Die erste Schulwoche

Von einer Woche, in der ich ein Gefühl für die Schulkultur bekam, beinahe einen Skandal auslöste, nachdenklich wurde und Bayern München Thema wurde.

02. bis 06. Oktober 2023 (Woche 1)

Eine komplette Woche zusammenzufassen gestaltet sich gar nicht so einfach. Das zeigt sich schon daran, dass dies mittlerweile der dritte Versuch ist, diesen Bericht zu beginnen. Der komplette Ablauf wäre zu langweilig, also kommen hier einfach ein paar Ausschnitte:

Eine Regel lernte ich ziemlich schnell: Wenn man sich das erste mal sieht, wird sich die Hand gegeben und zwar mit festem Händedruck. Es wird als unhöflich angesehen, dies nicht zu tun. Lustig wird es natürlich dann, wenn man 200 Schülerinnen auf einmal grüßen soll. Aber es funktioniert. Irgendwie empfinde ich das als einen schönen Brauch. Er mag durch Corona aus der Mode gekommen sein, aber ein fester Händedruck und ein Blick in die Augen, macht viel aus, wenn man sich gegenseitig das erste Mal begegnet.
Durch meinen "Musungu"-Status war es in der ersten Woche nicht ungewöhnlich, dass ich von Lehrerinnen oder Lehrern angesprochen und gefragt wurde: "Can you greet my class?" ("Kannst du meine Klasse begrüßen?"). Obwohl ich im ersten Moment, nicht so richtig wusste, was genau ich zu tun hatte, sagte ich natürlich ja.
Die erste Unterrichtsstunde die ich besuchte, war eine Mathematikstunde zur Lösungsformel für quadratische Gleichungen. Bevor der Stoff behandelt wurde, kam die Aufforderung "Greet them" (Begrüße Sie!). Ich stellte mich kurz vor und setzte mich dann in den hinteren Teil des Klassenraums.
Nach einigen Unterrichtsstunden schliff sich dann eine Routine ein. Ich sagte der Klasse kurz "Hallo" und die Klasse überschüttete mich dann anschließend mit Fragen zu Deutschland oder meinen bisherigen Eindrücken zu Kenia. In den meisten Fällen wurden mir dann noch ein paar Grundlagen in Suaheli beigebracht und es gab dann viel Anlass für Gelächter. 

Beim Hospitieren saß ich in der Regel hinten im Klassenzimmer. Natürlich sind die Klassenzimmer schon vollkommen mit Tischen vollgestellt, denn schließlich müssen über 50 Schülerinnen Platz finden. Als ich jedoch im Klassenzimmer ankam, stand hinten schon ein gepolsterter Stuhl aus dem LehrerInnenzimmer für mich bereit. Eine Schülerin war beauftragt wurden, diesen für mich zum Klassenzimmer zu tragen. Man bedenke dabei, dass das Schulgelände ziemlich groß ist. Obwohl ich immer betonte, dass solch ein Aufwand wirklich nicht notwendig sei und ich mehrmals versuchte, den Stuhl selbst zu holen, bestanden meine Kollegen darauf, dass die Schülerinnen sich kümmerten. Was mir in den ersten Tagen noch nicht so recht bewusst war, betraf das doch etwas andere LehrerInnen-SchülerInnen-Verhältnis, was in der Schule gelebt wird. In der Mukumu Mädchenschule herrschen spürbar andere Bedingungen. Respekt von Schülerinnen gegenüber den Lehrkräften wird zu jederzeit betont. Das merkte ich von Sekunde eins. Fällt einer Lehrkraft etwas herunter, springt sofort eine Schülerin auf und hebt es auf. Zudem kommt noch dazu, dass es zur kenianischen Willkommenskultur gehört, jedem Gast oder Besucher den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.  Somit gewöhnte ich mich irgendwann daran, wie die Prinzessin auf der Erbse behandelt zu werden und verstand, dass ein Ablehnen der Gesten durch z.B. ein "Oh nein, das ist wirklich nicht nötig." oder "Ich kann das wirklich auch selbst machen." als beinahe unfreundlich angesehen wird. Ich verließ mich einfach darauf, dass ich mich schnell einleben würde und dann mit der Zeit immer mehr "einfach eine der Lehrkräfte" sein würde.

