Einmal rundherum

Von einer Inselrundtour, einem Ausflug mit Beatrice, ein bisschen Visastress, einem weiteren Geburtstag und der Nacht, in der es Weihnachten wurde

18. bis 24. Dezember 2023 (Woche 12)

Dienstag - Inselrundtour.
Die Sonne strahlte und die Luft war warm - beste Bedingungen, um nun endlich die Inselrundtour anzutreten, die wir schon seit Ankunft geplant hatten. Devants Vater stellte uns sein Motorrad zur Verfügung und morgens gegen 10.00 Uhr brausten wir dann zu dritt Richtung Westen. Es sollte einmal im Uhrzeigersinn um die Insel gehen. Den ersten Halt machten wir bei zwei von Davids Freunden, die Boote für das Fischen herstellen und reparieren. Dort sah ich auch, wie Omena (eine Fischart) getrocknet wird.


Dann fuhren wir ein Stück bis die Straßenqualität sich plötzlich verschlechterte. Devant erklärte mir, dass es noch vor wenigen Jahren gar nicht möglich war, die Insel mit dem Motorrad zu umrunden. Seitdem hat sich viel getan und es wird noch immer an der Verbesserung der Straßen gearbeitet. Aber zum Glück waren es ja nicht die Straßen, die wir uns ansehen wollten, sondern die wunderschöne Natur der Insel. Und diese ließ nicht lange auf sich warten. 
Neben uns erstreckte sich immer noch der steile Hügel, von dem sich ab und an kleine Bäche ihren Weg über die Straße hinweg zum See bahnten. Bald konnte man das Befahren der Straße mit einer Achterbahnfahrt vergleichen, nur nicht ganz so schnell. Steile Anstiege und Abfahrten wechselten sich in kurzen Abständen ab. In den Tälern war die Durchfahrt durch die besagten kleinen Bächlein gesperrt. Meist stiegen David und ich dann ab und überwanden den Anstieg anschließend zu Fuß, denn das Motorrad transportierte uns zwar zuverlässig über gerade Strecken, aber für gewisse Anstiege reichte es für 3 erwachsene Personen dann doch nicht. Aber wie immer, kann man jede Situation positiv oder negativ auslegen. Wir entschieden uns für ersteres und genossen die kleinen Spaziergänge zwischendurch, in denen wir das perfekte Wetter noch besser auskosten konnten. Und die anschließende erfrischende Brise bei der Weiterfahrt auf dem Motorrad ließ sich auch doppelt so gut genießen.


Bald erreichten wir den westlichsten Zipfel der Insel, von wo aus man die drei kleineren Inseln Risi, Ringiti und Nzenze beobachten kann. Nur die Insel Ringiti ist bewohnt. Die anderen Inseln gelten als heilig und werden nur für landwirtschaftliche Zwecke verwendet. In weiter Ferne (und dank des guten Kameraobjektivs) konnte man auch die Insel Remba sehen, die als extrem umkämpft gilt. Sie befindet sich ziemlich genau auf der Grenze zwischen Uganda und Kenia.


Im Westen der Insel gab es außerdem noch etwas zu entdecken. In der Mwanga Höhle kann man Höhlenmalereien bewundern. Bevor wir aber dorthin einen Abstecher machen, war noch Zeit für ein kleines Fotoshooting mit der Insel Nzenze im Hintergrund. Wie man sehen kann, hatten wir viel Spaß auf unserer Tour. Es gab immer etwas zu lachen.


Anschließend verließen wir dann die Hauptstraße und fuhren zu einer kleineren Bucht. Dort ging es dann zu Fuß weiter in einen Wald. Ein kurzer Anstieg brachte uns auf das Grundstück eines Freundes von David von früher. Er hatte hier 2017 im Auftrag eines anderen Inselbewohners Viehzucht betrieben. Leider war Davids Freund gerade nicht zu Hause, trotzdem gönnten wir uns eine kleine Pause auf dem schattigen Grundstück. Hier schien die Welt in Ordnung zu sein. Ich sah das erste Mal, wie Hühner sonnenbaden. Natürlich sorgte auch hier ein Hund für Ordnung und Sicherheit, der aber gerade auch im Schatten Mittagsruhe hielt. Das kleine Haus war auf ein Plateau direkt am Berg gebaut worden. Die nächsten Nachbarn befanden sich erst in der nächsten Bucht und das Grundstück war umringt von Grün - hohe Bäume und Büsche sorgten für ausreichend Schatten. Das Leben hier wirkte einfach und idyllisch. Die beiden Kinder waren zuerst (verständlicherweise) skeptisch, aber als ihr Vater seine Freundschaft mit David am Telefon bestätigte, wurden wir mit Gastfreundschaft überschüttet.


