"Es ist egal, ob man die Insel im Uhrzeigersinn oder andersherum umrundet, man hat immer Wind." So oder so ähnlich hatte ich es bei meinen Vorbereitungen auf die Tour gelesen und heute spürte ich, wie wahr dieser Satz doch ist. Auf meinem Weg nach Grímsstaðir begleitete mich ein beständiger Gegenwind. Er war zwar nicht so stark, dass ich aufgeben wollte, aber er kostete mich eine Menge Kraft. Glücklicherweise sollte die heutige Etappe nur 40 Kilometer betragen und dementsprechend war es nicht schlimm, dass ich nur langsam vorankam. Die ersten 5 Kilometer führten mich über einen 417 Meter hohen Berg, dessen Anstieg recht steil verlief. Somit hieß es hier "kurz und schmerzlos" den Berg zu bezwingen. Der Ausblick war herrlich. Ich konnte die ganze Umgebung um den See betrachten. Auch an den Ausblick vom Fahrrad während der Fahrt werde ich mich nie gewöhnen. Die recht flache Umgebung hinter dem Berg ließ einen weiten Blick in die Ferne zu. Neben mir erstreckten sich Lavafelder und ab und zu fuhr ich an Bergen oder Kratern vorbei. Kurz vor meinem Ziel überquerte ich die "Golden Gate Bridge des Hochlands" und war beeindruckt von den reißenden Strömen, die sich unter der Brücke ihren Weg bahnten. Als ich auf den Weg zum Campingplatz abbog, sah ich schon das Schotterstraßen-Warnschild und bereitete mich auf die kommenden Strapazen vor. Die Straßenqualität nahm tatsächlich deutlich ab und ich versuchte den vielen Schlaglöchern auszuweichen. Der noch verstärkte Gegenwind sorgte nicht gerade für eine Verbesserung der Situation. Das waren wohl die 4 anstrengendsten Kilometer der gesamten bisherigen Tour. Ich erreichte den Campingplatz und mich überkam das Gefühl, am Ende der Welt angelangt zu sein. Zum einen waren keinerlei andere Camper zu sehen (was aber auch an meiner Ankunftszeit 13:30 Uhr lag), zum anderen bestand dieser Campingplatz aus einer Wiese mit einem Plumpsklo. Aber es stellte sich heraus, dass genau diese verlassene Gegend und deren Ruhe das Richtige für mich waren. Ich stellte mein Zelt auf, was sich bei dem Wind recht schwierig gestaltete, und legte mich auf meine Isomatte. Innerhalb der nächsten zwei Minuten war ich eingeschlafen und wachte erst 16.00 Uhr wieder auf. Anscheinend hatte mein Körper den Schlaf wirklich nötig.
Nachdem ich meinen Energiespeicher wieder aufgefüllt hatte, las ich das erste Mal ein wenig in meinem Buch und verbrachte eine entspannte Zeit in meinem Zelt. Internetempfang gab es hier nämlich keinen, zumindest nicht in der Nähe meines Zeltes. Am kleinen Gästehaus weiter entfernt, war dann aber WLAN vorhanden. Ich verbrachte einen ruhigen Abend und hörte, wie sich der Campingplatz immer weiter füllte. Ich hätte nicht gedacht, dass überhaupt noch jemanden den Weg hierher finden würde. Für morgen plane ich, weiter nach Ásbyrgi zu fahren und übermorgen hierher zurückzukehren, um dann von der nahegelegenen Haltestelle bis nach Egilsstaðir mit dem Bus zu fahren. Auf jeden Fall hoffe ich, dass der Wind bis morgen noch ein bisschen nachlässt...