Segelausflug - 04.01.Während meiner Zeit auf der Insel hatte ich oft die Segelboote auf dem See beobachtet und mir gewünscht, das auch einmal machen zu können. Als ich Ophilo von meinem kleinen Traum erzählte (der übrigens mittlerweile seine Prüfungen bestanden und auch auf die Insel gekommen war), sagte dieser nur, dass das kein Problem sein würde. Ich hole das Boot. Ich meinte dann noch, dass aber absolut kein Wind ginge, aber Ophilo war sich sicher, dass sich das innerhalb der nächsten zwei Stunden ändern würde. Und tatsächlich kam nach etwa einer Stunde eine leichte Brise auf. David, Ophilo und ich begaben uns also ins Boot (der gleichen Größe wie beim letzten Ausflug) und ich nahm neben dem Mast Platz, der längs im Boot verstaut war. Während David uns beinahe spielend mit gezielten Stößen wie ein italienischer Gondoliere vom Ufer entfernte, realisierte ich, dass ich mit zwei absoluten Routiniers unterwegs war. Anschließend begann Ophilo den Mast aufzurichten und anschließend das Segel aufzuspannen. Der Mast bestand aus zwei zusammengebundenen dünneren Holzstämmen und das Segel selbst war aus zusammengenähten Verpackungssäcken gefertigt. Ich musste lächeln, weil dieses speziellen Segel aus Säcken von Hühnerfutter bestand und nun vor uns in regelmäßigen Abstand das gleiche Bild von einem Huhn und seinen Küken im Wind flatterte. Aber, wie ich es schon zuvor von Weitem beobachtet hatte, funktionieren die Segel fantastisch und schon nach kurzer Zeit waren wir ziemlich weit draußen auf dem See. Mal wieder strahlte die Sonne und ich genoss die leichte Brise in Kombination mit der angenehmen Wärme. Auf einmal knackte etwas: Einer der Querbalken, der das Segel halten sollte, war morsch und deshalb abgeknickt. Doch hier zeigte sich die Expertise und der Einfallsreichtum von David, der vor Jahren für lange Zeit selbst hier als Fischer gearbeitet hatte. Der Holzstiel, der vorher noch zum Antreiben des Bootes genutzt worden war, wurde nun als Mast umfunktioniert. Nach nicht einmal 5 Minuten funktionierte wieder alles und wir segelten weiter. Leider war die Freude über diese Lösung nur von kurzer Dauer. Während des Versuchs das Segel neu auszurichten, um den Rückweg anzutreten, brach auch der zweite Holzstamm. Damit blieb uns nur noch ein Ausweg: rudern. Und so begaben wir uns auf den Rückweg unseres kleinen Halb-Segelausflugs. Insgesamt waren wir fast eine Stunde unterwegs und wieder war einer meiner kleinen Träume in Erfüllung gegangen. Als das Boot nahe genug am Ufer war, sagte David zu mir "Uns weißt du was ich dann immer mache?" und im gleichen Moment ließ er sich nach links vom Boot kippen und fiel mit voller Montur in die Wellen des Sees. Danach befestigten wir noch das Boot und bedankten uns anschließend mit einem kurzen Besuch bei Ophilos Familie für die Leihgabe des Bootes.
Am Freitag bekam Mama Beatrice noch Besuch von den "Clan-Ältesten", weil sie ihr Beileid für den Tod ihrer Mutter aussprechen wollten. Gemeinsam bereiteten wir alles für den Besuch vor, brachten das Haus auf Hochglanz, kochten Tee und buken Mandazi. Am nächsten Tag begann dann das Regenwetter der letzten Tage seine Wirkung zu zeigen: Ich hatte mich ordentlich erkältet. Das Wochenende verbrachte ich also damit, mich auszukurieren. Aber über meine Erkältung konnte ich mich nicht beklagen, denn Joanne, Davids Nichte, hatte es deutlich schlimmer erwischt. Malaria. Ich sah das erste Mal, wie heftig diese Krankheit verlaufen kann: starkes Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und extreme Schwäche. Gleichzeitig wirkte der Umgang mit der Krankheit auf mich unproblematisch, routiniert. Es gab einen Besuch im Krankenhaus, um zu testen und die Medizin zu besorgen. Danach wird eben abgewartet, bis die Symptome verschwinden. Innerhalb von zwei Tagen war Joanne wieder auf den Beinen und fuhr dann auch mit Collins, Betty, Tyrus und Mama Beatrice aufs Festland, um die ersten Vorbereitungen für die Beerdigung zu treffen. Von nun an fühlte sich das aus seltsam leer an. Erst am Freitag würden wir auch die Reise zum Ort der Bestattung antreten.
Zum Abschluss noch mein Lieblingsbild der Woche: