Viel Sonne, viele Tiere und noch mehr Tuk-tuks

Von einem sehr entspannten Tag und einem aufregenden Ausflug in die Stadt

28. September 2023

Gestern fragte ich David, was der Plan für heute sei. "You rest." ("Du ruhst dich aus.") war die Antwort. Und das ist auch genau das, was ich fast den ganzen Tag tat. Ich ruhte mich aus. Nach einem langen erholsamen Schlaf wachte ich gegen um 11 auf. David war zu diesem Zeitpunkt schon 6 Stunden auf den Beinen. Für ihn sind die langen Arbeitstage von früh morgens bis spät abends ganz normal. Er hatte in den letzten Jahren in der Schule immer mehr Verantwortung übertragen bekommen.
Als ich aufwachte, hörte ich Lilian (David's Partnerin) in ihrem Zimmer sehr schnell sprechen. Es hörte sich an, als würde sie eine Hotline betreuen. Sie erklärte mir dann später, dass sie einen TikTok Account hätte, mit dem sie Geld verdiene. Sie hat viele Follower und durch die Livestreams macht sie kleinere Accounts bekannt. Studiert hat sie ICT (Information, Communication and Technology), aber es ist schwer, in Kenia einen Job zu finden. Dafür braucht es Beziehungen. Ihr Traum wäre es, eine Krankenschwester zu sein. Ansonsten kümmert sie sich um ihre kleine Tochter Linda. Lilian ist nur ein Jahr älter als ich. Über den Tag tauschten wir uns über die verschiedensten Dinge aus. Erst erzählte mir Lilian davon, dass sie nicht wussten, wie Linda auf mich reagieren würde. Linda hatte vorher noch niemanden mit meiner Hautfarbe gesehen. Wir waren uns beide einig, dass es wunderbar anzusehen war, wie vollkommen problemlos diese Begegnung ablief. Linda und ich bauten schnell eine Freundschaft auf und ab einem Zeitpunkt begann sie mir alles nachzumachen. Also putzen wir von da an immer gemeinsam Zähne, wuschen uns gemeinsam die Hände und gingen gemeinsam in den Garten und schauten gemeinsam den Kühen beim Weiden zu. Linda machte mir meine Ankunft um einiges leichter.
Als Lilian und ich uns unterhielten, hatte ich das Gefühl, bei den absoluten Grundlagen zu starten und fragte bunt durch den Gemüsegarten:  Verursacht jeder Stich der Überträgermücke Malaria? Gibt es Wasserknappheit in Kenia? Brauchen dunkelhäutige Menschen Sonnencreme? Sie beantwortete meine Fragen und ich erzählte ihr, was sie über Deutschland und Europa wissen wollte. Außerdem erfuhr ich, dass Lilian and David erst seit 6 Monaten hier wohnen. Vorher hatten sie ein Stück weiter weg von der Schule gewohnt. Außerdem erzählte Lilian mir begeistert von meiner zukünftigen Praktikumsschule. Das Umfeld dort wäre bemerkenswert und die Häuser deutlich schöner als die umliegenden. Sie wünschte, alle Häuser in der Gegend würden so gebaut werden. Das Haus von David und seiner Frau besteht aus einem Schlafzimmer, einem Gästezimmer/Abstellraum, einem Wohnzimmer sowie einer Küche und zwei kleinen Räumen, die jeweils eine Dusche und eine Hocktoilette beinhalten.
Es folgt eine kurze Tour durchs Haus...


Für eine Weile begab ich mich auf die kleine Wiese vor dem Haus. Nebenan, hinter einem Zaun, grasen friedlich Kühe. Die Wiese wird auch von der kompletten Nachbarschaft genutzt. Hier wird Wasser vom Wasserhahn geholt, Wäsche gewaschen, Abwasch gemacht und (leider) auch Müll entsorgt. So sah ich einer Kuh zu, wie sie genüsslich eine Windel von Linda verspeiste... Die Kühe werden von Massai gehalten, die viel Wissen zur Tierhaltung besitzen. Das Grundwasser wird nebenan von einer Pumpe (tagsüber solarbetrieben) an die Oberfläche und zu den Grundstücken gepumpt.   
Noch hatte ich mich nicht an das neue Klima und besonders an die hohe Luftfeuchtigkeit gewöhnt. Bisher war mir immer ein bisschen schwindelig, ich fühlte mich schwach und irgendwie nicht wie ich selbst. Dann dachte ich aber an meine ersten Wochen in England zurück, in denen ich ständig müde war und enorm viel Schlaf brauchte. Ich erinnerte mich also daran, meinem Körper die Zeit zu geben, die er braucht. Für ein paar Stunden genoss ich die Sonne und las ein Buch.
Am Nachmittag gegen fünf beschlossen Lilian und ich dann zur Einkaufshalle in die nächste Stadt zu fahren und ein paar Besorgungen zu machen. Nach etwa 10 Minuten Fahrt mit einem Tuk-tuk, kamen wir in der Stadt Kakamega an. Wieder war ich froh, hier nicht fahren zu müssen. Zuerst besuchten wir einen Frisör. Lilian erklärte mir, dass das mit den Afrohaaren gar nicht so einfach sei. Sie muss jede Woche zum Frisör gehen, damit ihre Haare nach etwas aussehen. Nachdem wir beim Frisör waren, gingen wir noch in die Einkaufshalle, um Lebenmittel zu besorgen. Dieser Ausflug wie auch meine Anreise hatten mir bewusst gemacht, dass meine Hautfarbe hier eine absolute Seltenheit ist. Menschen meiner Hautfarbe sind in aller Regel Touristen. Touristen halten sich jedoch eher an den Küstengebieten (Mombasa, ...) auf. Dementsprechend wurde ich doch recht intensiv gemustert.  Danach ging es wieder mit dem Tuk-tuk nach Hause. Wieder hatte es eine Auswirkung, dass ich Lilian's Begleiterin war. Die Tuk-tuk Fahrer verlangten hohe Preise. Wir warteten also bis ein Fahrer einen fairen Preis anbot. Zudem meinte Lilian, dass man bei Fahrern, die besonders aufdringlich sind, vorsichtig sein müsste. Oft käme es dann zu Diebstählen. Auf unserem Rückweg mit dem Tuk-tuk konnte die kleine Linda (seltsamerweise) bei diesem verrückten Verkehr und in einem verhältnismäßig lauten Fahrzeug anscheinend am besten Einschlafen. Es dauerte nur 5 Minuten Fahrzeit und Baby Linda war auf meinem Schoß eingeschlafen. Als wir ankamen trug ich sie zum Haus (immer noch schlafend) und erst als wir die Tür öffneten wachte sie auf. David kam dann gegen halb 9 nach Hause. 
Nach einem gemeinsamen Abendbrot, ging es dann ab ins Bett. Morgen sollte ich nämlich das erste Mal das Schulgelände von innen sehen...
Gute Nacht!

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