Es gibt so viele verschiedene Arten aufzuwachen... Wenn man verschlafen hat zum Beispiel, schreckt man hoch und Hektik breitet sich im Körper aus. Oder man wacht auf, nachdem man schlecht geschlafen hat. Dann will man sich einfach nur umdrehen und weiterschlafen. Ich finde, dass die Art aufzuwachen den Verlauf eines ganzen Tages oder zumindest Morgens bestimmen kann.
Heute wachte ich mit dem Geruch des Meeres in der Nase und dem Gefühl auf, lange nicht so gut geschlafen zu haben. Die Sonne hatte die nächtliche Kühle aus dem Zelt vertrieben und ich lag kurz einfach nur da und brauchte eine Weile, um wieder zu realisieren, wo ich übernachtet hatte. Kurze Zeit später wachte auch Meta auf und wir beschlossen, sofort das Nachtlager abzubauen, um dann in Ruhe das Frühstück genießen zu können. Der Abbau ging zu zweit recht schnell und dann saßen wir am Holztisch des Rastplatzes und frühstückten im isländischen Sonnenschein. Aufgrund des herrlichen Wetters wollten wir noch einen kleinen Spaziergang zum Meer unternehmen. Der kleine Ausflug verlängerte sich auf etwa eine Stunde, weil wir uns spontan dazu entschieden, einen kleinen Hügel hinaufzusteigen, von dem aus wir uns eine bessere Sicht versprachen. Nach 10-minütigem Aufstieg und deutlich erhöhter Atemfrequenz genossen wir den verbesserten Blick aufs Meer.
Zurück am Rastplatz angelangt, nahmen wir wieder unsere Plätze im Auto ein und verließen unsere Schlafstätte. Wir fuhren immer weiter in den Snæfellsjökull-Nationalpark und erreichten bald die Abzweigung, die uns zum westlichsten Punkt der Halbinsel führen sollte. Doch vorher begegnete uns ein Sandstrand, der mit seinen Felsen an Teile Frankreichs erinnert. Dort machten wir Halt und erfuhren, dass wir am Skarðsvík-Strand angekommen waren. Unter anderem ist dieser Küstenabschnitt auch berühmter Fundort eines Wikingerskeletts aus dem 10. Jahrhundert. Vom Strand aus konnte man schon den am westlichen Rand der Halbinsel stehenden Leuchtturm entdecken und wir beschlossen, diesen von der Nähe aus zu betrachten. Doch der Weg dahin war beschwerlich: eine Schotterstraße, die mehr an eine Kraterlandschaft erinnerte als an eine Straße. Wir kamen nur sehr langsam voran, aber erreichten letztendlich glücklich den Leuchtturm. Wir staunten nicht schlecht, als uns am Ende der Straße ein großer Reisebus entgegenkam. Meta und ich stellten uns eine Frage: Wie in aller Welt hatte dieser Bus es bis hierher geschafft?!
Die Wege um den Leuchtturm waren mit kleinen Holzplanken befestigt und sie führten direkt bis zum Meer. Jetzt verstand ich, was "endlose Weiten" bedeuten konnte. Egal wo man hinblickte, sah man nur glitzerndes Blau.
Nach diesem lohnenswerten Abstecher, begegneten uns auf dem Útnesvegur kleine Dörfer wie Hellissandur, Ólafsvík und Grundarfjörður. Eine Pause legten wir in Stykkishólmur ein. Dieser Ort bot uns einen Campingplatz, auf dem wir unsere Wasserflaschen auffüllten und einen Supermarkt, der uns den Nachschub unserer Leibspeise bescherte: Kekse!
Zum Hafen von Stykkishólmur gehört die Insel Súgandisey, die zu Fuß zu erreichen ist und einen herrlichen Blick über das Meer bietet. Während die alten Kirchen Islands eher durch Schlichtheit glänzen, sind die modernen isländischen Kirchen, welche teils sehr ungewöhnliche Formen aufweisen, immer ein Blickfang. So ist auch die Kirche in Stykkishólmur ein Hingucker. Stykkishólmur sollte unser letzter Zwischenstopp sein.
Die Reise gen Farm verlief problemlos. Der Nebel, der uns wieder begegnete, war mittlerweile kein Grund mehr zur Besorgnis. Auf der Heimfahrt war auch genug Zeit den Geburtstagskindern aus Meißen zu gratulieren: An dieser Stelle noch einmal herzlichen Glückwunsch zum 20. Geburtstag, Tina und Marie ;)
In Hvammstangi tankten wir dann noch unser Gefährt (erfolgreicher als gestern). Ca. 1,5 Stunden vor Varmahlíð kreuzten wir den Weg einer jungen Frau, die sich per Anhalter fortbewegte. Wir ließen sie an unserem Roadtrip teilhaben. Emma, so hieß die Tramperin, wollte auch nach Varmahlíð, was perfekt passte. Wir lieferten sie am Campingplatz ab und kamen dann 19.15 Uhr wohlbehalten wieder auf der Farm an. So konnten wir auch noch beim abendlichen Melken mithelfen. Auch auf der Farm gab es heute übrigens ein Geburtstagskind: Guðrún, Annas Mutter, feierte auch ihren Ehrentag. Nachdem wir ihr gratuliert hatten, fielen wir dann endgültig erschöpft in unsere Betten. Gute Nacht!