Auch in der Schule hatte das Unwetter so seine Auswirkungen gehabt. Statt Laubblättern, fallen in Kenia aber eben Palmenblätter von den Bäumen herunter.
Die Schule hatte für die Abschlussklasse ein Programm erstellt. Jeden Tag war ein anderes Fach mit Abenddiskussion von 22.00 Uhr bis 22.30 Uhr an der Reihe. Am Abend Donnerstagabend leitete ich dann eine "Abenddiskussion" in Deutsch mit den Schülerinnen. Es ging um den "Infinitiv mit zu". An solchen Abenden bin ich immer und immer wieder von der Disziplin der Schülerinnen beeindruckt. Es gibt kein Meckern oder Gähnen. .
Am Freitagabend ging es los. Da fast 30 Lehrkräfte zu Martha fuhren, war der Schulbus organisiert worden. Nach fast zwei Stunden Fahrt kamen wir gegen 22.00 Uhr auf dem Grundstück von Marthas Familie an. Der Ort, wo sie herkommt, liegt in der Nähe der Stadt Busia. Wir waren fast an der ugandischen Grenze. Als wir ausstiegen, war es die Luft schon ziemlich kühl. Auch wenn es tagsüber immer sehr warm ist, kühlt es sich in der Nacht dann doch beachtlich ab, weshalb mir David auch geraten hatte einen Schal, eine Mütze und zwei Pullover einzupacken. Er sollte Recht behalten. Auf dem Grundstück waren schon ca. 100 bis 150 Menschen versammelt. Zuerst begrüßten wir gemeinsam Martha und versammelten uns anschließend um den im Haus aufgebahrten Körper ihrer Mutter. Eine Lehrkraft sprach ein Gebet.
Wir begrüßten auch die Frauen, die um den Sarg herum lagen und ruhten. Martha erklärte, dass es eine Tradition sei, dass die weiblichen engen Verwandten der verstorbenen Person in der Nacht vor der Beerdigung im Raum mit dem Sarg schlafen. Anschließend nahmen wir draußen unter zwei großen Mahagonibäumen Platz. Überall standen Stühle und auf einigen saßen schlafende Menschen. Um uns herum waren mehrere Zelte aufgebaut. Wir unterhielten uns, tranken Tee und aßen zusammen mit Martha zu Abend. Mit der Zeit änderte sich die Stimmung ein wenig, auch weil statt der Gospelmusik nun Popmusik lief. Bisher hatte ich nur selten Alkohol gesehen, aber heute stellte Martha einen Kasten Bier zu unserer Gruppe. Ich passte und auch Rael blieb nüchtern. Der Rest der Lehrerschaft begann mit der Zeit zu tanzen. Gegen 03.00 Uhr morgens beschlossen Rael und ich dann, dass wir uns im Bus schlafen legen. Ich wachte gegen 05.30 Uhr nochmal auf und hörte die Musik laufen und sah durch das Busfenster Menschen tanzen. Gegen 06.30 Uhr traten wir dann den Rückweg an und unser Busfahrer Peter, der mit uns im Bus geschlafen hatte, brachte uns heil nach Hause. 08.30 Uhr erreichten wir die Schule. Ich sagte noch David "Guten Morgen", der den akademischen Tag, der heute stattfand, begleitete. Dafür würden auch die Eltern die Schule besuchen. Ich machte mich aber direkt auf den Weg nach Hause, denn ich hatte einiges an Schlaf nachzuholen. Gegen 11.00 Uhr wachte ich wieder auf, entspannte ein wenig und kehrte dann aber zur Schule zurück. Ich hatte noch ein paar Dinge zu korrigieren und den Deutschschülerinnen versprochen vorbeizuschauen. Gegen 16.00 Uhr waren Rael und ich dann noch mit ein paar Fans von den AFC Leopards verabredet. Einer der Fanclub-Leiter, Eugene, hatte mich während des Spiels am vorletzten Wochenende angesprochen und um ein Treffen mit dem Fanclub gebeten. Wir fuhren also nach Ilesi (mittig zwischen Mukumu und Kakamega). Zuerst waren wir irritiert, weil wir mit einer größeren Gruppe gerechnet hatten. Rael hatte aber ähnliches schon vermutet und wir hatten ausgemacht, dass falls es komisch wird, wir einfach eine Aufsicht in der Schule vorschieben. Schlussendlich war das aber gar nicht nötig, denn wir verstanden uns gut. Wir sprachen zuerst viel über Fußball und auch über andere Sportarten wie Rugby, tauschten uns über den Club aus und wie lange er schon besteht (1964) und wie es mit dem Frauenfußball in Kenia aussieht. Bald gingen wir auch zu anderen Themen über und wir verbrachten einen schönen Nachmittag gemeinsam.
Als die Mädchen fertig waren, war ich absolut beeindruckt. Das Ergebnis war perfekt, die Linien konnte nicht gerader sein. Die Schülerinnen meinten, dass es gar nicht so einfach war, weil meine Haare so weich seien. Das steigerte meinen Respekt für dieses Kunstwerk nur noch mehr.
Im Übrigen soll ich von der Klasse 3 East liebe Grüße an alle ausrichten, die den Blog lesen.
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