Eigentlich war ich sehr sehr vorsichtig damit geworden, meine Route spontan zu ändern. Aber letzten Abend im Zelt hatte ich dann doch eine Abweichung von der vorher geplanten Strecke festgelegt. Wer einen Blick auf die Karte (unter dem Text) wirft, kann meine folgenden Ausführungen besser verstehen. Von Blönduós aus, sind es auf der Ringstraße 50 Kilometer bis zur Farm in Varmahlíð. Diese 50 Kilometer wollte ich mir auf zwei Tage aufteilen. Abschreckend für mich waren die 415 Höhenmeter, die ich am zweiten Tag hätte zurücklegen müssen. Zum Glück gibt es da aber auch noch einen indirekten Weg nach Varmahlíð, der über Sauðárkrókur führt - den Þverárfjallsvegur (Weg am Þverár-Berg). Hier musste ich zwar auch 329 Höhenmeter bewältigen, aber dafür würde ich am letzten Tag der Tour nur noch recht flachen Weg vor mir haben.
Der Plan ging ziemlich gut auf. Nach einiger Zeit war ich schon ziemlich weit oben und bemerkte, dass es wirklich kalt geworden war. Das Schild im Tal hatte eine Temperatur von 4 °C auf dem Berg vorausgesagt und das bekam ich zu spüren. Ich konnte keine langen Pausen machen. Bewegung erzeugt Wärme. Das ging auch ganz gut, bis ich oben war. Als ich dann die Abfahrt genießen wollte, zog ich fast alles an, was ich so dabei hatte. Ich sah zwar aus wie ein Eskimo, aber ich fror nicht mehr. Nachdem ich den Þverárfjall also hinter mir gelassen hatte, waren die Wege relativ flach und vor allem (...was ein weiterer Vorteil dieses Umweges war) nicht so befahren, wie die Ringstraße. Ich genoss also die Gesellschaft der vielen Islandschafe am Wegesrand und kam mit dem "Mamma Mia"-Soundtrack auf den Ohren auch ziemlich schnell in Sauðárkrókur an. Dort stellte ich mein Zelt auf und kroch eine Weile in den Schlafsack, um mich aufzuwärmen. Ich hatte nicht gemerkt, wie kalt mir wirklich war. Nach ca. 2 Stunden fühlten sich alle Extremitäten wieder warm und lebensfähig an. Ich war bereit, mir Sauðárkrókur ein bisschen näher anzusehen. Also rauf aufs Fahrrad und los... oder auch nicht. Mein Hinterreifen war platt. Das Auswechseln ging ziemlich schnell - Ich hatte in Deutschland ja auch vom Besten gelernt... Nachdem ich meinen besten Kumpel geheilt hatte, fuhr ich zum örtlichen schwarzen Strand. Schon unglaublich, dass der Sand aus geraspeltem Lavagestein besteht...
Wie immer faszinierte mich das Meer und ich blieb solange, bis es mir letztendlich zu kalt wurde. Zurück auf dem Campingplatz half ich einem Isländer sein Zelt aufzubauen und kam mit ihm ins Gespräch. Er ist mit seinem Sohn unterwegs und dieser wollte hier Freunde besuchen. Danach wollen sie zusammen die gesamte Insel umrunden. Bisher war das der Plan eines jeden, den ich auf den Campingplätzen getroffen hatte.
In den letzten Tagen hatte ich Kontakt mit Anna (meiner Kontaktperson für den Aufenthalt auf der Farm). Sie schickte mir die genaue Adresse und berichtete, dass nur ihre Eltern da sein würden, wenn ich käme. Sie würde ich erst am Dienstag oder Mittwoch treffen.
Ich freue mich riesig auf morgen. Nicht nur, weil ich endlich wieder eine Unterkunft für eine längere Zeit haben werde, sondern auch weil ich mich schon seit Wochen auf die Arbeit auf der Farm freue! Ich bin sehr gespannt auf Annas Familie und kann es eigentlich kaum mehr erwarten, loszufahren und anzukommen...