Im Mädcheninternat hier in Mukumu herrscht ein striktes Handyverbot - auch am Wochenende. Die Mädchen dürfen in der Schule kein Smartphone besitzen. Das bleibt zu Hause. Muss mit den Eltern telefoniert werden, darf das Smartphone des Klassenlehrers oder der Klassenlehrerin genutzt werden. Im Hinblick auf die vielen Vorteile von Smartphones, wie dem digitalen Lernen und der eigenständigen Informationsbeschaffung, finde ich diese Regelung nicht ideal. Zugleich hat dieser konsequente Umgang mit den digitalen Endger äten seine Vorteile. Die Mädchen bleiben von den Nachteilen der sozialen Medien verschont und sie investieren ihre Zeit in Lernen, anstatt in einer digitalen Welt zu versinken. Trotzdem gibt es ein paar Lehrkräfte an der Schule, die ihr Handy auch mal für ein paar Minuten mehr zur Verfügung stellen. Schließlich sind die Mädchen Teenager oder Jugendliche, die auch gerne mal ein paar Bilder von sich machen wollen. Genau dies tat ich dann eben auch einmal. Eines Abends in der ersten Woche erlaubte ich den Mädchen mit meinem Handy ein paar Bilder zu machen. Es war am Nachmittag gegen halb 5. Was ich jedoch nicht wusste war, dass zu dieser Zeit auch normalerweise das tägliche Gebet auf dem Plan steht. Für etwa 5-10 Minuten beten die Mädchen alle gemeinsam. Als die Mädchen also eigentlich beten sollten, waren sie bei mir im Deutschraum und schossen Fotos. Auf einmal kam eine Lehrkraft rein und sah eins der Mädchen (Roseanne) mit meinem Handy in der Hand. Die Lehrerin sah Roseanne und schloss die Tür sofort wieder von außen. Ich war verwirrt. Roseanne wirkte angespannt. Sie meinte, dass eine direkte Konfrontation besser gewesen wäre. So wie es jetzt aussah, würde sie ganz schön Ärger bekommen. Ich war selbst sofort besorgt. Schließlich wollte ich nicht, dass sie wegen so einer (scheinbaren) Lappalie Ärger bekam. Als mich David also am nächsten Tag auf den Vorfall ansprach und mir erklärte, dass ich den Mädchen mein Handy nicht geben sollte, erklärte ich ihm, dass ich Roseanne ein paar Bilder von meinen Freundinnen gezeigt hätte. Das war natürlich notwendig für die anstehende Deutschprüfung. Schließlich ging es in manchen Prüfungsfragen auch um die Mode in Deutschland. Somit hatte sich die Sache erledigt. Trotzdem machte mir der Vorfall bewusst, dass doch so einige Regeln mehr an dieser Schule existieren, die es zu beachten gibt.

