Von einer Woche, in der ein neues altes Projekts begann, David Geburtstag feierte, ich das erste Mal so richtig flachlag und ein Fußballturnier in einem grandiosen Finale mündete
11. bis 17. Dezember 2023 (Woche 11)
Zu Beginn der Woche zeigte mir David, wo er als er klein war zur Schule ging. Auf dem benachbarten Grundstück befinden sich zwei Gebäude, wobei eins als Kindergarten und Vorschule dient und das andere die Grundschule ist. Hierbei ist zu bedenken, dass sich die Grundschule in Kenia über acht Jahre erstreckt und die weiterführende Schule dann die letzten 4 Jahre des Bildungsweges abdeckt. David hatte hier also seine Schulzeit bis zur achten Klasse verbracht. David und Linda hatte hier das Projekt "KENCEF" gestartet. Der Verein vermittelte Patenschaften für bedürftige Kinder auf der Insel, die sich sonst keine Schulbildung leisten könnten und sammelte Spenden für Projekte, die die Infrastruktur von dieser und weiteren Grundschule auf der Insel verbesserte. Dieses Jahr wurde der Verein aufgelöst. Leider befindet sich das Schulgelände in einem schlechten Zustand, wie die folgenden Bilder von Kindergarten und Vorschule zeigen.
Ich bemerkte sofort, wie in mir die Bereitschaft wuchs, diese Hilfsaktion wieder anzukurbeln. Darüber hatte ich schon im November nachgedacht, als ich mit Ophilo über die Spendenaktion für Mukumu sprach und hatte direkt mit Linda telefoniert. Mein Wille ist es, langfristig zu helfen, und zwar da, wo die Hilfe am meisten benötigt wird. Auch David hatte diesen Gedanken schon im Kopf und wir entschlossen uns, so bald wie möglich noch einmal mit Linda zu telefonieren und konkrete Pläne zu schmieden. Vorher zeigt mir David noch den Grundschulteil des Schulgeländes und die Wassertanks die mittlerweile dank KENCEF die Schule mit Wasser versorgen. Leider ist aufgrund von Bauarbeiten an der Straße der Wasserschlauch durch ein Baufahrzeug an mehreren Stellen beschädigt worden. Der Schlauch muss unbedingt ausgetauscht werden, weil das neue Schuljahr sonst ohne Wasserzugang im Schulgebäude beginnt.
In der Nacht zum Dienstag merkte ich dann, wie mein Bauch rumorte. Das war nichts Ungewöhnliches, aber irgendwie fühlte es sich diesmal anders an. Ich spare die Details meiner unangenehmen Symptome aus und komme direkt zur später aufgestellten Diagnose: Lebensmittelvergiftung. Woran genau es lag, ist nach wie vor unklar. Am Dienstagmittag fuhren wir ins nächste Krankenhaus, das sich in Sena befindet. Die Fahrt mit dem Motorrad war holprig, was dafür sorgte, dass ich im Vorgarten des Arztes meine Symptome noch einmal richtig deutlich machte... unangenehm. Der Arzt checkte mich durch und testete mich auf Malaria und Typhus. Beide Tests waren negativ, was mich beruhigte. Der Arzt gab mir vier verschiedene Medikamente gegen die Symptome. Gleich vor Ort nahm ich die Tablette gegen das Erbrechen. Die anderen Medikamente sollte ich nicht auf leeren Magen nehmen, weshalb wir in einem nahegelegenen Shop noch Kekse kauften. Und dann ging's zurück ins Haus und ab ins Bett. Neben diesem Drama waren die Vorbereitungen für Davids Geburtstagsfeier in vollem Gange. Leider bekam ich davon nicht viel mit. Ich versuchte zwar am Abend mit zum Peace Resort (ein Erholungsort direkt am Strand des Sees) zu gehen, wo die Feier stattfand, aber ich war noch viel zu schwach. Nach kurzer Zeit kehrte ich zum Haus zurück und verließ ich mein Bett dann auch nur noch selten. David erzählte mir später von einer gelungenen Zeremonie, bei der seine Familie und seine engsten FreundInnen Reden hielten. Es tat mir leid, das verpasst zu haben. In den nächsten Tagen schlief ich viel und merkte, wie mein Körper gegen die fremden Erreger ankämpfte. Ich hatte am Dienstag nur einmal zwei der Medikamente genommen, schließlich vertraute ich meinem Körper und wollte ihn nicht mit Medikamenten zuschütten. Die Schonkost belief sich erst einmal auf Kekse und Bananen. Am Donnerstagmorgen schüttete es wie aus Eimern und der Regen brachte eine beinahe herbstliche Stimmung mit sich (aber eben nur beinahe, weil es nach dem Regen trotzdem wieder 24 °C wurden). Trotzdem fühlte es sich beinahe als eine Bestimmung an, an diesem Tag im Bett zu bleiben. Am Abend wagte ich es dann von meinem Schonkost-Speiseplan abzuweichen und Chapati zu probieren, wobei wir beim Zubereiten auf Öl verzichteten. Das war ein Erfolg, zumindest rebellierte mein Magen nicht. Nach dem Abendessen machte ich mit Martin, einem weiteren Waisenkind, das Beatrice vor zwölf Jahren in ihre Familie aufgenommen hatte, ein paar Bilder vom Mond. Martin ist mittlerweile erwachsen und arbeitet als Fotograf.
Foto vom Sichelmond über Mfangano
Am Freitag ging es mir dann schon deutlich besser. Ich war zwar noch nicht ganz fit, aber zumindest lag ich nicht mehr den ganzen Tag im Bett. Am Samstag, pünktlich zum Finale des Insel-Fußballturniers, zu dem mich Devant eingeladen hatte, fühlte ich mich wieder etwas mehr wie ich selbst. Es reichte auf alle Fälle, um am Rand des Fußballfeldes die spannenden Finalspiele des U15- und Herrenteams zu verfolgen und dabei einen gerösteten Maiskolben zu knabbern. Das Wetter und die Stimmung konnten besser nicht sein. Zahlreiche ZuschauerInnen hatten sich eingefunden. Wieder einmal war ich beeindruckt von den Fußballkünsten, die ich zu sehen bekam. Leider verlor im Spiel der Herren das regionale Team aus Sena, auf deren Sieg so viele AnwohnerInnen gehofft hatten. Für mich persönlich war das aber nebensächlich, den ich war zutiefst beeindruckt vom Ehrgeiz der Spieler, die mit einer unglaublichen Schnelligkeit, Ausdauer und Leidenschaft spielten. Die Siegesfeier war wunderschön anzusehen. Mit dem Ende des Turniers endete auch die anhaltende Geräuschkulisse neben dem Haus, die ich irgendwann ausgeblendet hatte. Ich realisierte erst am Sonntag wie ich die Ruhe vermisst hatte. Außerdem stellte ich fest, dass es mittlerweile in schnellen Schritten auf Weihnachten zuging. Gabriel, Davids Bruder, war nun auch für die Weihnachtsfeierlichkeiten angereist. Obwohl es nur noch knapp eine Woche bis Weihnachten war, hatte bei mir absolut keine Weihnachtsstimmung eingesetzt. Auch mit Weihnachtsliedern und Schneebildern aus Deutschland ließ sich bei diesem tropischem Klima bei mir nichts ausrichten. Ich akzeptiere also, dass Weihnachten für mich unzertrennlich mit Kälte verbunden ist und lasse von nun an locker. Das Weihnachtsfest soll einfach auf mich zukommen, wie auch immer es sich zu erkennen geben wird.