Gerade ist es 19.30 Uhr und ich befinde mich ziemlich genau 12 Kilometer über dem Roten Meer. Mal wieder eine Aussage, mit der ich so schnell nicht gerechnet hatte. Aber es ist tatsächlich Wirklichkeit: Ich bin nur noch 2 Stunden entfernt von meinem großen 6-monatigen Abenteuer in Kenia. Aber fangen wir von vorne an...
03.30 Uhr verließ ich heute morgen meine Wohnung - die ab jetzt einer neuen Untermieterin gehörten sollte - und begab mich zum Bahnhof in Jena. 04.18 Uhr verließ ich Jena und kam in Erfurt rechtzeitig für die Abfahrt des ICEs nach Frankfurt (M) Flughafen an. 07.51 Uhr bekam ich den überwältigend großen Flughafen in Frankfurt zu Gesicht und nach dem Online-CheckIn, den ich noch im Zug erledigen konnte, standen nun nur noch Gepäckabgabe, Sicherheitscheck und Passkontrolle an. 11.45 Uhr hob ich ab und genoss anschließend ein schmackhaftes Mittagessen in luftigen Höhen. Zwei Filme und einige Schläfchen später sind es jetzt noch 2 Stunden bis zur planmäßigen Ankunft in Nairobi. Zum Glück gab es bisher nur wenige und nicht sonderlich starke Turbulenzen. Meine Flugangst konnte ich bisher noch nicht wirklich überwinden. Ein bisschen Sorge ich mich noch um die Einreise. Vor Abreise habe ich nämlich noch gelesen, dass das Einreisen in Kenia nicht gestattet ist, wenn man arbeiten will, aber keine Arbeitserlaubnis beantragt hat.
Update 26/09, 23.10 Uhr
Vor ungefähr einer halben Stunde bin ich in meiner Unterkunft angekommen. Die Einreise mit Passkontrolle lief vollkommen problemlos ab. Mein Visum reichte vollkommen aus. Danach hatte mich ein Fahrer mit einem Namenschild, auf dem groß "Eva-Juliane" geschrieben stand, abgeholt und wir fuhren dann ca. 10 Minuten zur Unterkunft. Einen eigenen Fahrer zu haben fühlte sich genauso absurd an, wie die kleine Herde von etwa 10 Zebras, die sich neben der Straße ihren Weg bahnten. Zebras hatte ich bisher nur im Zoo gesehen. Der Fahrer erklärte mir, dass die Tiere manchmal genutzt werden, um das hohe Gras am Flughafen auf natürliche Weise zu kürzen. Normalerweise befinden sie sich aber hinter dem Tierschutzzaun. Ich hätte also ganz schön Glück gehabt, sie zu Gesicht zu bekommen. Was für eine schöne Zusammenarbeit von Mensch und Natur dachte ich... Außerdem erfuhr ich noch, dass es in Nairobi heute das erste Mal seit 8 Monaten wieder richtig geregnet hatte. Ich glaube, ich brauche noch eine Weile bis ich wirklich realisiert habe, wie weit ich eigentlich in den letzten 24 Stunden gereist bin. Eigentlich ist es doch auch etwas völlig Unnatürliches - so schnell so viele Kilometer zu reisen. 6323 Kilometer in etwas weniger als 9 Stunden. Früher sind die Menschen gewandert und konnten sich nach und nach an die Umstellung gewöhnen. Fliegen hat etwas sehr Abruptes, das Menschen dazu zwingt einen Übergang in einer sehr kurzen Zeit zu verarbeiten. Vielleicht liebe ich es deshalb auch so sehr, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein... Aber natürlich will ich mich nicht beschweren. Mit dem Fahrrad hätte es laut Komoot schließlich 560 Stunden gedauert.
Jetzt liege ich schon (völlig übermüdet) in meinem Bett (das übrigens mit einem Mückennetz überspannt ist) und bin bereit, meine erste Nacht in Kenia zu verbringen. Gute Nacht!