Ich hatte es schon in einem der vergangenen Berichte beschrieben. An das Wetter hier und besonders an die Gewitter muss ich mich erstmal gewöhnen.
In Deutschland kündigt sich ein Sommergewitter in der Regel an. Erst ein bisschen Wind, man sieht Gewitterwolken herannahen, vielleicht leises Donnergrollen und Wetterleuchten, irgendwann wird es etwas frischer und dann gibt es Regen und anschließend Blitz und Donner. Hier in Kenia ist das anders. Es fühlt sich ein bisschen an, wie im Cartoon. Von einer Sekunde auf die andere ist die Gewitterwolke direkt über dir und es Blitz und donnert ohrenbetäubend. Naja, vielleicht ist das auch ein bisschen übertrieben, aber die Wetterumschwünge sind auf jeden Fall deutlich abrupter als in Deutschland.
Wir saßen also am Montag gemütlich während der Mittagspause im LehrerInnenzimmer und plötzlich knallte es, als gäbe es kein Morgen mehr. Neben dem LehrerInnenzimmer blizte es. Wegen des starken Windes waren zwei Leitungen zusammengestoßen. Anschließend gab es einen kurzen Stromausfall bis der schuleigene Generator seine Wirkung zeigte.
Diese Stromausfälle sind hier nicht selten. Es kam doch einige Male vor, dass ich mit Deutschschülerinnen am Abend in der Schule plötzlich für ein paar Minuten im Dunkeln saß. Das schweißt zusammen und hat auch seine Vorteile. Schließlich bleibt die einzige Lichtquelle dann die Taschenlampe meines Handys, die dann während der Wartezeit auch sehr gut für Schattenfiguren genutzt werden kann. Doch nicht nur in den Unterrichtsräumen fehlt zu dieser Zeit dann der Strom. Am Freitag (wie jeden Freitag) fand ein schulinterner Gottesdienst statt, der in der Halle veranstaltet wird. Dabei wird ein Mikrofon und ein Keyboard benutzt. Fällt der Strom aus und es wird nicht gerade gesungen, herrscht für ein paar Minuten eine geduldige Stille. Gibt es wieder Elektrizität, geht es weiter. Diesen Freitag fiel fünf Mal der Strom aus. Einmal auch während des Singens. Aber für den beeindruckenden Gesang der Mädchen braucht es eigentlich auch gar keine Begleitung.
Zurück zum Vorfall am Montag: Der enorme Knall neben dem LehrerInnenzimmer hatte den Effekt, dass mich mehrere Lehrkräfte ansprachen und fragten, ob alles okay sei. Aufgrund meiner chronischen Angst vor Gewittern (die gar nicht so unlogisch ist, wenn man bedenkt, welche enormen Spannungen bei der Entstehung von Blitzen eine Rolle spielen), sah ich wohl doch ein bisschen besorgt aus. Mir wurde schnell erklärt, dass es noch nie Probleme mit Gewittern gab und dass es auch einen Blitzableiter gibt. Alles andere regelte für die Lehrkräfte hier das tiefe Gottvertrauen.
Am Abend stellte ich fest, dass die Straßenbeleuchtung ausgefallen war. Das hieß auch, dass es im Haus keinen Strom geben würde. Anders als für die Schule, gibt es für das Haus keinen eigenen Generator. Durch den fehlenden Strom ist auch ein Wasserausfall vorprogrammiert, da die elektrische Pumpe dann das Wasser nicht an die Oberfläche pumpen kann. In der Regel wird aber schnell dafür gesorgt, dass wieder Strom vorhanden ist. So konnte ich schon am Donnerstagmorgen wieder eine Dusche genießen.
Über die gesamte Woche hinweg wurden wir immer wieder von prallgefüllten Regenwolken besucht. Viele Schülerinnen tragen dann Badehauben, damit ihre Haare nicht nass werden. Die Schülerinnen erklärten mir warum: In der Schule gibt es keinen Föhn und insbesondere längeres Afrohaar ist schwer zu händeln, wenn es nass wird. 
Ich muss mich wohl noch ein bisschen an den vielen Regen hier gewöhnen, aber das schöne ist, dass es trotz Regen immer bei angenehmen 20° Celsius bleibt. Wir würden diese Temperaturen wohl als warm bezeichnen, aber wie ich lernen durfte, sind die Worte "warm" und "kalt" sehr realtiv. Für die KenianerInnen ist die Regenzeit die kälteste Zeit des Jahres. Bei Aussagen wie "Uh, it's cold" (Uh, ist das kalt") während die Außentemperatur schlappe 20° Celsius beträgt, musste ich dann doch ab und zu schmunzeln. Gleichzeitig wurde ich aber schief angeschaut, wenn ich das Wetter als sommerlich bezeichnete. Eine der häufigsten Geprächsthemen ist das Klima. Insbesondere die Jahreszeit Winter ist für die Schülerinnen und Lehrkräfte hier unverstellbar. Schnee gibt es in Kenia nur auf dem höchsten Berg (Mount Kenia). Als ich von der Schönheit eines Spaziergangs durch einen verschneiten Winterwald erzählte, von der herrlichen Mischung aus Kälte und Wärme durch die sich mühende Wintersonne und von glitzernden Schneedecken, ... begann ich beinahe den Herbst und Winter zu vermissen. Aber als ich dann an dunkle Morgenstunden und matschige Fußwege dachte, war ich dann schon wieder äußerst dankbar für die kenianische Sonne, die mir jeden Morgen verlässlich ins Gesicht strahlte und mir das Aufstehen um einiges leichter machte. Die Sonne geht hier jeden Morgen um sechs Uhr auf und abends gegen sieben Uhr unter.

