Zurück im Großstadtdschungel

Es ist tatsächlich vollbracht! Die Rundfahrt um die Insel ist beendet. Was für ein Gänsehautmoment, als die ersten Häuser der Hauptstadt am Horizont auftauchten! Am Nachmittag begann ich, einen Plan zu entwickeln, wie ich meine restlichen angestrebten Ziele erreichen könnte.

20. August 2019

Vor 27 Tagen hatte ich die Farm in Varmalið verlassen und sollte alles nach Plan laufen, würde sich heute der Kreis schließen. Dann würde ich heute Reykjavík erreichen und meinen letzten richtigen Tourtag erlebt haben.
Irgendwie erinnerte mich der Berg, der vor mir lag, an meine ersten Tage hier in Island, denn der Norden war doch deutlich bergiger gewesen, als die Strecken hier im Süden. Häufig hatte ich dort an einem Tag einen hohen Berg zu überwinden und im Anschluss ging es dann wieder flacher weiter. Genauso sollte auch meine letzte Etappe verlaufen. Als mein Wecker 6.00 Uhr klingelte, fühlte ich mich fit. Wahrscheinlich hatte es am gestrigen Entspannungsbad gelegen, aber ich hatte wunderbar geschlafen. Ich frühstückte, packte meine Sachen zusammen und radelte gen Berg. Schon bald war ich dem Anstieg nicht mehr gewachsen und setzte meine Reise schiebend fort. Es mag nervig klingen, einen Berg hochzuschieben, aber mit jedem Höhenmeter wurde der Ausblick besser und die Rauchschwaden über Hveragerði wurden noch einmal besser sichtbar. Nach einem recht steilen Stück, verlief die Straße wieder etwas flacher und ich entschied, es noch einmal fahrend zu versuchen. Und da passierte es. Eigentlich hätte ich es ahnen sollen, war doch das Schalten am Berg noch nie eine gute Idee gewesen. Ein bisschen ärgerte ich mich über mich selbst, aber gleichzeitig war ich erstaunt, wie entspannt ich blieb. Innerlich war ich die Ruhe selbst - nicht einmal ein Anflug von Panik oder Besorgnis. "Irgendwie würde ich es hinbekommen." dachte ich und stellte fest, was passiert war. Natürlich. Wieder einmal die Kette. Sie war hinter das Ritzel gerutscht, was normalerweise kein Problem darstellte, aber irgendwie bekam ich sie nicht wieder in die richtige Position. Also musste alles runter vom Fahrrad und ich stellte es auf den Kopf, um besser agieren zu können. Ich brauchte ganz schön lange und mehrere Schraubenzieher, aber am Ende machte es "klack" und die Kette war wieder frei. Dieses Hindernis wäre aus dem Weg geschafft! Ich teste erst noch einmal ohne Gepäck an - alles lief wunderbar. Trotz der Verzögerung hatte ich bald den Gipfel des Hügels erreicht und von nun an ging es nur noch fahrend weiter. Die Anzahl der Fahrzeuge auf der Straße hatte sich um einiges erhöht und leider wurde der Standstreifen, auf dem ich bisher ganz gut vom Verkehr abgeschirmt war, immer schmaler. Aber auch diesen Teil der Etappe brachte ich hinter mich, bis ich wieder einen breiten Fahrstreifen zur Verfügung hatte. Mit durchschnittlich 25 km/h bewegte ich mich nun auf die Hauptstadt zu und dann tauchten bald die ersten Häuser der Stadt am Horizont auf. Ich wurde überwältigt von meinen Emotionen. Ich hätte nicht gedacht, dass eine Ansammlung von Häusern eine solche Auswirkung auf mich haben könnte, aber ich war so glücklich, dass ich Gänsehaut bekam. Bald begegnete mir das Ortsschild von Reykjavík und da musste ich einfach anhalten und den Moment festhalten.
Trotzdem waren es noch ein paar Kilometer bis zum Ziel, die aber schnell hinter mir lagen. Ich fuhr auf das Gelände des Campingplatzes und suchte mir einen guten Standort. Erst erledigte ich alle Pflichten; baute das Zelt auf, bezahlte für die Nacht, bereitete Isomatte sowie Schlafsack vor und dann setzte ich mich hin und realisierte, dass ich nun angekommen war. Nach ganz viel Wind, einigen Anstiegen sowie Abfahrten und nach fast 1600 Kilometern war ich wieder da, wo alles angefangen hatte. Ein schönes, aber auch melancholisches Gefühl, denn diese Ankunft würde schließlich den Anfang vom Ende bedeuten.
Aber ein paar Tage habe ich noch und diese will ich bestens nutzen. Den Nachmittag plante ich also, wie ich meine letzten Tage hier verbringen würde. Denn es gibt noch einiges in der Umgebung von Reykjavík zu entdecken, die Halbinsel Reykjanes zum Beispiel und den angesprochenen "Golden Circle".
Morgen werde ich mir glaube ich erst einmal einen Entspannungstag gönnen, es sei denn, mir fällt noch etwas anderes ein...
Bis morgen!


Nachtlager
Tjaldsvæði í Laugardal, Campingplatz Reykjavík

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