Unser erstes Ziel war der sogenannte "Rondo Retreat Center". Der touristisch angelegte Ort ist eine Unterkunft mitten im Regenwald. Touristisch heißt hier insbesondere, dass man hier auch touristisch hohe Preise vorfindet. Da uns die recht arrogante Art der Person an der Rezeption nicht wirklich zusagte und wir uns diese Art des Luxus auch nicht leisten wollten, entschieden wir zur Kakamega Forest Station zu fahren. Das war die richtige Entscheidung, denn dort trafen wir unseren Guide, der in diesem Wald geboren und aufgewachsen war. Er führte uns für knapp 1.5 Stunden durch den Wald. Leider kamen wir zu einer Zeit, in der Vögel gerade ihren Mittagsschlaf hielten. Deshalb war die Hauptattraktion für uns die Diademmeerkatzen, die sich in höchsten Höhen ihren Weg von Ast zu Ast bahnten. Der Guide ließ uns an seinem enormen Wissen über alle Lebewesen im Wald teilhaben. Die Aussage, dass er von jedem beliebigen Ort im Wald wieder nach Hause finden würde, beeindruckte mich. Schließlich umfasst der Wald eine Fläche von 23.000 ha. Leider mussten wir aber erfahren, dass der Wald um 1900 noch 240.000 ha groß war und heute wegen Abholzung und Co. auf diese 10 Prozent geschrumpft ist.
Nach etwa einer halbstündigen Wanderung durch den dichten Wald erreichten wir auf einmal eine große Lichtung. Diese würde man wohl eher als Weide bezeichnen, weil uns dort eine Herde Kühe begrüßte. Die Mittagssonne, die vorher von den hohen Bäumen abgeschirmt wurde, zeigte nun ihre volle Wirkung. Am Abend sollte ich feststellten, dass mir diese Lichtung meinen ersten kenianischen Sonnenbrand verschaffte. Neben den Kühen konnte man hier außerdem eine Menge Ameisenhaufen finden, die sich überall auf der Weide verteilten. Kurze Zeit später fanden wir uns im Wald wieder und unser Guide zeigte uns Lianen. Ophilo teste sofort, aber bis er sich so anmutig wie Tarzan durch die Lüfte schwingt, braucht es wohl noch die ein oder andere Übungsstunde. Im Gegensatz zu meinen Eindrücken aus dem Film war ich jedoch überrascht, wie unflexibel und holzig Lianen eigentlich sind. Neben solch spaßigen Erfahrungen, erfuhren wir auch von so einigen Heilmitteln, die hier im Wald natürlich wuchsen. Zuerst zeigte unser Guide uns eine Pflanze, die als Heilmittel für Prostatakrebs eingesetzt wird. Anschließend durften wir von einer anderen Pflanze kosten, die minzig schmeckte und bei Erkältungen eingesetzt wird. Fast 400 Vogelarten sind im Kakamega Regenwald zu Hause. Man kann sieben Affenarten beobachten, 170 verschiedene Blumen bewundern und 150 unterschiedliche Baumarten entdecken. Natürlich gibt es auch ein paar Schlangen und andere Amphibien, aber mit denen machten wir (zum Glück?) keine Bekanntschaft. Als ich unseren Guide fragte, ob es hier im Wald gefährlich werden kann, verneinte dieser. Die größte Gefahr, sind die Flüsse im Wald, die sich nach einem starken Regen zu reißenden Strömen entwickeln. Badeunfälle sind dann keine Seltenheit. Nach unserer Wanderung war es schon gegen 15.00 Uhr und wir bekamen so langsam Hunger. Wir entschieden nach Kakamega zu fahren und dort gemeinsam zu essen. Auf dem Weg nach Kakamega kamen wir an riesigen Teeplantagen vorbei. Im Cafè Columbus Club gab es dann Fisch für David (Er isst übrigens kein Fleisch, sondern nur Fisch. Da er von einer Insel stammt und mit Fisch groß geworden ist, hat er sich nie an den Geschmack von Fleisch gewöhnt.). Für Ophilo gab es Hühnchen und für mich eine köstliche vegetarische Pizza. Als wir vollkommen gesättigt den Heimweg antreten wollten, fragte mich der Kellner im Café noch, ob wir ein Foto zusammen machen könnten. Der Muzungu-Status zeigte mal wieder seine Wirkung. Obwohl es sich immer noch ein wenig komisch anfühlte, aufgrund meiner Hautfarbe, für die ich absolut nichts getan habe, wie ein Promi behandelt zu werden, hatte das Ganze zumindest etwas Gutes: Die Menschen waren anschließend glücklich.
Drag & Drop Website Builder