Da es langsam spät wurde, entschieden wir den Rest der Insel (mit immer besser werdender Straße) im Schnelldurchlauf abzufahren. David kommentierte und ich beobachtete. Wir fuhren durch kleine Dörfer mit vielen Kindern, die alle sofort mit ihren Lippen "mzungu" formten. Je näher wir
Sena Center kamen, desto besser wurde die Straßenqualität. Das war logisch, denn der Ausbau der Straße hatte von dem Fähranlegepunkt in Sena begonnen. Bald konnten wir das Festland und die Insel Takawiri sehen. Die Sonne begann gerade unterzugehen, als wir wieder am Haus ankamen - Inselumrundung erfolgreich abgeschlossen.
Mittwoch - Ausflug mit Mama Beatrice.
Am nächsten Tag überraschte mich Beatrice, weil sie mich einlud mit mir zu einem Haus am Berg zu wandern. Eine Freundin hatte sie zu einer kleinen Zeremonie eingeladen. Wir wanderten also etwa 10 Minuten den recht steilen Berg hinauf, was die fast 60-jährige Beatrice locker wegsteckte, während ich schweiß überströmt an unserem Ziel ankam. Das Ziel war ein neu erbautes Haus, das in der Zeremonie gesegnet werden sollte. Die Zeremonie war ein kurzer Gottesdienst, in dem gebetet und gesungen wurde. Der Hauptteil der Zeremonie war aber ein langes gemeinsames Essen. Der Mittagstisch war prallgefüllt: Chapati, Fisch, Ugali, Kohl, Reis, Kartoffeln, ... Zum Nachtisch gab es Mandazi mit Tee. Wir verbrachten im Anschluss noch etwas Zeit mit der Familie und den FreundInnen, die gekommen waren. Wie immer waren die Kinder in der Überzahl und die Begeisterung für die Kamera, die ich mitgebracht hatte, war groß. Gift, eines der Mädchen wollte auch einmal ein Foto machen... Dabei fing sie mit einem Foto so ziemlich die Stimmung der ganzen Zeit nach dem Essen ein. Die Erwachsenen unterhielten sich und da meine Suahelikenntnisse nicht ausreichend sind, begebe ich mich in der Regel bei solchen Veranstaltungen zu den Kindern. Da braucht es nicht viel Sprache. Das ist dann immer total schön, denn manchmal vermisse ich das fast ein bisschen. Ich muss dann des Öfteren an die Zeiten als Kind zu Hause denken. Die Ungeduld, die in einem steckte, wenn so langsam alle fertig waren mit dem Essen und man bereit war, zu spielen und zu toben. Ich bin jetzt 23 und wahrscheinlich sollte ich das Erwachsenenverhalten mittlerweile fest verinnerlicht haben. Aber jetzt noch einmal auf der Kinderseite stehen zu können, tat mir gut. Die Kinder brachten mir bei, wie man richtig tanzt und ich brachte ihnen bei, wie man ein Gesicht wie ein Fisch macht. Unsere Energie passt eben einfach zusammen.