Als ich heute Morgen im Zelt aufwachte, machte ich mir erst einmal bewusst, dass dies die letzte Nacht im Zelt gewesen war. Heute würde ich also auch den Campingplatz in Reykjavík verlassen und meinen Weg Richtung Heimat einschlagen. Bald wäre es Zeit Abschied zu nehmen. Doch bis ich die Insel verlassen würde, gab es noch einiges zu tun. Mein Plan war es, den Zeltplatz gegen halb eins nachmittags zu verlassen, um dann mit dem bepackten Rad zum Hostel Hlemmur Square zu fahren. Also frühstückte ich und packte Stück für Stück mein Lager zusammen. Natürlich passte das Wetter wieder zu meiner Stimmung, denn es regnete, als ich im Begriff war, das Zelt abzubauen. Nach etwa einer Stunde, in der ich all meine Sachen sortierte und in meinen Fahrradtaschen verstaute, lehnte dann das voll bepackte Fahrrad am Zaun des Campingplatzes. Im Anschluss begab ich mich noch ein letztes Mal zur Küche, um mir mein Mittagessen zuzubereiten. Zum Abschied gab es Spaghetti. Pünktlich 12.30 Uhr verließ ich mein letztes Quartier und fuhr in die Richtung meiner ersten Unterkunft, dem Hostel Hlemmur Square. Dort hatte ich vor zwei Monaten meinen Fahrradkarton zurückgelassen und fand ihn dort auch unverändert wieder auf. Der nette Mann, der für die Aufbewahrung des Kartons gesorgt hatte, erkannte mich sofort wieder und ich berichtete ihm kurz von meinen Erlebnissen und Erfahrungen. Anschließend bat ich ihn darum, mein Fahrrad hier im Hostel verpacken zu dürfen, da es draußen in Strömen regnete. Ohne Zögern tat er mir diesen Gefallen und erlaubte mir den Aufenthalt. Ich legte mein restliches Gepäck auf einem Sofa ab und begann das Fahrrad in seine Einzelteile zu zerlegen. Es war zwar zwei Monate her, aber die Handgriffe saßen immer noch ziemlich gut. Schnell hatte ich die Pedalen abgeschraubt und das Vorderrad abgebaut. Ich ließ die Lust aus dem Hinterreifen und stellte dann fest, dass das Ventil des Vorderrades verstopft war. Die Luft wollte nicht aus dem Schlauch entweichen. Nach einigen Versuchen das Ventil wieder luftdurchlässig zu machen und einem kurzen Prüfanruf, ob Papa vielleicht noch Tricks kennt, musste ich Wohl oder Übel das Gummi des Schlauches durchstechen und so die Luft aus dem Rad lassen. Anschließend schraubte ich noch den Lenker ab, hob das Fahrrad in seine Verpackung und musste nun nur noch den Karton zukleben. Ein wenig Klebeband hatte ich noch eingepackt, aber das war leider nicht genug. Ich lief also in den Laden gegenüber des Hostels, in dem ich aber nicht das fand, was ich suchte. Der Mann an der Rezeption hatte mich beobachtet und fragte mich anschließend, was ich denn bentöigen würde. Auf meine Antwort streckte mir eine komplette Rolle Klebeband entgegen und ich bedankte mich herzlich. 1.5 Stunden bevor der Bus am Hostel ankommen würde, war das Fahrrad nun reisefertig. Ich verbrachte die restliche Zeit auf dem Sofa und transportierte anschließend all meine Sachen zur Bushaltestelle. Der Regen hatte nicht aufgehört und so fielen die Tropfen auf den Fahrradkarton. Zum Glück kam der Bus ein wenig später und dann saß ich wieder im Trockenen. Wie bei der Ankunft vor zwei Monaten stieg ich nach der Fahrt bis zum Busterminal wieder in einen größeren Bus um und wurde dann zum Flughafen Keflavík gebracht. Irgendwie schloss sich der Kreis, denn als ich aus dem Fenster schaute, zeigte sich mir die Landschaft exakt wie bei der Ankunft vor zwei Monaten. Es war etwas düster und neblig und der leichte Sprühregen hatte die Temperaturen auf etwa 15 °C abgekühlt. Gegen 16.45 Uhr erreichten wir den Flughafen. Hier blies der Wind kräftig und ich musste den Karton erst einmal hinlegen, weil er sonst umgefallen wäre. Meine erste Handlung war, mir einen Transportkarren für das Fahrrad und mein restliches Gepäck zu besorgen, denn so ging alles, was folgte, deutlich leichter. Vorteilhaft war, dass ich viel Zeit hatte und somit keinen Stress. Mein Flugzeug würde 00.50 Uhr abheben und jetzt war es erst Nachmittag. Meine Hauptaufgabe bestand nun darin, die beiden Fahrradtaschen irgendwie zu verbinden, damit sie als ein Gepäckstück gelten würden. Ich fragte am Informationsschalter. Dort wurde mir mitgeteilt, dass es eine Einpackstation (so wie in Hamburg) nicht geben würde. Ich solle es aber mit Klebeband versuchen. Ich besorgte mir also am Gepäckschalter eine Rolle Tape und die Mitarbeiterin half mir meine beiden Gepäckstücke zu einem zu verbinden. Das klappte eigentlich ganz gut und ich war erst einmal zufrieden. Nun steuerte ich als Nächstes den "Tax-Free-Schalter" an. Wenn man nämlich in Island Waren ab einem bestimmten Wert einkauft, bekommt man bei der Abreise die Mehrwertsteuer zurückerstattet. Diesen Vorteil wollte ich natürlich für mich nutzen und gab das Formular ab, das ich im Laden bekommen hatte.
Jetzt war erst einmal Zeit, zu entspannen. Ich stellte den Gepäckwagen zur Seite und verbrachte die nächsten Stunden gemütlich in einer Wartehalle. Draußen hatte sich der Regen noch verstärkt und ich war froh an einem warmen, trockenen Ort zu sein. Gegen 22.00 Uhr öffnete dann der Schalter von Eurowings und ich war eine der ersten in der Reihe. Anschließend checkte ich mein Gepäck und auch ein Fahrrad ein und gab es danach am Schalter für Sperrgepäck ab. Die beiden Mitarbeiter dort hatten beste Laune und brachten mich mit dem klassischen "Ich nehme jetzt die Rolltreppe nach unten"-Abtauchen ganz schön zum Lachen. Sie gaben mir auch noch ein bisschen mehr Klebeband, damit ich die Verbindung der Fahrradtaschen ein wenig verbessern konnte. Und dann hatte ich es endlich geschafft. Alles war bereit und ich hatte nur noch mein Handgepäck bei mir. Ich brachte die Sicherheitskontrolle hinter mich und war dann in der großen Einkaufshalle angekommen. Hier gab es wieder alles, was das Herz begehrt.
Bald schon ging der heutige Tag zu Ende, doch an Schlafen war nicht zu denken. Fortsetzung folgt...