Gut gelaunt und voller Vorfreude, mich heute einmal motorisiert fortzubewegen, fuhr ich mit dem Fahrrad und all meinem Gepäck zum Autoverleih. Die organisatorischen Dinge waren ziemlich schnell erledigt und die Frau des Autoverleihs wünschte mir noch viel Glück dabei, Rentiere zu entdecken, denn davon gibt es in dieser Gegend eine Menge. Ich packte all mein Hab und Gut ins Auto, ließ mein Fahrrad angeschlossen zurück und bog gegen 9.30 Uhr auf die Straße Richtung Seyðisfjörður ein. Auf dem Weg dorthin machte ich einen Zwischenstopp, um den Wasserfall Fardagafoss zu besichtigen. Dafür war eine kleine Wanderung von 30 Minuten auf einen Berg notwendig, aber es waren noch andere Frühaufsteher unterwegs und so war ich auf diesem Spaziergang nicht allein. Kurz darauf setzte ich meinen Weg nach Seyðisfjörður fort und dieser führte mich auf einen hohen Berg mit einem herrlichen Ausblick auf das noch im Nebel eingehüllte Egilsstaðir. Die Fahrt über diesen Höhenzug gestaltete sich abenteuerlicher, als zu Beginn angenommen. Je höher ich kam, desto mehr Nebel umgab mich und desto schlechter wurde die Sicht. Doch ich kannte diese Situation schon von der Tour mit Meta und reduzierte meine Geschwindigkeit. Schon bald war ich dem Nebelfeld entwichen und Seyðisfjörður lag vor mir. Dieser Ort wirkte durch seine vielen kleinen bunten Häuser beinahe spielerisch. Gleichzeitig legt in diesem Hafen die einzige Autofähre an, die Island mit dem europäischen Festland verbindet.
Nach einem Spaziergang auf der Regenbogenstraße und durch den Rest der Stadt steuerte ich mein nächstes Ziel an: Eskifjörður. Dieses recht langgezogene Dorf wirkte sehr friedlich und ruhig. Kinder spielten auf dem Fußballplatz und am Hafen schwammen die Enten im Wasser - Harmonie pur. Nach der Durchquerung eines Tunnels kam ich nach Neskaupstaður. Hier fand gerade ein Wettlauf statt. Mir wurde erklärt, dass es 27 Kilometer zu bewältigen gab und ich mich gerade am Zieleinlauf befand. Dass hier ein solches Event stattfinden würde, hätte ich nicht erwartet...
Von den drei Orten mochte ich Neskaupstaður am liebsten. Der kleine Park direkt neben dem Hafen bot mir ein schattiges Plätzchen. Mit Blick auf die Berge auf der anderen Seite des Fjords genoss ich mein Mittagessen. Als ich durch den Garten spazierte, laß ich, dass dieser Ort eine spezielle Geschichte hat. Ein Verein, der sich Nannas Frauenverbindung nannte, hatte die Stadtverwaltung 1933 um dieses Land gebeten, damit hier ein Park entstehen könnte. Hier wäre ich wirklich gerne noch ein paar Stunden geblieben, aber ich hatte noch etwas anderes vor.
Auf dem Weg zurück nach Egilsstaðir kam ich noch an einem Aussichtspunkt vorbei, der einen weiten Blick auf den Reyðarfjörður bot. Als ich dann am Fuß des Berges direkt am Meer vorbeifuhr, konnte ich meinen Augen kaum glauben: Da waren Delfine im Wasser. Noch nie zuvor, hatte ich wilde Delfine gesehen. Ich war vollkommen begeistert.
Danach verfolgte ich den Plan, den See Lagarfljót einmal zu umrunden, denn auf der anderen Seite gab es noch Islands dritthöchsten Wasserfall zu entdecken. Während der Wanderung dorthin, kam ich mit einem gebürtigen Schweden ins Gespräch, der jetzt in Dänemark lebt. Wir unterhielten uns über die "Faszination Island" und so kam uns der Weg bis nach oben nur noch halb so lang vor. Unmittelbar neben dem Wanderweg blickte man in die Tiefe der schönen Schlucht, die der Fluss Hengifossá geformt hatte. Ab und zu konnte man die besonderen Basaltsäulen entdecken. Ich hatte das Gefühl die Dinge auf den Informationstafeln schon einmal in der Schule gelernt zu haben. Hätte ich damals diesen Anblick genießen können, dann wüsste ich das Gelernte vielleicht heute noch... Die Basaltsäulen entstehen auf jeden Fall, wenn die Lava weiter abkühlt. Dann formt sich das abkühlende Gestein zu Säulen, die in der Regel sechseckig sind. Oben angekommen, konnte ich den knapp 130 Meter hohen Wasserfall bestaunen. Zwischen den dunklen Basaltschichten sind auch rötliche Lehmschichten zu erkennen. Diese entstanden, als Vulkanasche auf die Lavaschichten fielen und mit der Zeit zu Lehm mit Eisenverbindungen wurde. Als das Eisen sich mit Sauerstoff verband, färbte es sich rot. Nach dieser Besichtigung wollte ich so langsam auf den Campingplatz zurückkehren.
Für mich war es auf einmal ganz seltsam mit einem Auto zu campen. Sonst hatte ich doch immer mein Fahrrad neben dem Zelt geparkt. Ab morgen würde diese Seltsamkeit ein Ende haben und ich würde wieder auf meinem guten alten Stahlross sitzen...