Kakamega-Regenwald

Von wunderschönen Schmetterlingen, riesigen Bäumen, Tarzan's Lianen, springenden Meerkatzen und einem Guide für den Wild Island absolut kein Problem wäre.

07. und 08. Oktober 2023

Samstag. Der große Waschtag.
Dieses Wochenende startete wieder einmal äußerst entspannt, wie auch das Wochenende zuvor. Immer noch benötigte ich mehr Schlaf als normalerweise. Da wir über die Woche recht wenig Zeit hatten, war es dieses Wochenende an der Zeit, unsere Wäsche zu waschen. Da David, Lilian und Ophilo auch letzte Woche keine Zeit für Wäsche gefunden hatten, hatte sich ganz schön was angehäuft. Wie man schon an den Bildern erkennen kann, gibt es hier keine Waschmaschine. Sie werden verkauft, aber kaum einer kann sich einen solchen Luxus leisten. Deshalb hieß es: Handwäsche!
Die unterschiedlichen Waschgänge werden durch die verschiedenen Schüsseln repräsentiert. Zuerst wird die Wäsche in Wasser mit Waschmittel gelegt, um das Waschmittel einwirken zu lassen. Anschließend wird die Wäsche in schnellen Bewegungen aneinander gerieben. Danach wird die Wäsche in einer Schüssel mit klarem Wasser vom Waschmittel befreit, um diesen Vorgang anschließend in 4 weiteren Schüsseln zweimal zu wiederholen. Aufgrund der enormen Menge an Wäsche engagierte David eine Frau, die uns half, den Berg an Wäsche zu schmälern. Sie brachte auch ihren kleinen Sohn Kingsley mit (siehe viertes Bild). Ein bisschen schief wurde ich angeschaut, als ich auch mithelfen wollte, die Wäsche zu waschen (was ich als selbstverständlich empfand). Aber David und Ophilo sorgten sich, dass ich "mir meine Hände ruinieren würde". Es brauchte kurz, bis ich die beiden davon überzeugen konnte, dass ich durchaus meine eigene Wäsche waschen kann. Meine ersten Versuche sahen jedoch nicht sehr glorreich aus, schließlich saß ich neben einer Frau, die ihre Wäsche schon ihr Leben lang auf diese Weise wäscht und ich war pure Anfängerin. Aber jeder fängt mal klein an, oder? Auch wenn ich aufgrund meines langsamen Tempos ein paar (lieb gemeinte) Lacher kassieren musste, wurde ich doch mit der Zeit besser. Es braucht aber wohl noch ein paar Waschgänge, bis ich diese Kunst vollends verinnerlicht habe. Das Niveau der Frau neben mir werde ich aber wohl nie erreichen. Was mir neben den leichten Rückenschmerzen (aufgrund der gebückten Haltung) mehr zu schaffen machte, war jedoch die intensive Sonne. Ich holte also Sonnencreme und im Moment, als ich meine Haut einzucremen begann, kam David aus dem Haus und sah mich irritiert an. "Don't put this on or you'll never look like us!" ("Crem' dich nicht damit ein, sonst wirst du nie so aussehen wie wir."). David wollte mich anschließend davon überzeugen, dass wenn ich lang genug draußen verbringen würde, ohne Sonnencreme aufzutragen, ich schließlich die gleiche schwarze Hauptfarbe wie sie bekommen würde. Wir lachten herzlich. Davids Humor hatte mir schon während der letzten Woche immer wieder ein Lachen ins Gesicht gezaubert. Anschließend wurde die gesamte Wäsche aufgehängt. Gewaschen wird immer morgens, damit die Wäsche bis zum Nachmittag trocknen kann. Die kenianische Sonne bewies ihre Stärke, sodass wir die Wäsche schon am frühen Nachmittag abnehmen konnten. Immer anwesend sind übrigens folgende Zuschauer: ca. 10 Hühner, zwei Kühe und ein kleines Kalb, die frei auf den ans Haus angrenzenden Wiesen picken/weiden.  David war noch vormittags in die Schule gegangen, um Geografie zu unterrichten. Ich blieb zu Hause mit Lilian und Ophilo und wir entspannten ein wenig. Später bekamen wir Besuch: Es waren Kinder der Lehrer und Lehrerinnen, die in der Nachbarschaft wohnen. Sie kamen vorbei und die anfängliche Schüchternheit war schnell überwunden. Dann sprudelten die Fragen nur so aus ihnen heraus. Wir unterhielten uns eine Weile. Ich erfuhr, dass sie schon Ferien haben. Die Grundschule (Klasse 1 bis 8) hat eher Ferien als die weiterführende Schulen. Wir machten ein paar Bilder. Elsa erzählte mir von ihrer Begeisterung für die englisch Sprache. Als es gegen sieben dunkel wurde, gingen die vier nach Hause. 
Es war Zeit fürs Abendessen und anschließend gingen wir recht früh ins Bett, denn wir hatten große Pläne für den nächsten Tag...


