Heute Morgen wachte ich trotz geplanten Ausschlafens schon früh auf. Ich fand nicht wieder zurück in den Schlaf und blieb also wach. Bald hörte ich, wie Merri draußen schon fleißig am Arbeiten war. Ich stand deshalb auf, um ihr zu helfen. Wir erledigten zusammen die Wäsche und bereiteten die Zelte vor, die im Rahmen des Angebotes "Rent a tent" (Miete ein Zelt) hier ausgeliehen werden können. Merri und ich verstanden uns wirklich gut und die Arbeit dauerte zusammen auch nur halb so lang. Gunnlaugr (Ich weiß jetzt, wie man seinen Namen schreibt... Die Aussprache ist noch immer schwierig.) fuhr dann mit mir zusammen zu seinem anderen Campingplatz ganz in der Nähe. Dieser lag ein wenig mehr abseits, aber dafür in der beinahe unberührten Natur Islands. Dort angekommen bat er die Gäste um die Bezahlung und da wir noch Zeit hatten, wanderte ich auf einen Hügel, um mir einen Überblick über die Region zu verschaffen. Diese Landschaft ist berechtigterweise ein Naturschutzgebiet. Das Flussbett des Jökulsá í Lóni bildete den Grund des Tales, welches sich vor mir erstreckte. Es wurde eingerahmt von hohen Bergen, die zum großen Teil aus Granit bestehen. Nachdem ich wieder am Auto angekommen war, fuhren wir noch weiter ins Nirgendwo. Gunnlaugr erklärte mir, das dies eine Wanderroute für die Zeit von etwa einem Tag sei. Am Ende dieser Strecke befänden sich dann Zelte mit Schlafsäcken und Matratzen. Nach einer Nacht dort könne man dann wieder zum ursprünglichen Campingplatz zurückkehren. Und tatsächlich schimmerte nach etwa einer Stunde Fahrt auf einer Schotterstraße etwas Blaues im Gebüsch neben uns. Hier, gefühlt am Ende der Welt, standen zwei Zelte im Wald. Der Grund, warum wir diesen vollkommen verlassenen Ort aufsuchten, waren die Matratzen in den Zelten. Diese benötigten wir für die kommenden Reservierungen diesen Abend, denn es waren nicht ausreichend Matratzen auf dem Campingplatz. Wir luden also alles ein und fuhren zurück. Merri erwartete uns schon und wir verbrachten die nächste Zeit damit, die Ordnung in den Zelten zu perfektionieren. Bald waren wir damit fertig und nun war etwas Zeit, zu entspannen. Nachmittags rief mich Gunnlaugr zur Rezeption und nun war es an der Zeit, die Pferde auf die Weide beim Campingplatz zu bringen. Wir wollten also das Vorhaben zu Ende bringen, an welchem wir gestern gescheitert waren. Diesmal lief das Ganze aber organisierter ab. Für jedes Pferd wurde Zaumzeug in den Kofferraum geladen und dann kam die Überraschung: Es befanden sich drei Sättel im Auto! Somit war ich also auch im Plan involviert - und zwar reitend! Voller Vorfreude konnte ich es kaum erwarten, bis wir den Stall erreichten. Auf dem Weg zu den Pferden gab mir Gunnlaugr noch ein paar Tipps, doch das meiste hatte ich noch in Erinnerung. Bald waren wir bereit. Jeder von uns dreien saß auf einem Pferd und die restlichen drei Pferde wurden von Gunnlaugr und Merri mitgeführt. Und dann ging es los. Die Strecke bis zum Campingplatz betrug etwa 6 Kilometer. Nach einem kurzen Schauer lag eine angenehme frische in der Luft und wir ritten immer neben der Straße auf der Wiese entlang. Ich blieb durchgehend hinter Merri und mein Pferd war das ruhigste von allen. Es folgte also seinem Vorgänger und ich hatte nicht wirklich viel zu tun, außer es ab und zu anzutreiben oder am Überholen seines Vorgängers zu hindern. Bald fühlte ich mich auf dem Rücken meines Islandpferdes richtig wohl und Merri erhöhte das Tempo ein wenig. Und dann gingen die Pferde in den Tölt über: die besondere Gangart der Islandpferde. Und tatsächlich ist es wahr, dass diese Gangart sehr angenehm und erschütterungsarm für den Reiter ist. Ich genoss die Zeit so sehr, dass ich gar nicht merkte, wie sie verging. Auf dem Campingplatz angekommen, übernahm Gunnlaugr mein Pferd und ich fuhr den beiden Reitern mit dem Auto hinterher. Als wir auf der Weide ankamen, war es bereits um sieben und wir hatten die Ankunft der ersten Gäste verpasst. Dies war aber nicht weiter schlimm, schließlich waren die aufgestellten Zelte nicht schwer zu entdecken. Gunnlaugr reparierte noch den Zaun und dann fuhren wir gemeinsam zurück auf den Zeltplatz. Bis spät abends warteten wir auf die Ankunft der letzten Gäste und dann war es Zeit, ins Bett zu gehen. Nach diesem ereignisreichen Tag freute ich mich auf meinen warmen, kuschligen Schlafsack. Morgen wird es dann wieder auf zwei Rädern weitergehen...