Wir baten dann die beiden Kinder um den Schlüssel, der uns Zugang zur Höhle gewähren würde. Nach einem 5-minütigen Weg durch den dichtbewachsenen Wald kamen wir dann zur Höhle. Wir schlossen das kleine Tor des Zaunes auf und stiegen weiter oben in eine große Einbuchtung im Gestein des Berges.
David erzählte mir vom geschichtlichen Hintergrund der Insel Nzenze und der Höhle. Die Insel Nzenze, die auch als "die wandernde Insel" bekannt ist, wird von vielen BewohnerInnen auf der Insel als heilig angesehen, insbesondere vom Wasamo Clan der Abasuba Gemeinde. Diese Gemeinde migrierte vor ca. 300 Jahren von Uganda über den Victoriasee nach Kenia. Die Erzählung besagt, dass die Nzenze-Insel vor der Einwanderung der Asuba-Gemeinde nicht existierte und erst nach deren Reise nach Mfangano auftauchte, weil sie den Einwandernden aus Uganda gefolgt war (deshalb wandernde Insel). Lange wurde davon ausgegangen, dass sich auf der Insel Geister befinden, die für den Regenfall verantwortlich sind. Nur bestimmte Mitglieder der Abasuba Gemeinde dürfen auf der Insel Landwirtschaft betreiben, nämlich die, die auch für das Beschwören der Regengeister zuständig sind. Es wurde davon ausgegangen, dass die Geister durch die Höhlenbemalung angesiedelt wurden. Deshalb gilt auch die Höhle als heilig und wurde lange für Regenzeremonien benutzt. Die Malereien sollen aber nicht von der Abasuba-Gemeinde, sondern von Mitgliedern des Twa-Stamms stammen, die diese vor 2000 Jahren an den Höhlenwänden festhielten. Die roten Kreise sollen vermutlichen den Mond und die weißen die Sonne repräsentieren. Außerdem befindet sich an der Höhlendecke eine Linie, die die Höhle in eine Frauen- und eine Männerseite geteilt haben soll. Von der Höhle aus hatte man einen herrlichen Blick auf den Victoriasee und die Bucht, die wir angesteuert hatten.


Wir fuhren noch ein Stück weiter und erreichten noch einen weiteren Punkt mit atemberaubender Aussicht. Während man von Davids Grundstück das gegenüberliegenden Festland sah, war von hier aus weit und breit nur Wasser zu sehen. Aufgrund des fantastischen Wetters war auch die Sicht klar und wenn man sich bemühte (und das gute Kameraobjektiv einsetzte), konnte man am Horizont Uganda entdecken.

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Da es langsam spät wurde, entschieden wir den Rest der Insel (mit immer besser werdender Straße) im Schnelldurchlauf abzufahren. David kommentierte und ich beobachtete. Wir fuhren durch kleine Dörfer mit vielen Kindern, die alle sofort mit ihren Lippen "mzungu" formten. Je näher wir Sena Center kamen, desto besser wurde die Straßenqualität. Das war logisch, denn der Ausbau der Straße hatte von dem Fähranlegepunkt in Sena begonnen. Bald konnten wir das Festland und die Insel Takawiri sehen. Die Sonne begann gerade unterzugehen, als wir wieder am Haus ankamen - Inselumrundung erfolgreich abgeschlossen.