Am Dienstagnachmittag hatte ich mit der Mathelehrerin Martha, die mich ein wenig unter ihre Fittiche genommen hatte, ein Treffen ausgemacht. Wir wollten eine Matheprüfungen durchgehen und schauen, ob ich für die anstehenden Prüfungen ein Thema mit den Schülerinnen wiederholen könnte. Als ich Martha traf, war sie jedoch gerade dabei aufzubrechen. Sie erklärte mir, dass sie das Treffen um eine Stunde verschieben müsste. Als ich ihr dann sagte, dass ich zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon zu Hause sein würde, bat sie mir an, sie einfach zu begleiten. Sie erklärte mir, dass sie eine die Tochter ihrer Cousine von einer anderen Schule abholen müsste. Die Mutter des Mädchens sei eingebunden und hatte Martha gebeten, sie abzuholen. Die Antwort auf meine Frage nach dem Grund für das frühe Enden des Schultags, überraschte mich: Es hatte einen Ausbruch einer unbekannten Krankheit in der Eregi Mädchenschule gegeben. Etwa 60 Mädchen waren ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Der Rest sollte nun von den Eltern abgeholt werden. Martha und ich fuhren also etwa 20-30 Minuten mit einem Taxi (ausgelegt für 8 Mitfahrende, genutzt für 11 Mitfahrende) in Richtung Süden. Anschließend ging es mit dem Motorrad (auch genannt "picky picky") weiter. Alles was nicht asphaltiert ist, kann von Tuc-tucs und Taxis schlecht befahren werden. Auf dem Motorrad saßen wir zu dritt: der Fahrer, Martha und ich. Wir fuhren etwa eine viertel Stunde einen staubigen Weg entlang, auf dem uns immer wieder Mädchen mit blauen Uniformen entgegenkamen. Die Farbe der Uniform ist für die Schule charakteristisch. Dann tauchte rechts neben uns die Eregi Mädchenschule auf, vor der sich eine Gruppe an Erwachsenen versammelt hatte, darunter "picky picky"-Fahrer, Eltern und Lehrkräfte. Für die etwa 45-minütige  Reise zahlten wir übrigens pro Person knapp 70 Cent.  Als wir die Menge durchquerten, hörte ich des Öfteren "Musungu!", woran ich ja mittlerweile gewöhnt war. Wir betraten das Schulgelände und suchten nach dem Kind von Marthas Cousine. Es dauerte über eine Stunde, bis wir sie endlich gefunden hatten und Martha die Abholbestätigung unterschreiben konnte. Wir erfuhren jedoch nichts über die ominöse Krankheit.
Anschließend ging es wieder mit dem picky picky bis zur Straße und dann mit dem tuc-tuc zurück nach Mukumu. Irgendwie mag ich es, mit dem tuc-tuc zu reisen. Es ist nicht zu schnell und die Fahrer sind immer für eine Unterhaltung zu haben. Für sicherheitsliebende Deutsche ist eine Fahrt mit dem tuc-tuc aber wahrscheinlich ein Abenteuer. Schließlich habe ich noch kein tuc-tuc ohne rot leuchtendes Batterielämpchen gesehen. Risse in der Windschutzscheibe, kaputte Spiegel sowie Fahren mit offenen Türen gehören zur Tagesordnung. Leider sind auch die Verkehrsmittel von der Korruption im Land betroffen. Polizisten halten die Fahrer an und können immer etwas defektes am Fahrzeug finden. Wird jedoch der richtige Preis bezahlt, kann das Fahrzeug weiterfahren.
Als wir wieder an der Schule ankamen, war es schon halb sieben abends. Martha wollte das Mädchen erst einmal bei sich behalten. Sie kommentierte, dass die ganze Sache "viel Aufregung um Nichts" zu sein schien und die Mädchen auch einfach in der Schule hätten bleiben können. Martha lud mich in ihr Haus ein, um gemeinsam Abend zu essen. Wir bereiteten gemeinsam das Essen vor. Martha zeigte mir, wie man Ugali kocht und ich zeigte ihr, wie man Spiegeleier brät. Dazu gab es Spaghetti, Kohl und Fleisch. Unser Abendessen war also ein wunderbares kenianisch-deutsches Festmahl. Nachdem ich bisher hauptsächlich (für mich neue) kenianische Speisen verzehrt hatte, freute ich mich, an diesem Abend ein gewohntes Gericht genießen zu können.
In den folgenden Tagen, wurde ich jedoch nachdenklich, als ich die lokalen Nachrichten verfolgte: Die Krankheit in der Eregi Mädchenschule ist nach wie vor ein Mysterium. wir erfuhren von den seltsamen Symptomen, die den Gang der Mädchen veränderten. Nachrichtenberichte wie dieser (Achtung, möglicherweise verstörende Bilder) machten mich sehr nachdenklich. Niemand wusste, was die Krankheit ausgelöst hatte und keiner kann den Mädchen helfen. Währenddessen versucht die Schule, die meisten Informationen zu verheimlichen, um ihren Ruf zu beschützen.

