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Früh aufstehen war heute die Devise, denn die Fähre legte pünktlich 7.00 Uhr ab. Somit war mein Ausflug auf diese besonderen Inseln beendet. Nun ging es heiter auf dem Festland weiter - immer in Richtung Hauptstadt. Wieder machte auf meinem Weg der isländische Wind auf sich aufmerksam.

18. August 2019

Extremer Gegenwind, extremer Rückenwind, ... Irgendetwas fehlte mir noch in meiner Sammlung. Richtig! Extremer Seitenwind. Dieser sollte mich auf meiner heutigen Etappe beehren. Mit 10 m/s pustete er mich den halben Tag von der Seite an. Sicherlich ist diese Art von Wind nicht ganz so unangenehm wie Gegenwind, doch die Anstrengung ist auch hier vorhanden, weil man sich so sehr darauf konzentrieren muss, die Spur zu halten. Da ich mich heute an einem viel befahrenen Stück der Ringstraße bewegte, wollte ich die überholenden Fahrzeuge nicht unbedingt bei ihrem Überholvorgang stören.
Aber fangen mir am Anfang des Tages an: 5.00 Uhr klingelte mein Wecker und draußen wehte ein frischer Wind. So wirkliche Lust verspürte ich nicht, meinen warmen, kuschligen Schlafsack zu verlassen. Aber die Pflicht rief. Also kroch ich aus meiner warmen Behausung und begann, alles für die Abfahrt vorzubereiten. Nachdem mein Fahrrad fertig bepackt an der Wand des Hauses auf dem Campingplatz lehnte, frühstückte ich gemütlich im Aufenthaltsraum. Dort wärmte ich mich noch einmal auf und fuhr im Anschluss in Richtung Hafen. Bis dahin waren es nur 1.5 Kilometer. Die Fähre hatte schon angelegt und bald öffnete sich das Heck des Schiffes. Mein Fahrrad wurde für die Überfahrt wieder befestigt und ich konnte im Inneren der Fähre Platz nehmen. Während der Rückfahrt entschied ich mich dazu, nicht an zur Reling zu gehen und mir es stattdessen in einem der Sessel gemütlich zu machen. Nach einer halben Stunde befand ich mich wieder am Festland und es ging zweirädrig weiter. Die eintönige Strecke bis zur Ringstraße war mir schon bei der Hinfahrt endlos lang vorgekommen. Doch auch diesen Weg hatte ich irgendwann hinter mich gebracht und nun waren es noch 30 Kilometer bis zu meinem Tagesziel Hella. Anfangs wehte ein leichter Wind von der Seite, der sich aber mit der Zeit immer mehr verstärkte. Als ich einen Zwischenstopp in Hvolsvöllur einlegte, hatten die Böen ihr Maximum erreicht. Die letzten 14 Kilometer musste ich mich teilweise schiebend fortbewegen. Gerade auf Brücken wehte es besonders kräftig und selbst schiebend musste ich manchmal kurz anhalten. Aber ich hatte ja den Wetterbericht gelesen. Trotzdem war es noch einmal etwas anderes, diese enorme Windstärke tatsächlich zu spüren. Nach dem mühsamen letzten Sück war es 12.00 Uhr mittags endlich so weit: Ich passierte das Ortsschild von Hella! Schnell baute ich mein Zelt auf und legte mich zu einem Mittagsschläfchen auf die Isomatte. Das frühe Aufstehen war ich wirklich nicht gewohnt. Ich schlief bis nachmittags um vier. Kurz bereute ich, dass ich vergessen hatte mir einen Wecker zu stellen, schließlich wollte ich doch eigentlich jede Minute in Island nutzen und nicht schlafend verbringen. Aber ich merkte bald, dass es in Hella gar nicht so viel zu entdecken gab. Als ich für die Nacht auf den Campingplatz bezahlte, fragte ich die Frau in der Rezeption, was es hier zu entdecken gäbe. Sie beschrieb mir einen Wanderweg am Fluss Ytri-Rangá entlang. Man könne auf dem Weg den Vulkan Hekla sehen und nach ca. 30 Minuten würde man einen Wasserfall erreichen. Ich duschte erst, um wieder wirklich wach zu werden und startete dann die kleine Wanderung. Noch immer wehte eine ziemliche Brise, aber mit Mütze und Kapuze war das alles machbar. Ich spazierte durch eine idyllische Landschaft, direkt am Fluss entlang. Links von mir konnte ich tatsächlich den 1,5 Kilometer hohen Vulkan Hekla betrachten. Er ist 6600 Jahre alt und gehört zu den drei aktivsten Vulkanen Islands. Zuletzt brach er im Jahre 2000 aus. Am Wasserfall Ægissíðufoss verweilte ich kurz und erreichte nach insgesamt etwa 1.5 Stunden Wanderung wieder den Zeltplatz. Einen so entspannten Nachmittag und Abend zu genießen, war auch mal wieder schön. Nach dem Abendbrot suchte ich bald meinen Schlafsack auf. Laut Wetterbericht soll es morgen nur wenig Besserung geben, was das Windproblem betrifft, aber ich bin trotzdem zuversichtlich. Irgendwie hat es bisher ja immer geklappt und zur Not gibt es da schließlich immer noch den Bus.
Ich kann nicht glauben, dass es jetzt nur noch zwei oder drei Tage sind, bis ich wieder in Reykjavík ankomme. Ich bin mir noch nicht ganz einig in meiner Planung, ob ich noch einen Abstecher in den Thingvellir-Nationalpark mache oder ob ich diesen dann von Reykjavík aus mit dem Bus erkunde. In der Hauptstadt Islands habe ich dann auf jeden Fall noch ein paar Tage Zeit, um noch den sogenannten "Golden Circle" zu entdecken. Dieser ist die wohl berühmteste Tagestour, die man von Reykjavík aus unternehmen kann und enthält unter anderem den berühmten Wasserfall Gullfoss und einen aktiven Geysir. Dementsprechend viele Menschen sind dort auch unterwegs. Aber das liegt ja alles noch in der Zukunft. Jetzt möchte ich morgen erst einmal gut in Hveragerði ankommen.


Nachtlager
Árhús Cabins & Camping, Campingplatz Hella

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