Mittwoch - Ausflug mit Mama Beatrice.
Am nächsten Tag überraschte mich Beatrice, weil sie mich einlud mit mir zu einem Haus am Berg zu wandern. Eine Freundin hatte sie zu einer kleinen Zeremonie eingeladen. Wir wanderten also etwa 10 Minuten den recht steilen Berg hinauf, was die fast 60-jährige Beatrice locker wegsteckte, während ich schweiß überströmt an unserem Ziel ankam. Das Ziel war ein neu erbautes Haus, das in der Zeremonie gesegnet werden sollte. Die Zeremonie war ein kurzer Gottesdienst, in dem gebetet und gesungen wurde. Der Hauptteil der Zeremonie war aber ein langes gemeinsames Essen. Der Mittagstisch war prallgefüllt: Chapati, Fisch, Ugali, Kohl, Reis, Kartoffeln, ... Zum Nachtisch gab es Mandazi mit Tee. Wir verbrachten im Anschluss noch etwas Zeit mit der Familie und den FreundInnen, die gekommen waren. Wie immer waren die Kinder in der Überzahl und die Begeisterung für die Kamera, die ich mitgebracht hatte, war groß. Gift, eines der Mädchen wollte auch einmal ein Foto machen... Dabei fing sie mit einem Foto so ziemlich die Stimmung der ganzen Zeit nach dem Essen ein. Die Erwachsenen unterhielten sich und da meine Suahelikenntnisse nicht ausreichend sind, begebe ich mich in der Regel bei solchen Veranstaltungen zu den Kindern. Da braucht es nicht viel Sprache. Das ist dann immer total schön, denn manchmal vermisse ich das fast ein bisschen. Ich muss dann des Öfteren an die Zeiten als Kind zu Hause denken. Die Ungeduld, die in einem steckte, wenn so langsam alle fertig waren mit dem Essen und man bereit war, zu spielen und zu toben. Ich bin jetzt 23 und wahrscheinlich sollte ich das Erwachsenenverhalten mittlerweile fest verinnerlicht haben. Aber jetzt noch einmal auf der Kinderseite stehen zu können, tat mir gut. Die Kinder brachten mir bei, wie man richtig tanzt und ich brachte ihnen bei, wie man ein Gesicht wie ein Fisch macht. Unsere Energie passt eben einfach zusammen.

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Ein paar der Kinder begleiteten Mama Beatrice und mich dann noch bis zurück zum Grundstück und sollten uns auch noch in den Folgetagen treu besuchen kommen. Am Abend rief mich Gabriel, der jüngste Bruder von David, zu sich. Gabriel hat Medizin studiert, aber ist meines Eindrucks nach ein Multitalent und vielseitig interessiert. Eines seiner Interessen ist ökologische Landwirtschaft, weshalb er es sich zu Aufgabe gemacht hatte, auf einem Stück Land der Familie eine kleine Farm zu starten. Er hatte mir schon angekündigt, mit mir ein Baum pflanzen zu wollen, aber jetzt sollte es konkret werden. Gabriel machte den Anfang und zeigte mir, wie ich mit der Hacke die Erde lockern sollte. Dann gruben wir eine Kuhle, die zum Teil mit Dünger (von den Hühnern) gefüllt wurde. Dann stellten wir den Baum ins Loch und füllten das Loch mit Erde auf. Es entstand eine Art Trichter, um das Regenwasser direkt zum Baum zu leiten. Und dann durfte ich dem Baum noch eine Menge Wasser geben. Es handelt sich um einen Apfelbaum, was besonders ist, weil davon ausgegangen wird, dass Apfelbäume im tropischen Teil Afrikas nicht wachsen. Gabriel hatte aber von Apfelbäumen gehört, die mit einem afrikanischen Baum veredelt wurden und so im gegebenen Klima überleben können. Er hatte einen dieser Bäume schon im März angepflanzt und dieser gedieh prächtig. Wir hoffen also darauf, dass auch dieser Apfelbaum nun groß und kräftig werden wird. Auf jeden Fall habe ich ab jetzt eine sehr sichtbare Bindung mit Kenia: einen Baum namens "Eva".