Obwohl ich in dieser Woche mit leichten Halsschmerzen zu kämpfen hatte, spürte ich trotzdem einen Drang mich endlich mal wieder ein bisschen sportlich zu betätigen. Also nutze ich am Donnerstag die Gelegenheit und nahm am täglichen Sportunterricht teil.
Pünktlich um vier stand ich auf dem Feld und es war niemand da. Ich hatte die kenianische Entspanntheit vergessen. Bis auf die Unterrichtsstunden von 8.00 bis 16.00 beginnen die meisten Aktivitäten etwa eine 15 bis 30 Minuten später als geplant. Bis dahin hatte ich aber das Glück, dass ein Coach auf dem Feld auf die Hockeymannschaft wartete. Wir kamen ins Gespräch und starteten dann spontan zusammen eine Erwärmungseinheit. Gegen halb 5 kamen dann die Mädchen, die Fußball spielen wollten und wir trainierten für eine Weile. Die Mittagssonne brannte und ich musste immer wieder nach meiner Wasserflasche greifen. Die Mädchen sind die Sonne gewöhnt und brauchten für die komplette Stunde nichts trinken.
Der Fußballtrainer war anscheinend ganz zufrieden und fragte, ob ich nicht morgen (Freitag) auch am Spiel der Mädchen teilnehmen möchte. Das lies ich mir nicht zweimal sagen und am nächsten Tag spielte ich in einem der Teams mit. Fußball zu spielen hatte ich deutlich mehr vermisst als ich dachte. Ich hatte eine Menge Spaß und die Mädchen zeigten beeindruckende fußballerische Fähigkeiten.
Neben dem tatsächlichem Fußball spielen, spielt in den täglichen Unterhaltungen besonders die Premiere League eine Rolle. Die englische Liga wird regelmäßig verfolgt und die Spiele treu geschaut. Auch die Bundesliga ist hier gut bekannt. Leider musste ich jedoch erfahren, dass die meisten Lehrkräfte Bayern München Fans sind.
Mit Ophilo schaue ich manchmal abends das ein oder andere Spiel, was mir ein bisschen ein Gefühl von Heimat gibt...

Stundenplan

StundeZeit
Individuelle Morgenroutine4.30-5.00
Individuelle Lernzeit5.00-6.00
Frühstück6.00-6.20
Putzen, ...6.20-6.40
Vorbereitungen für Schultag6.40-6.50
Förderstunde6.50-7.50
Pause7.50-8.00
1
2
8.00-8.40
8.40-9.20
Kurze Pause9.20-9.30
3
4
9.30-10.10
10.10-10.50
Lange Pause (Tee)10.50-11.10
5
6
11.10-11.50
11.50-12.30
Mittagspause12.30-14.00
7
8
14.00-14.40
14.4-15.20
915.20-16.00
Sport16.00-17.30
Abendbrot17.30-18.00
Gebet18.00-18.30
Förderstunde18.30-19.30
Personal Studies19.30-21.30
Diskussionen21.30-22.30

Für die sogenannten Förderstunden, die jeweils am Morgen (von 6.40-7.40 Uhr), während der Mittagspause (von 13.00-14.00 Uhr) und abends (von 18.30-19.30 Uhr) stattfinden, gibt es einen Extra-Stundenplan. Dieser wird neben dem "Masterstundenplan" ausgehangen. Wer die Förderstunden übernimmt, ändert sich jede Woche. An den Förderstunden nehmen alle Schülerinnen teil.

