Wind ohne Ende

Heute stellte sich mir der isländische Wind vor und zwar äußerst temperamentvoll. Ständiger Gegenwind ist nicht unbedingt eine angenehme Sache und deshalb beschloss ich, die Spontanität der Isländer zu übernehmen und meine heutige Etappe zu verkürzen.

05. Juli 2019

Ich hatte gestern unterschätzt, wie müde ein über 30 °C heißer Pool machen kann. Dementsprechend war ich relativ früh eingeschlafen. Doch der Wind am Fjord ist unglaublich stark und das Rasseln der Zeltplane riss mich wieder und wieder aus meinen Träumen. Nicht unbedingt ausgeschlafen, aber trotzdem glücklich stieg ich aus dem Zelt und wurde von einer frischen Brise des isländischen Windes begrüßt. Ich flüchtete ins warme Haus, frühstückte und verabschiedete mich von meinen niederländischen Bekannten. Und dann ging es los. Schon von Beginn an merkte ich, dass diese Etappe wirklich hart werden würde. Der Wind war gefühlt noch stärker als gestern und ich sollte ihn nicht nur am Ende meiner Etappe zu spüren bekommen, sondern die gesamte Zeit. Am Anfang des Tages hatte ich das Dorf Laugarbakki als mein Minimalziel festgelegt. Leider war dies der einzige Campingplatz, den ich heute erreichen konnte. Er lag jedoch nur 15 Kilometer vom vorherigen Campingplatz entfernt. Der übernächste Campingplatz würde sich erst in 50 Kilometern auftun. Ich wusste, dass ich eine solche Strecke bei diesem Wind nicht schaffen könnte. Ich versuchte also einen Mittelweg zu finden und telefonierte die Gasthäuser ab. Vielleicht würde mich jemand auf seinem Grundstück zelten lassen. Ganz nach dem Motto "Alle guten Dinge sind drei" hatte ich nach zwei Misserfolgen dann beim dritten Versuch Erfolg. Die Besitzer des Gasthauses kamen aus Deutschland (Köln) und erlaubten mir, in ihrem Garten zu zelten. Die Unterkunft lag zwar nur sieben Kilometer hinter Laugarbakki, aber es waren 7 steile Kilometer. Dementsprechend war ich froh, diesen Anstieg heute erledigen zu können und ihn nicht auf morgen vertagen zu müssen.
Die Tochter der Besitzerin heißt Johanna und gestattete mir sogar den Zutritt zum warmen Gästehaus. Da war so etwas wie ein Gefühl von Heimat, als ich mit Johanna eine Weile auf Deutsch sprach. Seit einer Woche hatte ich mich nur noch auf Englisch verständigt. Im Haus gab es ein modernes Badezimmer, WLAN und Strom. Ich baute also zuerst mein Nachtlager im Garten auf und verbrachte dann den Nachmittag im Gästehaus. Normalerweise hätte ich noch einen Spaziergang gemacht, aber irgendwie war ich zu geschlaucht von 24 Kilometern Gegenwind und der letzten Nacht. Ich entschied mich dafür, auf dem Sofa zu entspannen. Johanna hatte mich darüber informiert, dass später noch Gäste aus der Schweiz oder Österreich kommen würden. Bis dahin könne ich das Gästehaus gerne nutzen. Und natürlich könne ich auch noch den Abend darin verbringen, wenn ich das wollte. Tatsächlich trafen sie aber erst ein, nachdem ich mich in mein Zelt verkrochen hatte und so hatte ich das Gästehaus den ganzen Abend für mich allein.
Gegen 21.00 Uhr verkroch ich mich in mein Zelt, um möglichst viel Schlaf abzubekommen. Am morgigen Tag war eine Etappe von 46 Kilometern geplant - mit Gegenwind. Bis dahin - Gute Nacht und ganz liebe Grüße nach Deutschland!


Nachtlager
Gasthaus Nedra-Vatnshorn, Camping im Garten

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