Skorpione, Schlangen,
Grillen und Milane

Von schweißtreibenden Akitivitäten, gefährlichen Begegnungen und beeindruckender Expertise beim Segelausflug

01. bis 07. Januar 2024 (Woche 14)

2024 startete für uns mit einem Ausflug ins Siambi Resort, wo wir schon um die Weihnachtsfeiertage Zeit verbracht hatten. David kam also am frühen Abend zu mir und sagte: "Let's go!" ("Lass uns gehen!") und fünf Minuten später saßen wir auf dem Motorrad. Wir verbrachten dort den Abend und aßen Pommes. Collins und Betty gingen noch baden und wir machten gemeinsam ein paar Bilder.

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Die folgenden Tage kurbelte David den Bau seines Hauses weiter an. Eines Nachmittags rief David mich zu sich, weil er mir etwas zeigen wollte. Ich solle meine Kamera gleich mitbringen. Den Grund dafür realisierte ich, als David eine tote Schlange in die Luft hielt. Sie war über einen Meter lang. David hatte sie unter den Steinen entdeckt und die Gefahr direkt beseitigt. "I don't joke when it comes to snakes" ("Mit Schlangen spaße ich nicht herum").
Am nächsten Tag entschied ich dann, dass es nach dem vielen Faulenzen wieder Zeit für etwas Bewegung war. Also wollte ich den beiden Arbeitern, Sam und Gaddafi, auf der Baustelle von Davids Haus helfen und mich auch beteiligen. David zeigte mir, welche Aufgabe ich übernehmen konnte. Also verbrachte ich den Nachmittag damit, Erde zu lockern und an die gewünschten Stellen zu schaufeln. Ich hatte lange nicht mehr so geschwitzt. Anscheinend unterschätzte ich dabei auch, wann ich das letzte Mal diese Muskelgruppen benutzt hatte, denn zwei Tage später hievte ich mich aus dem Bett und konnte mich kaum bewegen - ein Muskelkater, der seinesgleichen suchte. An einem Nachmittag der folgenden Tage rief dann David noch einmal und ich kam mit der Kamera herausgelaufen. Diesmal war es ein (noch lebendiger) Skorpion, der sich uns zeigte. Seine Bereitschaft sich uns zu offenbaren, war jedoch gleichzeitig sein Todesurteil. David spaßte mit Skorpionen genauso wenig wie mit Schlangen.


Um das Berichten von kriechenden und krabbelnden Getier langsam zum Ende zu bringen, möchte ich noch von einem wirklich ungewollten, aber harmlosen Bewohner des Hauses berichten. Manchmal finden über den Tag nämlich Grillen ihren Weg ins Haus. Schon wenn sie draußen zirpen, bringen sie eine beachtliche Lautstärke zustande. Deshalb will man vermeiden, dass sie sich innerhalb der eigenen vier Wände einrichten. Eines Abends telefonierte ich mit meinen Freundinnen aus der Heimat und wir wunderten uns alle drei über die lauten Geräusche, die im Hintergrund zu hören waren. Ich tat es zuerst als einen Vogel ab, weil es so laut war. Später am Abend stellte sich dann heraus, dass der Übeltäter die Grille war, die oben zu sehen war. Am nächsten Abend hatten wir eine weitere Grille im Wohnzimmer sitzen. Während ich mich noch darüber freute, wie gut man sehen konnte, wie diese Tiere solch laute Geräusche mit ihren Flügeln produzieren können, machte Mama Beatrice kurzen Prozess: Ihr Hausschuh ließ die Grille für immer verstummen. Für sie war an diesem Tier nichts faszinierend, sondern nur schlafraubend. Ich bekam das selbst zu spüren, als ich ein paar Tage später aufwachte und nach einem Handy suchte, um den Wecker auszuschalten. Was ich fand, war kein Wecker, sondern eine weitere Grille. 
Die Tage der Woche füllte ich ansonsten mit einer Routine. Am Vormittag und frühen Nachmittag arbeitete ich online (meistens im Peace Resort) oder nahm Videos mit den Kindern für KENCEF auf. 


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Peace Resort

Gegen Mittag kochten wir alle gemeinsam Essen und am Nachmittag ging ich oft baden.
Am Dienstag verabschiedeten wir dann Clyde, der jetzt nach Nairobi gehen wollte, um dort einen neuen Job zu finden.
Mitte der Woche starteten David und ich dann ein neues Projekt, denn wir hatten Mama Beatrice etwas versprochen. Ihre Hühnerzucht geht nach dem Rückschlag wieder voran und sie hatte sich über die Milane geärgert, die ständig Jagd auf die kleinen Küken machten. Sie meinte, dass ein neues Hühnerhaus für die Küken eine gute Lösung wäre und David und ich ließen uns das nicht zweimal sagen. Material beschafften wir uns von Gabriels Baustelle nebenan. Dort war eine Menge übriges Holz zu finden. Die Arbeit mit David war lustig - schließlich hat er immer einen guten Spruch auf den Lippen. Zudem hatte er - als Multitalent - auch viel Wissen und Tricks zum Handwerk parat. Innerhalb eines halben Tages hatten wir das Grundgerüst zusammengezimmert. Nun fehlt noch ein festes Metallgitter, das als Wand funktionieren soll, was wir nächste Woche vom Festland beschaffen wollen. 