Masterstundenplan.

Das Bild rechts zeigt einen kleinen Ausschnitt des riesigen Stundeplans für die Mukumu Girl's High School. Den Unterricht für 2000 Schülerinnen aufgeteilt auf 90 Lehrer und Lehrerinnen zu koordinieren erfordert viel Planungsgeschick. Auch aufgrund der Größe der Schule arbeite ich ich bis jetzt daran, mich zurechtzufinden. Der Großteil der Fächer kam mir jedoch schon bekannt vor.

Mobirise

Meine erste Woche war also zusammengefasst ziemlich aufregend. Es gab viel zu lernen und viel zu verstehen.
Ich bekam ein Gefühl für die Schulatmosphäre, die sich von meinen bisherigen Erfahrungen schon um einiges unterscheidet. Ich musste aber verstehen, dass das ständige Vergleichen von Deutschland und Kenia irgendwie keinen wirklichen Sinn machte. Schließlich sind es zwei völlig verschiedene Länder mit anderer Geschichte, anderen Voraussetzungen, anderer Kultur und anderen Vorstellungen. 
An einer richtigen Routine muss ich noch arbeiten. Mein Stundenplan ist noch nicht sehr gefüllt. Die einzige Routine ist, dass ich gegen 08.00 Uhr in die Schule komme und dann schaue, wo ich helfen kann. Manchmal spreche ich spontan Lehrkräfte an, ob ich in ihren Stunden hospitieren kann. Also verbringe ich meinen Tag entweder mit Hospitationen, um mich mit der kenianischen Art zu lehren vertraut zu machen oder mit der Korrektur von Prüfungen, um einen Einblick in den Lehrplan zu bekommen. Gegen 11.00 Uhr gibt es dann Milchtee im LehrerInnenzimmer. Der ist übrigens ziemlich stark gesüßt. Mittag gibt es dann um 12.30 Uhr. Es gibt jeden Tag ein anderes Essen, aber an 3 von 5 Tagen ist Ugali die Grundlage. Dienstag gibt es mein Lieblingsessen (Chapati) und Donnertags gibt es Reis mit Bohnen. Montag, Mittwoch und Freitag gibt es Ugali mit Skuma, Kohl oder Fleisch.
Insgesamt spielt sich mein Tag jetzt hauptsächlich in der Schule ab. Meist gehe ich dann am späten Nachmittag nach Hause und lege mich dann kurz hin, weil es doch immer noch recht viel Energie benötigt, die vielen neuen Eindrücke zu verarbeiten. Dann gibt es noch die ein oder andere Sache zu korrigieren und anschließend gibt's schon Abendbrot. Wir essen immer warm. Es gibt kein klassisches Brot, sondern Toastbrot, das man eher zum Frühstück isst. Zum Abend gibt es für mich also oft Nudeln, gekochte Bananen (Matoki, seeehr lecker), Kartoffeln, Reis oder Eier mit Beilagen wie gebratenen Tomaten. Abends geht es dann gegen 11 ins Bett. Zu dieser Zeit begrüßen mich dann schon einige Mücken in meinem Zimmer. Man kann nicht verhindern, dass sie sich ihren Weg ins Haus bahnen, Aber zum Glück habe ich mein Mückennetz. Vom verstörende Summen jedoch bleibe ich nicht verschont. So musste ich die ersten Abende mehrmals überprüfen, ob die Nervensägen auch wirklich außerhalb des Netzes surren.
Was mir während der ersten Woche immer wieder in den Sinn kam, war ein Vergleich mit den ersten Wochen in England. Natürlich kam ich in England im Februar an und ich bezweifle nicht, dass die kenianische Sonne mir meine Ankunft um einiges erleichtert hat. Trotzdem war der Empfang hier um einiges herzlicher. Die Menschen in Mukumu sind einfach von Grund auf fröhlich, herzlich und sehr aufgeschlossen. Es bleibt nie bei einem einfachen "Hallo". Die erste Woche bestand aus so vielen schönen und interessanten Gesprächen, die mir die Lust auf die kommenden sechs Monate nur noch vergrößerten.

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