Die Weiterreise

Von den schnellsten 40 Minuten meines Lebens und meinem ersten Treffen mit Baby Linda

27. September 2023

Habari za asubuhi! ("Guten Morgen" in Swahili, Landessprahce in Kenia). Der heutige Plan ist von Nairobi nach Mukumu zu reisen. Dafür bringt mich ein Fahrer um 12 Richtung Flughafen. Nach einer erfrischenden Dusche und einem wunderbaren Frühstück, warte ich nun gerade in meiner Unterkunft auf die Ankunft dieses Fahrers. Da hier auch Internet zur Verfügung steht, bleibt Zeit die letzte Organisation für den Flug zu erledigen und ein paar Nachrichten nach Hause zu senden.

Update, 23.30 Uhr in Mukumu
Wow! Was für eine Reise. Nach meinem 40-minütigen Flug, den ich als unglaublich kurz empfand (vielleicht war ich eventuell wieder mal etwas aufgeregt, was Start und Landung betraf), kam ich wohlbehalten in Kisumu an. Der Blick aus der Vogelperspektive auf Kenia überraschte mich deshalb, weil ich mit mehr Steppe gerechnet hatte. Nachdem wir das als trocken bekannte Nairobi verlassen hatten, waren es hauptsächlich grüne Wiesen, kleine Seen und Berge, die ich zu sehen bekam.
In Nairobi angekommen, stand David schon am Exit-Point bereit und nahm mich in Empfang. Ab hier sollte das Abenteuer losgehen. Zuerst liefen wir Richtung Hauptstraße, die am Flughafen vorbeiführt und dort realisierte ich, dass ab jetzt alles ein bisschen anders sein würde. Der Verkehr erinnerte mich an einen Urlaub in Rom, jedoch noch um einiges potenziert. Überall hupte es und mehrere Motorräder hielten an und boten uns eine Fahrt an. David erklärte mir, dass sie aufgrund meiner Präsenz vollkommen absurde Preise verlangten. Touris haben Geld ist die Devise, so David. Spätestens ab hier wäre ich ohne David übrigens komplett verloren gewesen.
Wir liefen also noch ein Stück weiter und stiegen dann in ein Tuc-tuc ein, ein ursprünglich aus Indien stammendes, kleines Taxi. David, ich, zwei weitere Menschen und mein Rucksack fanden auf der kleinen Rücksitzbank Platz und es ging Richtung Stadtcenter von Kisumu. David wollte im Supermarkt noch einige Besorgungen machen. Die Fahrt fühlte sich an, wie die Präsentation einer Reichtums-Skala. Von kleinsten Buden als Wohnhaus und Straßenverkauf von über Feuer gebratenem Mais am Stadtrand bis hin zur riesigen Einkaufshalle mit Polizeibewachung im Stadtinneren. Die Schere zwischen Arm und Reich kam mir unglaublich vor. Nachdem David alle Besorgungen gemacht hatte, wurde uns vor der Einkaufshalle wieder direkt ein Taxi angeboten. David erklärte mir erneut, dass er lieber etwas weiter weg nach einem Taxi suchen würde. So belief sich der Preis für die Fahrt plötzlich nur noch auf 1/5 des ursprünglich angebotenen Preises. Dann ging es etwa halb 9 Richtung Kagamega County, wo auch Mukumu zu finden ist. Der Kleinbus fuhr immer auf der gleichen Straße entlang die ganze Zeit Richtung Norden. Bemerkenswert war auch hier wieder, wie viele Fahrzeuge unterwegs waren. Außerdem wird die Geschwindigkeitsbegrenzung außer mit Straßenschildern auch mit enormen Bodenwellen verdeutlicht. Sage wir es so: Ich war froh, nicht fahren zu müssen. Ungefähr eine Stunde später kamen wir an. Links neben uns befand sich entlang der Straße eine Mauer. Am Tor stand ein großes Schild: "Mukumu Girl's High School". Das sollte also mein Arbeitsplatz für die nächsten 6 Monate sein. David und ich bogen aber vorerst nach rechts ab, denn da befindet sich David's Haus. Nach einem Fußweg von etwa 5 Minuten kamen wir dort an. Ein kleines einstöckiges Häuschen mit 3 Zimmern, Küche und Bad. Als wir ankamen, begrüßte mich ein freundliches Kindergesicht: Linda Leibhold. Die kleine 2,5-Jahre alte Tochter von David wurde nach der Mitschülerin meines Bruders benannt, die hier in Kenia zusammen mit David einen Verein zur Bildungsförderung gegründet hatte. Gerufen wird sie übrigens "Baby Linda" oder "Toto" (für Baby). Viel Energie hatte ich nicht mehr übrig, aber David's Frau hatte uns sogar noch ein Abendbrot gekocht: Eintopf mit Reis. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich Hunger hatte. David zeigte mir anschließend mein Zimmer und mein Bett (wieder mit Mückennetz), in welchem ich nun liege und gleich in einen tiefen Schlaf fallen werde :) Gute Nacht!

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