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Donnerstag - Reise nach Mbita.
Es war mittlerweile schon der 21.12., was nicht nur bedeutete, dass bald Weihnachten werden würde, sondern auch, dass mein Visum in den nächsten Tagen auslaufen würde. Ich hatte zwar über die letzten Tage schon versucht, die kenianischen Ämter zu erreichen, aber damit hatte ich schon beim Organisieren des Visums in Deutschland keinen Erfolg gehabt. Also beriet ich mich erneut mit David, der seinen Bruder George in Nairobi anrief und um Hilfe bat. Das Timing war genau richtig, denn ab Freitagmittag würde man in den Büros niemanden mehr antreffen. Die Weihnachtsfeiertage standen an. George bat mich, mein bisheriges Visum und ein Foto von meinem Reisepass zu schicken. Doch ein Hindernis gab es noch: Der Reisepass muss gestempelt werden und dafür physisch zur Verfügung stehen. Noch am selben Tag machten David und ich uns mit der Fähre auf dem Weg zum Festland (Mbita). Die Überfahrt fand mal wieder bei bestem Wetter statt, was ich sehr genoss. Nach unserer Ankunft am Postgebäude sendeten wir den Reisepass per Post nach Nairobi, der dort am Freitag ankam und von George noch am Morgen zum entsprechenden Amt gebracht wurde. Alles lief glatt und schon am 24.12. würde ich meinen gestempelten Reisepass wieder in den Händen halten. Ich darf also weiterhin in Kenia verweilen.
Als David und ich von unserer Reise zurückkehrten, wurde uns eine traurige Nachricht übermittelt. Beatrices Mutter, Davids Großmutter, war nach langer Krankheit verstorben. Man konnte Beatrice ihren Schmerz ansehen. Ihre sonst so alltäglich sichtbare Freude war ihr wie aus dem Gesicht gewischt. Beatrice verließ uns am nächsten Tag, um die Überführung und die Beerdigung zu organisieren.
David und ich begannen nun immer weiter an unseren KENCEF-Plänen zu arbeiten. Insbesondere arbeiteten wir an der Website und machten uns Gedanken, wie zukünftig alles funktionieren könnte. Von deutscher Seite ist ein solches Vorhaben jedoch gar nicht so einfach zu planen. Es gibt viele rechtliche Vorschriften, die man bedenken muss. Trotzdem hoffe ich bis zu meiner Abreise KENCEF wieder ins Rollen gebracht zu haben. Ein neues Logo existiert zumindest schon einmal.

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Freitag - der Stromvorfall.
Ein Vorfall, der mich sprachlos machte, ereignete sich am Freitag. Zwei Männer, ein Polizist und ein Mitarbeiter der Firma Kenya Power, kamen auf unser Grundstück und kappten unser Hauptstromkabel. Es fühlte sich so absurd an. Ich kam gerade vom See und wollte die Wäsche aufhängen, als die beiden neben mir auf das Grundstück liefen, am schwarzen Kabel zogen und "schnapp" einfach einmal glatt durchschnitten. Trotz kurzer Diskussion gab es kein Durchkommen und die beiden gingen ihrer Wege. Von nun an war es dunkel im Haus. Ich verstand die Welt nicht mehr. Wie ist das möglich? Wir haben die Stromrechnung doch bezahlt. Die können doch nicht einfach... "Das ist Afrika." war die Antwort. Vermutlich wollten sie mehr Geld. Bis Sonntagabend sollten wir lernen, wie man ohne Strom den Tag und die Nacht verbringt. Am Freitag und Samstag begab ich mich tagsüber für ein paar Stunden ins nahegelegene Peace Resort, wo es Strom und eine gute Aussicht auf den See gab. Dort hatte auch Davids Geburtstagsfeier stattgefunden.
Ich arbeitete am Laptop und genoss die Pausen auf der Schaukel mit Blick auf den Victoriasee...


Einen schönen Effekt hatte der fehlende Strom für Martin und mich, als wir am Abend entschieden, das helle Mondlicht auszunutzen. Wir setzten uns also raus und unterhielten uns ein bisschen, während der Sternenhimmel immer klarer wurde. Ich realisierte, dass ich mir bisher noch keine Zeit genommen hatte, den Sternenhimmel hier zu studieren, der sich am Äquator von unserem auf der Nordhalbkugel unterscheidet. Gerade sah man Jupiter und Saturn und den bekannten großen Wagen, Kassiopeia und Orion. Aber gegen um zwei in der Nacht konnte man dann das Kreuz des Südens beobachten, das am Sternenhimmel auf der Nordhalbkugel nie sichtbar wird. Von weiteren Sternenbildern, die exklusiv am Südhimmel sichtbar sind, wie der kleinen Wasserschlange, dem Chamäleon und Phoenix hatte ich noch nie gehört. Das hatte aber auch nichts zu bedeuten, schließlich sind mir die meisten der 88 Sternbilder unbekannt. Ich beobachtete Sterne wie Canopus, Acrux und Gacrux, die man bei uns nie sehen können wird. Martin und ich philosophierten über die Bedeutung von Sternbildern und debattierten über die Mondlandung. Letztendlich entschieden wir, dass wir in den nächsten Tagen einen Sonnenuntergang anschauen wollten, um kurz bevor die Sonne aufging, auch Merkur, Venus und Mars zu Gesicht zu bekommen.

