Bei 27 Kühen im Stall ist es als Anfänger gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten. Erst nach etwa einer Woche bekommt man so manche Eigenheiten der Milchkühe mit.
Veisla zum Beispiel hat schon als Kalb ungewöhnlich viel getreten und seit sie einmal auf ihre Zitze getreten ist, ist diese Eigenheit nur noch verstärkt worden. Normalerweise übernehmen Vagn oder Anna das Säubern dieser Kuh. Aber nachdem Meta und ich ein paar Erfahrungen gesammelt hatten, durften wir dann auch unser Glück versuchen. Wenn man sich bemüht, die eigene Furcht vor einem Tritt zu verstecken und dem Tier zeigt "wer die Hosen anhat", dann ist es sogar recht gut möglich.
Grossa trägt eine Art Büstenhalter, weil ihr Euter zu weit unten hängt. Der Name der Kuh Jóla heißt übersetzt Weihnachten. Hapna hat immer einen besonders sauberen Euter, weshalb diese Kuh von jedem gern gereinigt wird. Ballerina verhält sich nicht unbedingt so, wie ihr Name vermuten lässt. Auch sie tritt gern mal kräftig zu, weshalb man bei ihr Vorsicht walten lassen sollte. Line hat nur drei funktionierende Zitzen und Osk hat eine Verletzung an eine ihrer Zitzen, weshalb man beim Waschen vorsichtig vorgehen muss.
So hat jede Kuh ihre Besonderheiten und bekommt ihre Sonderbehandlung. Das ist etwas, was ich besonders an dieser Farm schätze. Glückliche Kühe in einer harmonischen Umgebung. Mehr Bio geht nicht.
Nach dem morgendlichen Melken lernten wir "den Neuen" kennen. Ein neuer Wwoofer - wieder aus Frankreich - hatte die Farm erreicht. Sein Name ist Pier und er wird für einen Monat bleiben. Ich freue mich darauf, ihn kennenzulernen.
Bei der Planung der Tour legte ich übrigens auch ein Startdatum fest: Ab dem 25.07. bin ich wieder rollend unterwegs. Einerseits würde ich auch noch länger auf dieser Farm bleiben, aber andererseits freue ich mich auch schon riesig darauf, wieder jede Nacht an einer anderen Ort zu zelten und von der Landschaft Islands beeindruckt zu werden.
Nachdem ich eigentlich den ganzen Nachmittag verschlafen hatte (vielleicht die Nachwirkungen unseres nicht sehr schlafintensiven Ausflugs), hatte ich beim abendlichen Melken besonders viel Energie. Nach dem Abendbrot saßen Anna, Vagn und ich noch eine Weile zusammen und unterhielten uns über umweltbewusstes Leben, isländisches Bier und meinen Plan für den morgigen Tag. Ich habe vor, einen der Berge hinter der Farm zu erklimmen. Ich schätze die Höhe auf etwa 600 bis 700 Meter. Hoffentlich wird morgen so sonniges Wetter wie heute, damit ich einen guten Ausblick habe... Bis Morgen!