Ein Brite verzaubert Reykjavík

Eine über 300 Kilometer lange Reise machte es mir möglich, am frühen Nachmittag Großstadtluft zu schnuppern. Doch die Mühe war es mir wert, denn ich konnte so einige meiner Lieblingskünstler live erleben. Schon länger hatte ich mit dem Gedanken gespielt, das Konzert zu besuchen, aber lange hielt mich der damit verbundene Aufwand zurück. Doch das Abenteuer zu wagen, sollte sich lohen.

11. August 2019

Als ich heute in Skaftafell in meinem Zelt aufwachte, war ich sofort mit Vorfreude erfüllt: Heute würde ein weiterer Traum in Erfüllung gehen. Aber dafür müsste ich erst einmal den weiten Weg nach Reykjavík zurücklegen. Glücklicherweise plante Gunnlaugr vom Campingplatz in Stafafell auch am heutigen Tag in die Hauptstadt Islands zu fahren, um nach seinem Gästehaus zu schauen. Als ich ihm von dem Konzert erzählte, bot er sofort an, mich mitzunehmen. Somit konnte ich mir die teure Busfahrt ersparen. Aber bevor es losgehen würde, gab es noch so einiges zu organisieren: Zuerst musste ich meine Sachen zusammenpacken, die ich für die nächsten zwei Tage brauchen würde. Meine Kamera konnte ich nicht mitnehmen, weil diese im Stadion verboten sein würde. Ich nahm nicht viel mit, sodass ich nur meinen kleinen Rucksack und meine Wasserflasche zu tragen hatte. Dann organisierte ich mir einen Spind, in dem ich all mein restliches Gepäck verstaute und schloss mein Fahrrad an. Nachdem ich gefrühstückt hatte, war ich startbereit. Gegen 9.30 Uhr traf Gunnlaugr ein und unser Roadtrip konnte beginnen. Auch wenn die Ringstraße auf Dauer etwas eintönig wirken kann, genoss ich den Trip trotzdem, denn es gab ja immer noch das Meer zu beobachten. Die Fahrt dauerte insgesamt etwa 5 Stunden, sodass wir Reykjavík gegen halb drei erreichten. Gunnlaugr lieferte mich direkt am Kringlan-Einkaufszentrum ab, in dessen zweiten Stock die Konzertkarten abgeholt werden sollten. Die riesigen blauen Banner navigierten mich bis zu einer unglaublich langen Menschenschlange, die sich durch die gesamte Einkaufspromenade zog. Also tat ich, was getan werden musste: Ich stellte mich an und wartete. Und das etwa eine Stunde. Ich war überrascht, wie schnell es dann doch voranging und bald schon hielt ich das begehrte Stückchen Papier in meinen Händen. Jetzt musste ich nur noch zum Stadion laufen, das zu Fuß etwa eine halbe Stunde von meinem Standort entfernt war. Je näher das Konzert rückte, desto aufgeregter wurde ich. Bald würde ich tatsächlich Künstler sehen, deren Lieder im Radio laufen und die mich ich in den letzten Wochen auf dem Fahrrad begleiteten. Bevor ich das Stadion betrat, platzierte ich noch meine Wasserflasche an einem verdeckten Ort in einem Park. Getränke waren im Stadion nämlich auch nicht erlaubt. Gegen 16.00 Uhr erreichte ich das Laugardalsvöllur-Stadion und ich war überrascht, dass noch nicht mehr Menschen in der Schlange standen. Wieder stellte ich mich also an und nun warteten wir alle geduldig, bis die Tore geöffnet worden. Der Einlass lief sehr geordnet ab, was vermutlich ein Resultat des gestrigen Konzertes war. Am 10.08. hatte nämlich das erste Konzert stattgefunden, welches aber innerhalb von Minuten ausverkauft war. Deshalb wurde eine Extrashow am Folgetag angefügt, die aber dem gleichen Ablauf folgen sollte, wie das erste Konzert. Gestern waren 30.000 Besucher in das Stadion gekommen, wodurch es organisatorisch zu so manchen Schwierigkeiten gekommen war. Die Schlangen waren extrem lang und es kam zu enormen Wartezeiten, die teilweise über den Start des Konzerts hinausreichten. Und auch heute waren weitere 20.000 Musikbegeisterte angemeldet, aber offensichtlich lief nun alles organisierter ab. Somit hatte sich übrigens an einem Wochenende ein Siebtel der gesamten Bevölkerung Islands in diesem Stadion befunden.