Segelausflug - 04.01.
Während meiner Zeit auf der Insel hatte ich oft die Segelboote auf dem See beobachtet und mir gewünscht, das auch einmal machen zu können. Als ich Ophilo von meinem kleinen Traum erzählte (der übrigens mittlerweile seine Prüfungen bestanden und auch auf die Insel gekommen war), sagte dieser nur, dass das kein Problem sein würde. Ich hole das Boot. Ich meinte dann noch, dass aber absolut kein Wind ginge, aber Ophilo war sich sicher, dass sich das innerhalb der nächsten zwei Stunden ändern würde. Und tatsächlich kam nach etwa einer Stunde eine leichte Brise auf. David, Ophilo und ich begaben uns also ins Boot (der gleichen Größe wie beim letzten Ausflug) und ich nahm neben dem Mast Platz, der längs im Boot verstaut war. Während David uns beinahe spielend mit gezielten Stößen wie ein italienischer Gondoliere vom Ufer entfernte, realisierte ich, dass ich mit zwei absoluten Routiniers unterwegs war. Anschließend begann Ophilo den Mast aufzurichten und anschließend das Segel aufzuspannen. Der Mast bestand aus zwei zusammengebundenen dünneren Holzstämmen und das Segel selbst war aus zusammengenähten Verpackungssäcken gefertigt. Ich musste lächeln, weil dieses speziellen Segel aus Säcken von Hühnerfutter bestand und nun vor uns in regelmäßigen Abstand das gleiche Bild von einem Huhn und seinen Küken im Wind flatterte. Aber, wie ich es schon zuvor von Weitem beobachtet hatte, funktionieren die Segel fantastisch und schon nach kurzer Zeit waren wir ziemlich weit draußen auf dem See. Mal wieder strahlte die Sonne und ich genoss die leichte Brise in Kombination mit der angenehmen Wärme. Auf einmal knackte etwas: Einer der Querbalken, der das Segel halten sollte, war morsch und deshalb abgeknickt. Doch hier zeigte sich die Expertise und der Einfallsreichtum von David, der vor Jahren für lange Zeit selbst hier als Fischer gearbeitet hatte. Der Holzstiel, der vorher noch zum Antreiben des Bootes genutzt worden war, wurde nun als Mast umfunktioniert. Nach nicht einmal 5 Minuten funktionierte wieder alles und wir segelten weiter. Leider war die Freude über diese Lösung nur von kurzer Dauer. Während des Versuchs das Segel neu auszurichten, um den Rückweg anzutreten, brach auch der zweite Holzstamm. Damit blieb uns nur noch ein Ausweg: rudern. Und so begaben wir uns auf den Rückweg unseres kleinen Halb-Segelausflugs. Insgesamt waren wir fast eine Stunde unterwegs und wieder war einer meiner kleinen Träume in Erfüllung gegangen. Als das Boot nahe genug am Ufer war, sagte David zu mir "Uns weißt du was ich dann immer mache?" und im gleichen Moment ließ er sich nach links vom Boot kippen und fiel mit voller Montur in die Wellen des Sees. Danach befestigten wir noch das Boot und bedankten uns anschließend mit einem kurzen Besuch bei Ophilos Familie für die Leihgabe des Bootes.

Am Freitag bekam Mama Beatrice noch Besuch von den "Clan-Ältesten", weil sie ihr Beileid für den Tod ihrer Mutter aussprechen wollten. Gemeinsam bereiteten wir alles für den Besuch vor, brachten das Haus auf Hochglanz, kochten Tee und buken Mandazi. Am nächsten Tag begann dann das Regenwetter der letzten Tage seine Wirkung zu zeigen: Ich hatte mich ordentlich erkältet. Das Wochenende verbrachte ich also damit, mich auszukurieren. Aber über meine Erkältung konnte ich mich nicht beklagen, denn Joanne, Davids Nichte, hatte es deutlich schlimmer erwischt. Malaria. Ich sah das erste Mal, wie heftig diese Krankheit verlaufen kann: starkes Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und extreme Schwäche. Gleichzeitig wirkte der Umgang mit der Krankheit auf mich unproblematisch, routiniert. Es gab einen Besuch im Krankenhaus, um zu testen und die Medizin zu besorgen. Danach wird eben abgewartet, bis die Symptome verschwinden. Innerhalb von zwei Tagen war Joanne wieder auf den Beinen und fuhr dann auch mit Collins, Betty, Tyrus und Mama Beatrice aufs Festland, um die ersten Vorbereitungen für die Beerdigung zu treffen. Von nun an fühlte sich das aus seltsam leer an. Erst am Freitag würden wir auch die Reise zum Ort der Bestattung antreten.

Zum Abschluss noch mein Lieblingsbild der Woche:

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