einheimische Bevölkerung und deren Lebensumstände. Ihre Werke sind im Museum ausgestellt.
Irgendwie habe ich durch meine Schulbildung nur grob über Kolonialisierung gelernt. Die Details blieben unbenannt und es wurde auch kein Beispielland näher beleuchtet. Ich finde aber, dass das Wissen über die Kolonialisierung in Kenia und die Erkenntnis, wie traumatisierend es tatsächlich für die Bevölkerung war, mir weiterhilft, diesen Teil der Geschichte wirklich zu verstehen und einzuordnen.
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