Waltastisch

Die Entscheidung, die Strecke nach Húsavík zurückzulegen, sollte sich tausendfach auszahlen. Ich erwischte den wärmsten und sonnigsten Tag in dieser Küstenstadt und erlebte ein Walbesichtigungstour, die ich nie vergessen werde. Die Landschaft, das Wetter, die Wale - es stimmte einfach alles!

28. Juli 2019

Gestern hatte ich für mich noch einen groben Plan für den heutigen Tag aufgestellt. Wirklich sicher war ich mir aber noch nicht, ob ich diesen wirklich einhalten würde.
Ich wollte also zuerst mit dem Bus nach Húsavík fahren. Sonntags fuhr dieser aber erst 13.25 Uhr und kam gegen 14.00 Uhr in Húsavík an. Der letzte Bus, der mich noch am selben Tag nach Laugar zurückbringen könnte, verließ jedoch schon 15.00 Uhr die Haltestelle in Húsavík. Mein nächster Gedanke war also, in Húsavík zu übernachten. Mir war es jedoch zu umständlich mein Fahrrad und all meine Sachen im Bus mitzunehmen (zumal man mit Fahrrad auch immer doppelt zahlt). Deshalb fragte ich den Campingplatzbesitzer, ob ich mein Fahrrad und einige meiner Sachen vielleicht im Hauptgebäude lassen könnte. Er zögerte nicht einen Moment und gab mir die Erlaubnis, die Sachen einfach in der Garage abzustellen. Soweit stand der Plan also: Mit dem Bus nach Husavik, dort übernachten und wieder nach Laugar zurückkommen.
Ich schlief also so richtig schön aus und wachte gegen um 9.00 Uhr im äußerst warmen Zelt auf. Ich wunderte mich über die Hitze, aber anscheinend wollte mich Island wieder einmal mit einem richtigen Sommertag überraschen. Nachdem ich mein Fahrrad und meine Sachen am vereinbarten Platz verstaut hatte, packte ich meinen Rucksack und machte es mir bis zur Mittagszeit im Aufenthaltsraum gemütlich. Ich nutzte die Gelegenheit meine Technik zu laden und konnte mir in der Küche sogar einen Kaffee kochen... Herrlich!
12.30 Uhr beschloss ich meinen Weg zur Bushaltestelle anzutreten, um sicherzugehen, den Bus auch auf keinen Fall zu verpassen. Dann kam ich auf die Idee, es einfach mal als Tramper zu versuchen. Drei Autos hielten an, wollten aber leider alle nicht nach Húsavík, sondern nach Akureyri. Schade. Ich musste also doch auf den Bus zurückgreifen.
13.30 Uhr fuhr ein grauer Transporter an die Bushaltestelle. Da die Nachfrage nach Bussen am Wochenende deutlich sinkt, wurde auf einen großen Bus verzichtet. Drei weitere Passagiere saßen mit mir im Auto, weshalb es sich mehr wie eine Taxifahrt als eine Busfahrt anfühlte. Kurz bevor wir die Endhaltstelle erreichten, offenbarte sich ein Panorama der Berge, die die gegenüberliegende Küste schmückten. Schon jetzt hatte sich dieser Ausflug gelohnt.
Als ich aus dem Bus stieg, wehte mir eine Brise Fischluft um die Nase. Ich steuerte direkt auf den Hafen zu und suchte den Ticketverkauf für eine Walbesichtigungstour. Weil ich mich nach gestriger Recherche schon für den Anbieter "Gentle Giants" ("Sanfte Riesen") entschieden hatte, musste ich nicht lange suchen. Ich bezahlte mein Ticket und hatte zudem das Glück, dass die letzten beiden Touren 16.45 Uhr und 20.00 Uhr um 20% reduziert war. Da ich für 16.45 Uhr gebucht hatte, bekam ich den Preisnachlass. Die aufmerksame Mitarbeiterin im Ticketshop bot mir an, mein schweres Gepäck bei ihr zu lassen, wenn ich die Stadt besichtigen wollte. Nun hatte ich noch knapp zwei Stunden Zeit bis zum Beginn des Abenteuers und besichtigte mit leichtem Gepäck die kleine Stadt. Zuerst setzte ich mich auf eine Bank ein kleines Stück vom Hafen entfernt und nahm meine Umwelt war: Im Hintergrund spielte Musik, weil am Hafen eine Art Kirmes veranstaltet wurde. Die Sonne schien auf mein Gesicht und die relativ hohen Temperaturen brachten mich schon