Was James Bond mit Island zu tun hat...

Nach einer ziemlich kurzen Nacht hatte ich zum Glück auch nur eine kurze Etappe vor mir. Gegen Mittag fand ich mich in einer Gegend wieder, die mich einfach nur verzauberte. Nach diesem Erlebnis brachte mich der Bus am späten Nachmittag zu meinem Tagesziel Skaftafell.

10. August 2019

Der Wind, der mir gestern beim Einschlafen geholfen hatte, war in der Nacht zu einem wahren Störenfried geworden. Ich wachte immer wieder auf, weil ich mein Zelt kurz vor dem Abheben wähnte. Somit befand ich mich zum Start meiner Etappe nicht unbedingt in der besten Form. Aber es lagen auch nur 40 Kilometer vor mir und so war ich zuversichtlich. 9.00 Uhr verließ ich den schönen Bergsee und genoss erst einmal, diesmal den Berg herunterrollen zu können. Dann war ich wieder auf der Ringstraße und es ging wie gestern weiter - mit leichtem Gegenwind. Mit Musik oder einem Hörbuch im Ohr ist das aber alles ganz gut machbar. Nach etwa einer Stunde Fahrt baute sich vor mir ein mit Schnee bedeckter Berg auf, der auch zum Vatnajökull gehört. Ich fuhr direkt auf diesen zu und dann machte die Ringstraße einem Bogen und führte mich am Fuß des Berges entlang. Bald war es nicht mehr weit bis zu meinem Ziel. Die letzten Kilometer waren ein wenig deprimierend, weil ich kerzengerade Straßen entlangfuhr. Dabei ist der Nachteil, dass man schon sieht, wo man sich in etwa einer halben Stunde befinden wird. Aber bald wurde ich belohnt: Gegen 12.30 Uhr hatte ich den Gletschersee des Vatnajökull erreicht. Der Bus, der mich bis zu meinem endgültigen Tagesziel bringen sollte, würde erst 17.10 Uhr ankommen und so hatte ich eine Menge Zeit, um diesen besonderen Ort zu erkunden. Wie ich die Schönheit dieser Gegend am besten beschreiben soll, weiß ich nicht, denn ich fand diesen Ort unbeschreiblich schön. Irgendwie hat er mich verzaubert.
Als ich ankam, leuchtete der Gletschersee Jökulsárlón (deutsch: "Gletscherflusslagune") in einem milchigen Blau. Auf seiner Oberfläche trieben Eisberge verschiedenster Art und Farbe. Sie können bis zu 15 Meter Höhe über dem Wasser erreichen. Die einen ähnelten Kristallen und glänzten aufgrund der Sonneneinstrahlung in alle Richtungen, andere wiederum hatten das milchige Blau des Sees angenommen und wieder andere ließen schwarze Streifen entdecken oder waren aufgrund der Vulkanasche vollkommen schwarz. Diese Mixtur der Farben erzeugte eine beinahe märchenhafte Landschaft. Im Hintergrund befand sich zudem der Vatnajökull mit einigen Ausläufern und dieser perfektionierte das Gesamtbild. Kein Wunder, dass dieser See zum berühmtesten in Island zählt und hier auch schon einige berühmte Filme gedreht wurde. Darunter Werke wie James Bond – Stirb an einem anderen Tag oder James Bond 007 – Im Angesicht des Todes. Für die perfekte Szene wurde sogar extra der Abfluss zum Meer verschlossen, damit sich eine geschlossene Eisschicht auf der Oberfläche des Sees bildete.
Geformt wird dieser See durch Schmelzwasser des Breiðamerkurjökull, einem Gletscherausläufer des Vatnajökull. Der Jökulsárlón ist in den letzten Jahrzehnten sehr schnell immer größer geworden. In den Siebziger Jahren hatte er noch eine Größe von rund 8 km², heute ist er mehr als doppelt so groß und bedeckt eine Fläche von ca. 18 km². An seiner breitesten Stelle ist er fünf Kilometer breit und der See hat eine Tiefe von 248 Metern. Damit ist er das tiefste Gewässer in Island. Auch die Tierwelt im und um den See ist bewundernswert. Immer wieder tauchten Robben zwischen den Eisbrocken auf und man bekam verschiedenste Vogelarten zu Gesicht. Beispielsweise die arktische Seeschwalbe, die in 1.5 Monaten 19.000 Kilometer geflogen ist, um hier zu nisten. Schilder weisen darauf hin, den Vögeln ihren Freiraum zu geben. Auch die Nonnengans, die große Raubmöwe oder die Eiderente sind hier zu Hause. Hat man Glück und gute Augen, kann man neben Vögeln auch Rentiere und Füchse entdecken. Leider habe ich trotz der vielen Warnschildern auf der Straße bisher auf meiner ganzen Reise kein Rentier zu Gesicht bekommen.
Über einen kurzen Fluss namens Jökulsá á Breiðamerkursandi ist die Geltscherlaggune mit dem Meer verbunden. Die abgebrochenen Gletscherstücken werden dann von der Strömung Richtung Nordatlantik getrieben. Dort werden sie vom schwarzen Sandstrand aufgefangen, bis sie endgültig ihren Weg ins Meer fortsetzten. Da die kleinen Eisbrocken aussehen wie kleine Diamanten, hat dieses Küstenstück den Namen "Diamantstrand" bekommen. Um diesen zu erreichen, überquerte ich die 108 Meter lange Brücke über den Fluss und lief fünf Minuten Richtung Meer. Der Kontrast zwischen dem tiefschwarzen Sand und dem glänzenden kristallartigen Eis ist einfach einzigartig. Ich saß über eine halbe Stunde einfach am Strand und bestaunte diese Schönheit.
Dann wanderte ich langsam wieder zurück zum See und sah wieder die große Anzahl von Besuchern, die sich hier befanden. Die meisten von ihnen nahmen den Service der Touren auf dem See in Anspruch, die einen noch genaueren Blick auf die Eisberge bieten. Pünktlich 17.10 Uhr erreichte mein Bus die Haltestelle und ich lud mein Gepäck ein. Der Busfahrer kümmerte sich netterweise um mein Fahrrad und dann verließ ich diesen wundervollen Ort. Eine gute Stunde später erreichte ich den Campingplatz Skaftafell. So viele Zelte und Camper hatte ich bisher auf keinem Zeltplatz in Island gesehen. Dementsprechend lange musste ich auch auf meine Dusche warten. Vorher las ich noch auf einem Schild, dass es während der Dusche zu Temperaturschwankungen kommen könnte. Wie ich erfahren musste, heißt das, dass das Wasser von einer Sekunde auf die andere eiskalt oder kochend heiß werden kann. Es war eine Erfahrung. Dann legte ich mich in mein Zelt und schlief sofort ein. Ich hatte auch einiges an Schlaf nachzuholen...

Gletscherlagune Jökulsárlón 

Nachtlager
Skaftafell Camping, Campingplatz

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