Sonntag. Ausflug in den Regenwald.
Der Tag begann ziemlich früh, denn wir hatten auch einiges vor. Deshalb standen wir schon gegen 8.00 Uhr morgens auf und überlegten, wie wir den Tag gestalten würden. Um uns das Leben etwas leichter zu machen, entschieden wir, für den Tag ein Motorrad zu leihen. Das kostete uns nur 1500 KES (ca. 10€). Ab diesem Zeitpunkt legten Ophilo, David und ich gewünschte Strecken nur noch zu dritt auf dem Rücken des zweirädrigen Gefährts zurück. Zuerst fuhren wir nach Kakamega. Es gab einige Besorgungen zu machen. Ich hatte entschieden, für den Anfang nur abgefülltes Wasser aus Kanistern zu trinken, um "auf der sicheren Seite" zu sein. An das Grundwasser würde ich mich langsam mit der Zeit gewöhnen. Außerdem besorgte ich mir noch Schokoladenaufstrich, Marmelade und "Blue Band" (was die bekannteste,, beliebteste und größte Margarinemarke in Kenia ist). Jeder hier liebt "Blue Band"! Sachen wie Schokoladenaufstrich oder Marmelade sind in wenigen Haushalten zu finden. Der Grund: Die Waren werden zu europäischen Preisen verkauft, aber die wenigsten verdienen hier so viel wie die Menschen in Europa. Lebensmittel von den lokalen Shops und Märkten zu kaufen, ist deutlich üblicher. Der Gang zum großen Supermarkt ist eher die Ausnahme. Außerdem verursachen Dinge aus den Supermärkten deutlich mehr Plastikmüll als Dinge aus den lokalen Shops. Es gibt kein offizielles Müllentsorgungssystem und der Müll wird in der Regel direkt in den Gärten verbrannt, darunter auch Plastikmüll. 
Nach unserem kurzen Ausflug nach Kakamega hatten wir noch einen weiteren Plan:In  Khayega (gesprochen: Chajega) ist sonntags immer Markttag. Dieser kleine Ort liegt etwa 10 Minuten südlich von Mukumu. Dort kauften wir ein paar Früchte und andere Lebensmittel. Anschließend transportierten wir dann alles zum Haus.


Und dann ging es dann für David, Ophilo und mich Richtung Südosten zum Kakamega Regenwald. Ophilo ist ein Lilian und Linda blieben zu Hause. Lilian wollte lieber keine wilden Tiere treffen und Linda ist noch ein bisschen zu jung für solche Abenteuer. Also fuhren wir zuerst die Straße Richtung Kisumu und bogen dann nach kurzer Zeit auf einen recht staubigen Weg Richtung Osten ab. Diesem sollten wir folgen, bis der Weg nach ca. 45 Minuten schließlich von riesigen Bäumen eingekesselt war. Wir waren tatsächlich im Regenwald!
Ein paar Minuten erreichten wir eine Polizeikontrolle, wo die Polizisten sicherstellten, dass wir keine illegalen Waren (Drogen, ...) in den nächsten Landkreis schmuggeln wollen. Schließlich führte die Straße direkt vom Kakamega County in Nandi County, wie auf folgender Karte erkennbar. Rot markiert ist die Strecke, die wir mit dem Motorrad zurücklegten (ca. 16 km). 