Da das Konzert erst 18.00 Uhr starten würde, hatte ich nun 2 Stunden Wartezeit. Nachdem ich mir nahe der Bühne einen guten Platz gesucht hatte, kamen immer mehr Menschen in das Stadion geströmt. Halb sechs war ich wirklich froh, so früh gekommen zu sein, da ich mir so einen Stehplatz mit perfekter Sicht auf die Bühne beschaffen konnte.
Dann ging es endlich los: Als Erstes trat eine isländische Künstlerin namens "Glowie" auf. Ich hatte ihren Namen natürlich noch nie gehört, aber die Musik klang tatsächlich nicht schlecht und offensichtlich sind ihre Lieder unter den Isländern sehr bekannt. Nach einer halben Stunde verließ sie die Bühne wieder und es wurde umgebaut. Zara Larsson betrat als Nächstes die Bühne, die mit ihrem Auftritt das Publikum das erste Mal so richtig in Bewegung brachte. Die meisten ihrer Stücke kannte ich und schon bald war es trotz frischer Temperaturen gar nicht mehr kalt. Gegen 19.45 Uhr kam James Bay auf die Bühne und sein Auftritt berührte mich wirklich. Viele seiner Lieder höre ich schon seit Jahren und ich bin immer wieder begeistert von seiner wahnsinnig schönen Stimme. Nach einigen bekannten Stücken, spielte er ein Solo ohne seine Band und plötzlich war das ganze Stadion still. Dies war einer der vielen Gänsehautmomente, die sich durch das ganze Konzert ziehen würden.
Und dann kam er: Ed Sheeran. Während die anderen Künstler ein perfektes Outfit vorzuweisen hatte, betrat er die Bühne völlig bescheiden mit Jeans und Pulli. Auf mich wirkte er irgendwie so komplett normal, als würde er gar nicht wissen, wie berühmt er eigentlich ist. Beeindruckend ist, dass er ohne Band spielt. Alles, was er an diesem Abend produzierte, war live. Er nutzte dafür seine Gitarren und einen sogenannten Loop, der Musikabschnitte aufzeichnen und wieder abspielen kann. Somit entwickelte er für jedes Lied zu Beginn die Instrumentalspur. Wie schnell und präzise er dies kann, faszinierte mich. Zudem spielte er fantastisch mit den verschiedenen Tonlagen seiner Stimme und bezog auch das Publikum aktiv mit in seine Stücke ein. Insgesamt war das Konzert von vorne bis hinten einfach nur gelungen und ich genoss jede Sekunde. Besonders die ruhigeren Lieder, bei denen das ganze Stadion ruhig wurde und die Handlichter leuchteten, waren für mich meine persönlichen Höhepunkte. Nach dem letzten Lied fand der Applaus kein Ende und die Isländer begannen dann mit den Beinen zu stampfen, um eine Zugabe zu erzwingen. Wir hatten Erfolg und Ed Sheeran präsentierte noch zwei weitere Lieder. 23.00 Uhr war aber endgültig Schluss und es war Zeit, das Stadion zu verlassen. Mittlerweile waren die Temperaturen auch ziemlich gesunken, sodass es fast schon ungemütlich wurde. Am Anfang hatte ich überlegt, mein Zelt mitzunehmen und auf dem Campingplatz in Reykjavík zu übernachten. Ich war froh das Angebot von Gunnlaugr angenommen zu haben, in seinem Gästehaus übernachten zu dürfen. Ich fuhr mit dem Bus nach Mosfellsbær und navigierte mich zur Straße, die mir genannt wurde. Dann betrat ich das Haus, wo Gunnlaugr mich erwartete und mir mein Zimmer zeigte. Ein warmes weiches Bett zu haben, erfüllte mich mit Dankbarkeit. Nun ging ein wundervoller und ereignisreicher Tag zu Ende. Es dauerte nicht lange und ich befand mich im Land der Träume.

Mobirise
Ed Sheeran
Meine Highlights des Konzerts

Unterkunft
Iceland Wellness, Gästehaus in Mosfellsbær (Reykjavík)

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