fast zum Schwitzen. Doch der dezent wehende Wind kühlte die Hitze auf eine angenehme Wärme herunter. Ich entschied, dass dies mein Lieblingswetter sei. Keine Hitze, keine Kälte - etwas dazwischen mit einem Hauch von Sonne und Wind. Ein kleiner Park etwas abseits vom Stadtzentrum entzückte mit seiner liebevollen Gestaltung. Ein Netz von schmalen Pfaden führte entlang eines kleinen Flusses und hier und da konnte man die leuchtenden Farben von duftenden Blumen genießen. Danach sollte die ruhige Atmosphäre der Húsavíkurkirkja diesem Augenblick der Entspannung keinen Abbruch tun. Die Kirche war etwas größer als die Gebäude, die ich bisher besichtigt hatte, aber sie gefiel mir auch. Ich saß eine ganze Weile in der Kirchenbank und genoss, der einzige Besucher dieses schönen Ortes zu sein.
Dann war es langsam so weit und ich bewegte mich in Richtung des Hafens. Es dauerte nicht lange und es hatte sich eine Gruppe von Menschen vor dem Tor der "Gentle Giants" angesammelt. Miro, unser Moderator für die Tour, nahm uns in Empfang und führte uns auf unser Schiff "Sylvia". Pünktlich 16.45 Uhr legten wir ab und bald befanden wir uns mitten in der Bucht, die auch Rüttelbucht genannt wird. Denn hier liegen zwei tektonische Platten übereinander, die fast täglich für mehr oder weniger spürbare Erdbeben sorgen. Zwischen Februar und März dieses Jahres wurden 3000 Erdbeben gemessen. Nach etwa einer dreiviertel Stunde hatten wir noch keine Wale gesehen, doch Miro kommentierte: "Manchmal ist Geduld der Schlüssel."
Also warteten wir und auf einmal war er da: der erste Wal. Ziemlich weit weg, aber gut sichtbar hatte er sich uns gezeigt. Nach dem ersten Wal dauerte es nicht lange, bis die nächsten folgten. Ich habe nicht mitgezählt, aber es waren so einige Exemplare, die wir zu Gesicht bekamen. Der nächste tauchte etwa 5 bis 10 Meter vom Boot entfernt auf. Für mich war das ein absolutes Spektakel, diese Meeresriesen aus nächster Nähe betrachten zu dürfen. Nebenbei erfuhren wir von Miro so einige Dinge über die Säugetiere.
Wenn gerade kein Wal zu sehen war, war Zeit, die nicht weniger faszinierende Umgebung zu betrachten. Der Sonnenschein ließ den Ozean blau glitzern und die Gipfel der Berge an der gegenüberliegenden Küste waren mit weißem Schnee bedeckt. Es wehte ein leichter Wind. Wenn die Sonne hinter den Wolken verschwand, wurde es schnell frisch. Doch das kam nur selten vor. Wir verbrachten fast zwei Stunden in der Bucht und sahen immer wieder eine Fontäne, eine Flosse oder einen Buckel. Die Zeit verging wie im Flug. Auf dem Rückweg wurden noch heiße Schokolade und eine Art isländischer Donut verteilt. Diese Aufmerksamkeit ist Teil einer jeden Tour.
Mit Blick auf die Strudel, die entstanden, wenn das Schiff auf die Wellen des Meeres traf, genoss ich das Gebäck und die Wärme meines Getränkes. Die Tour ist übrigens definitiv nicht für Menschen zu empfehlen, die mit schwankenden Gefährten Probleme haben. Teilweise fühlte es sich für mich an, als würde das Boot jeden Moment kentern. Aber aus irgendeinem Grund besorgte mich das in diesem Augenblick überhaupt nicht. Ich hatte vollstes Vertrauen in unseren Kapitän. Als wir wieder den sicheren Hafen errichten, war es schon fast 20.00 Uhr.
Ich holte mein restliches Gepäck ab und machte mich auf den Weg zum Campingplatz, der nur einen Kilometer vom Hafen entfernt ist. Die abendliche Routine verlief dann wie immer und schon bald lag ich im Zelt und schlief mit dem Rauschen des Meeres im Ohr ein...

Hafen von Húsavík 
Und die Tour beginnt...
Die Highlights aus 150 Walbildern...

Nachtlager
Húsavík Campingplatz

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