Als ich Breiðdalsvík heute Morgen verließ, schien die Sonne und der Nebel von gestern war vollkommen verschwunden. Ich spürte förmlich, dass ein schöner Tag auf mich zukommen würde. Die ersten 15 Kilometer führten mich auf die andere Seite des Fjords und ich schaute noch einmal zurück auf das kleine Örtchen, in dem ich genächtigt hatte. Dann fuhr ich an der Küste entlang und bald schon konnte ich bereits mein Ziel Djúpivogur sehen. Es lag genau an der Spitze der nächsten Landzunge. Zwischen mir und meinem Nachtlager lag aber noch der relativ weit ins Land reichende Berufjörður. Ein bisschen ärgerte es mich schon, nicht einfach mit dem Boot die verhältnismäßig kurze Strecke über das Wasser zurücklegen zu können. Auf mich warteten die 50 Kilometer am gesamten Fjord entlang. Während ich anfangs keinerlei Windprobleme hatte, kam mit der Zeit ein immer stärker werdender Gegenwind auf. Zuerst dachte ich mir nichts dabei, schließlich ist es ja normal, dass es entlang eines Fjordes Böen geben kann. Doch die Windgeschwindigkeit nahm stetig zu, je weiter ich ins Landesinnere fuhr. Irgendwann war der Wind so stark, dass ich absteigen und schieben musste. Teilweise bekam ich nämlich auch starke Schübe von der Seite und ich wollte es nicht riskieren, noch mit meinem treuen Begleiter umzukippen. Also ging es mit 5 km/h weiter. Bis zum Ende des Fjordes waren es noch etwa sieben Kilometer. Ich kämpfte mich voran, Schritt für Schritt, bis ich nach mehreren Pausen endlich an die Fjordspitze gelangte. Und dann war es so weit: Jetzt hatte ich den Wind im Rücken! Genauso wie ich noch nie solch starken Gegenwind erlebt hatte, war ich auch überrascht, was richtiger Rückenwind bedeuten kann. Ich flog die Berge förmlich hoch. Der Wind schubste mich quasi in Richtung meines Zieles. Ich holte meinen Rückstand wieder auf. Bald ließ der Wind wieder ein wenig nach, aber ich hatte nur noch 6 Kilometer vor mir. Ich legte eine Pause an einer kleinen Bucht ein. Hier klärte mich eine Infotafel darüber auf, dass ich mich in Teigarhorn befand. Dies ist eine große Fundstelle von Zeolithen (Minerale). Gleichzeitig hält Teigarhorn auch den Hitzerekord Islands: Am 22. Juni 1939 wurden hier unglaubliche 30.5 °C gemessen! Neben diesen Besonderheiten war Teigarhorn für mich aber vor allem ein wunderschöner Aussichtspunkt, der einen Blick über den ganzen Fjord bot. Das Wasser erstrahlte wieder in seinem bekannten dunklen Blau - das Grau des gestrigen Tages war vergessen. Nachdem ich die finalen drei Kilometer hinter mich gebracht hatte, war ich an meinem Ziel angekommen: Djúpivogur. Der kleinen Willkommensgruß am Ortseingang zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen. Endlich angekommen! Ich fuhr direkt zum Campingplatz, von dem aus man über die ganze Stadt blicken konnte. Nachdem das Zelt stand, machte ich eine Spazierfahrt durch die Stadt und diese führte mich zuerst zum Hafen. Und da sah ich dann diese seltsamen ovalen Steine - 34 Vogeleier auf Sockeln direkt an der Hafenkante. Ich erfuhr, dass es sich um eine Ausstellung des Künstlers Sigurður Guðmundsson handelte, die schon seit 2009 diesen Hafen schmückt. Die Eier gehören zu 34 Vogelarten, die in dieser Gegend brüten. Das Ei des offiziellen Vogels von Djúpivogur ist übrigens extra etwas größer als die anderen.
Nachdem der Einkauf erledigt war, kehrte ich zum Zelt zurück und hatte noch geplant, den Felsen neben dem Campingplatz zu erklimmen, um eine noch schönere Aussicht zu erhaschen. In diesem Moment fuhr der große Dampfer aus dem Fjord, der schon meine ganze Tour lang vor Djúpivogur gewartet hatte. Ich blieb noch eine Weile sitzen und genoss mal wieder den Blick aufs Meer. Und dann war es auch schon wieder Zeit, sich auf die Isomatten zu legen ...
Mit der gestrigen und heutigen Tour hatte ich übrigens einen Tag gut gemacht und kann nun die Strecke, die ich eigentlich mit dem Bus fahren wollte, in zwei Tagen mit dem Rad zurücklegen.
Bis morgen!