Sonntag - Beatrices Geburtstag und der Beginn von Weihnachten.
Da Weihnachten in Kenia erst am 25.12. gefeiert wird, war der 24.12. für mich dieses Jahr ein ganz normaler Tag. Gefeiert wurde trotzdem, denn Mama Beatrice hat Geburtstag. Bis zum späten Nachmittag taten wir nicht viel gemeinsam. Martin war nach Sena gefahren, um Softdrinks für die Party am Abend zu besorgen. David versuchte, das Stromproblem zu lösen. Gabriel war beschäftigt auf der Farm und Beatrice war noch nicht zurück. Ich hatte mich noch einmal ins Peace Resort begeben und blieb dort bis gegen drei nachmittags. Als ich zurückkam, starteten langsam die Vorbereitungen für Beatrices Geburtstagsfeier. Mittlerweile war Gabriels Frau und Kind Betty angekommen. Es wurde viel gekocht, ich war für Chapati verantwortlich. Wir kochten wieder im Dunkeln bis gegen 8 Uhr plötzlich das Deckenlicht wieder leuchtete. David hatte es geschafft! Anscheinend war eine Anmeldung auf einem Online-Portal notwendig gewesen und das Einreichen einer Anmeldungsnummer. Dann hatte er einen Bekannten gesucht, der das zerstörte Kabel wieder reparieren würde. Auch er wurde zu den Feierlichkeiten eingeladen. Neben dem Licht war nun auch laute Musik kein Problem mehr, was auch direkt (lautstark) genutzt wurde. Während der Vorbereitungen hörte ich dann seltsame Geräusche im Garten. Als ich einen Blick hinauswagte, sah ich drei Ziegen - zwei davon waren wohl erst in den letzten Tagen geboren worden. Sie konnten kaum richtig laufen.


Auf der Geburtstagsfeier folgten ähnliche Traditionen, wie ich es schon beim Geburtstag von Millis Mama erlebt hatte. Der Kuchen wurde angeschnitten und dann das Geburtstagskind damit gefüttert. Es gab Softgetränke und jede Menge zu essen. 


Als dann alle satt waren, hieß es nun nur noch warten - warten auf Weihnachten. Normalerweise ist es die Tradition, in der Kirche bis Mitternacht eine Zeremonie zu haben und dann pünktlich 00.00 Uhr den Beginn von Weihnachten zu feiern. Da aber auf der gesamten Insel der Strom fehlte (so auch in allen Kirchen), würde ich diese Tradition dieses Jahr verpassen. So saßen wir eben statt in der Kirche im Wohnzimmer des Hauses und genossen das Beisammensein. Um Mitternacht dröhnte dann laut Feliz Navidad aus der Musikbox und wir tanzten alle gemeinsam um den Tisch. Es war Weihnachten! Martin, Clyde und ich wollte noch nicht schlafen gehen und entschieden, ein bisschen am See entlangzuspazieren bis wir zu einer kleineren Bar kamen. Dort blieben wir aber nur kurz, denn die meisten BesucherInnen hier waren ziemlich betrunken. Anschließend unterhielt ich mich mit Clyde noch über seine Sicht auf Kenia. Wir sprachen über seinen Job als Journalist und dass er als jemand, der Journalismus studiert hatte, nur schwierig einen Job fand. In der Regel wird er von den älteren KenianerInnen in hohen Positionen als "Bedrohung" angesehen. Neue Ideen umzusetzen, funktioniert noch nicht. Wir sprachen über Generationenunterschiede und bemerkten, dass wir ziemlich ähnliche Probleme beschrieben und unsere Gedanken sich fast komplett deckten. Durch das Gespräch verstand ich noch einmal besser, dass die meisten jungen Menschen das Land verlassen wollen. Gegen um 3 besiegte uns dann die Müdigkeit und so endete die Nacht, in der Weihnachten begann.

Zum Abschluss noch mein Lieblingsbild der Woche. Es zeigt den Baum, unter welchem ich morgens immer frühstücke, während eines Sonnenuntergangs. 

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