Mobirise

Unser erstes Ziel war der sogenannte "Rondo Retreat Center". Der touristisch angelegte Ort ist eine Unterkunft mitten im Regenwald. Touristisch heißt hier insbesondere, dass man hier auch touristisch hohe Preise vorfindet. Da uns die recht arrogante Art der Person an der Rezeption nicht wirklich zusagte und wir uns diese Art des Luxus auch nicht leisten wollten, entschieden wir zur Kakamega Forest Station zu fahren. Das war die richtige Entscheidung, denn dort trafen wir unseren Guide, der in diesem Wald geboren und aufgewachsen war. Er führte uns für knapp 1.5 Stunden durch den Wald. Leider kamen wir zu einer Zeit, in der Vögel gerade ihren Mittagsschlaf hielten. Deshalb war die Hauptattraktion für uns die Diademmeerkatzen, die sich in höchsten Höhen ihren Weg von Ast zu Ast bahnten. Der Guide ließ uns an seinem enormen Wissen über alle Lebewesen im Wald teilhaben. Die Aussage, dass er von jedem beliebigen Ort im Wald wieder nach Hause finden würde, beeindruckte mich. Schließlich umfasst der Wald eine Fläche von 23.000 ha. Leider mussten wir aber erfahren, dass der Wald um 1900 noch 240.000 ha groß war und heute wegen Abholzung und Co. auf diese 10 Prozent geschrumpft ist. 
Nach etwa einer halbstündigen Wanderung durch den dichten Wald erreichten wir auf einmal eine große Lichtung. Diese würde man wohl eher als Weide bezeichnen, weil uns dort eine Herde Kühe begrüßte. Die Mittagssonne, die vorher von den hohen Bäumen abgeschirmt wurde, zeigte nun ihre volle Wirkung. Am Abend sollte ich feststellten, dass mir diese Lichtung meinen ersten kenianischen Sonnenbrand verschaffte. Neben den Kühen konnte man hier außerdem eine Menge Ameisenhaufen finden, die sich überall auf der Weide verteilten. Kurze Zeit später fanden wir uns im Wald wieder und unser Guide zeigte uns Lianen. Ophilo teste sofort, aber bis er sich so anmutig wie Tarzan durch die Lüfte schwingt, braucht es wohl noch die ein oder andere Übungsstunde. Im Gegensatz zu meinen Eindrücken aus dem Film war ich jedoch überrascht, wie unflexibel und holzig Lianen eigentlich sind. Neben solch spaßigen Erfahrungen, erfuhren wir auch von so einigen Heilmitteln, die hier im Wald natürlich wuchsen. Zuerst zeigte unser Guide uns eine Pflanze, die als Heilmittel für Prostatakrebs eingesetzt wird. Anschließend durften wir von einer anderen Pflanze kosten, die minzig schmeckte und bei Erkältungen eingesetzt wird. Fast 400 Vogelarten sind im Kakamega Regenwald zu Hause. Man kann sieben Affenarten beobachten, 170 verschiedene Blumen bewundern und 150 unterschiedliche Baumarten entdecken. Natürlich gibt es auch ein paar Schlangen und andere Amphibien, aber mit denen machten wir (zum Glück?) keine Bekanntschaft. Als ich unseren Guide fragte, ob es hier im Wald gefährlich werden kann, verneinte dieser. Die größte Gefahr, sind die Flüsse im Wald, die sich nach einem starken Regen zu reißenden Strömen entwickeln. Badeunfälle sind dann keine Seltenheit. Nach unserer Wanderung war es schon gegen 15.00 Uhr und wir bekamen so langsam Hunger. Wir entschieden nach Kakamega zu fahren und dort gemeinsam zu essen. Auf dem Weg nach Kakamega kamen wir an riesigen Teeplantagen vorbei. Im Cafè Columbus Club gab es dann Fisch für David (Er isst übrigens kein Fleisch, sondern nur Fisch. Da er von einer Insel stammt und mit Fisch groß geworden ist, hat er sich nie an den Geschmack von Fleisch gewöhnt.). Für Ophilo gab es Hühnchen und für mich eine köstliche vegetarische Pizza. Als wir vollkommen gesättigt den Heimweg antreten wollten, fragte mich der Kellner im Café noch, ob wir ein Foto zusammen machen könnten. Der Muzungu-Status zeigte mal wieder seine Wirkung. Obwohl es sich immer noch ein wenig komisch anfühlte, aufgrund meiner Hautfarbe, für die ich absolut nichts getan habe, wie ein Promi behandelt zu werden, hatte das Ganze zumindest etwas Gutes: Die Menschen waren anschließend glücklich.



David setzen wir an der Schule ab, er wollte noch Geografie unterrichten. Man beachte, es war Sonntagnachmittag gegen fünf. Was für ein Tag! Von den vielen Eindrücke würde ich noch lange zehren können. Doch als wir nach Hause kamen, war noch keine Zeit zu faulenzen. Meine neuen FreundInnen hatten geduldig auf mich gewartet. Da sowieso schon Musik lief, entschieden wir, die Tische zur Seite zu rücken und eine kleine Tanz-Session zu starten. Selbst die Jungen, die vorher noch schüchtern auf der Couch gesessen hatten, bewegten sich nun freudig zu den afrikanischen Beats (kurz: Afrobeats). Nach diesem bewegungsreichen Abend dauerte es nicht lange, bis ich im Land der Träume die vielen Eindrücke des Tages verarbeitete.


Es kam sogar ein 5-minütiges Lehrvideo zu Stande, von welchem nun ein kleiner Ausschnitt folgt. Ihr präsentierte: Lehrer David Wachara.

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